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Energie

Energie Die Ölriesen erzielen wieder Milliardengewinne – doch das dürfte nicht von Dauer sein

Die großen westlichen Konzerne haben das schlimmste Jahr ihrer Geschichte hinter sich gelassen. Anleger sind vom Comeback aber nicht überzeugt.
07.05.2021 - 09:03 Uhr Kommentieren
Die Ölpreise sind wieder im Aufwärtstrend. Quelle: dpa
Ölpreise

Die Ölpreise sind wieder im Aufwärtstrend.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Zum ersten Mal seit fast anderthalb Jahren schreiben die großen Ölkonzerne wieder schwarze Zahlen. Das erste Quartal lief für die britisch-niederländische Shell, den britischen BP-Konzern, die französische Total und die Schwergewichte Exxon Mobil und Chevron aus den USA überraschend gut.

Zusammengenommen erwirtschafteten die fünf größten der privat geführten Ölriesen zu Jahresanfang knapp 16 Milliarden Dollar. Für die fossile Energieindustrie ist das fast schon ein Grund zum Feiern. Die globale Corona-Pandemie sorgte 2020 dafür, dass Marktführer Exxon das erste Mal in vier Jahrzehnten ein Geschäftsjahr in den roten Zahlen abschloss. Insgesamt kamen die fünf größten westlichen Ölkonzerne auf ein Minus von fast 76 Milliarden Dollar.

Das laufende Jahr hat dagegen auf Vorkrisenniveau begonnen. Durch die Bank haben die Konzerne die Erwartungen der Analysten übertroffen. Shell konnte dank des gestiegenen Ölpreises das bereinigte Ergebnis um 13 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar steigern, lag damit aber immer noch unter dem Niveau von 2019, als ein Gewinn von 5,3 Milliarden Euro erzielt wurde. 

Neben der Erholung der Rohstoffpreise sei das Plus auf den Verkauf von Vermögenswerten zurückzuführen, hieß es. Auch die britische BP konnte ihren Nettogewinn dank höherer Einnahmen aus dem Erdgashandel auf 2,6 Milliarden Euro nach 790 Millionen Euro im Vorjahr, steigern.

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    Die Ölförderer profitieren nicht nur von dem erwarteten Wirtschaftsboom, da immer mehr Länder ihre Einschränkungen mit Blick auf Corona beginnen zu lockern, sondern auch von der Entwicklung am Erdölmarkt. Die Preise sind gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Derzeit werden für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent knapp 68 Dollar bezahlt. Das liegt deutlich über der Profitabilitätsschwelle von rund 52 Dollar je Fass. Vor Jahresfrist hatte der Ölpreis gerade mal knapp 30 Dollar betragen.

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    Mit der aktuellen Rally an den Rohstoffmärkten kann sich auch Exxon Mobil wieder aus dem Minus befördern. Im ersten Quartal erwirtschaftete das Unternehmen aus Texas ein Plus von 2,7 Milliarden Dollar, wo im selben Zeitraum vor einem Jahr noch ein Minus von 610 Millionen Dollar stand.

    „Das starke Ergebnis im ersten Quartal ist eine Folge der höheren Rohstoffpreise und unseres Sparkurses“, sagte Konzernchef Darren Woods. Dabei betonte der Manager auch, dass man ein Geschäftsfeld für CO2-arme Lösungen eingeführt habe, das sich vor allem auf die Entwicklung von Projekten zur Abscheidung und Speicherung des klimaschädlichen CO2 konzentrieren soll.

    Beim Marktführer hatte es zuletzt rumort hinter den Kulissen. Mittlerweile drängt nicht nur die Politik in Washington unter Präsident Joe Biden auf CO2-Reduzierung und den Ausbau alternativer Energien. Auch immer mehr Analysten haben zuletzt den Exxon-Kurs kritisiert, weil der Ölgigant sich immer noch auf fossile Brennstoffe konzentriert. Mit dem Engagement aktivistischer Investoren, die ebenfalls auf erneuerbare Energien pochen, nimmt das Ganze eine neue Dimension an.

    Während etwa europäische Größen wie Shell, BP, Total und Eni einen Wandel hin zu klimafreundlicheren Energien einläuten, haben sich ihre US-Rivalen Exxon, Chevron und Conoco Phillips kaum auf die Zeit nach dem Öl eingestellt und laufen Gefahr, den Anschluss an die neue Energiewelt zu verpassen. Noch schlägt sich das aber nicht in den Zahlen wieder.

    Immerhin produziert Exxon wieder mehr Öl und Gas als noch vor einem Jahr. 3,8 Millionen Barrel pro Tag holte das Unternehmen aus der Erde. Rivale Chevron verdiente zwar im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger, schaffte es aber ebenfalls aus den roten Zahlen.

    Total-Konzern bleibt Börsenliebling

    Auch der Total-Konzern zeigt sich zufrieden. Mit einem Gewinn von 3,3 Milliarden Dollar übertrafen die Franzosen sogar ihr Ergebnis vor der Krise im ersten Quartal 2019 um sieben Prozent. Neben den gestiegenen Öl- und Gaspreisen sieht Chef Patrick Pouyanné den Grund dabei vor allem bei dem starken Portfolio erneuerbarer Energien, das bei Total von allen Ölkonzernen bislang am weitesten ausgebaut ist. 

    Ähnlich äußerte sich auch BP und kündigte sogleich ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von 500 Millionen Euro an. Beschleunigte Verkäufe, eine starke Geschäftsentwicklung und die Erholung des Preisumfelds hätten einen starken Barmittelzufluss generiert. Gleichzeitig habe BP strategische Fortschritte erzielt. Dazu gehöre der Aufbau eines Offshore-Windgeschäfts, aber auch Fortschritte bei der Elektrifizierung, kommentierte BP-Chef Bernard Looney das Ergebnis.

    Die Champagnerkorken dürften bei „Big Oil“ trotzdem so schnell nicht wieder knallen. Denn die Anleger zeigen sich wenig überzeugt. Seit dem Corona-bedingten Ölpreis-Crash Anfang 2020 erholen sich die Aktien der Ölmultis nur langsam.

    BP hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate satte 30 Prozent verloren, Exxon Mobil 20 Prozent und Shell sogar fast knapp 40 Prozent. Dass die Zeiten der großen Gewinne vorbei sind, wissen aber auch die Ölkonzerne.

    Sie erwarten, dass die Wirtschaft sich in Zukunft stärker und vor allem schneller auf klimafreundlichere Energiequellen konzentrieren wird als bisher angenommen. Zwar rechnet die Internationale Energieagentur (IEA) damit, dass die langfristige Ölnachfrage in Regionen wie Asien, Indien und Afrika zusammen mit der Bevölkerung weiter wachsen wird. Aber mit Europa und den USA laufen zwei der Hauptmärkte Gefahr, in den kommenden Jahren deutlich kleiner zu werden.

    Mehr: Big Oil ist im Tech-Fieber: Wie sich die Ölindustrie digitalisiert

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