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EnergieWindkraftbranche in der Krise: Siemens Energy rechnet für das Gesamtjahr mit steigenden Verlusten

Der Energietechnikspezialist kann die Umsatzprognose für das Gesamtjahr erhöhen. Doch Siemens Gamesa zieht den gesamten Konzern in Sachen Profitabilität weiter nach unten.Axel Höpner, Kathrin Witsch 15.05.2023 - 12:44 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Geschäft mit den Erneuerbaren Energien zieht weiter den gesamten Siemens-Energy-Konzern nach unten.

Foto: Reuters

Düsseldorf, München. Der Energietechnikspezialist Siemens Energy bekommt die Probleme im Geschäft mit der Windkraft auch nach der Komplettübernahme der Krisentochter Siemens Gamesa noch nicht in den Griff. Im laufenden Geschäftsjahr rechnet der Dax-Konzern wegen der tiefroten Zahlen bei den Erneuerbaren sogar mit nochmals steigenden Verlusten.

„Der Erfolg des Windgeschäfts bleibt die Grundvoraussetzung dafür, dass wir ein profitabler Marktführer im Bereich der Energiewende werden“, sagte Siemens-Energy-Chef Christian Bruch am Montag bei Vorlage der Quartalszahlen. Die Integration von Siemens Gamesa sei aber auf einem guten Weg und die übrigen Geschäfte wie zum Beispiel die Kraftwerkssparte liefen gut.

Bei Siemens Gamesa aber stieg der Verlust im zweiten Quartal 2022/23 (30. September) nochmals um knapp 20 Prozent auf 386 Millionen Euro. Siemens Energy hatte die Krisentochter Gamesa komplett übernommen, um besseren Durchgriff zu haben. Der Mutterkonzern hält inzwischen 98 Prozent der Anteile an der spanischen Tochter und will die verbliebenen Aktionäre über eine Kapitalreduktion aus dem Unternehmen drängen.

Die Windkraftsparte leidet unter einer ganzen Reihe von Problemen. Die ganze Branche hat damit zu kämpfen, dass die gestiegenen Preise zum Beispiel für Stahl nicht an die Kunden weitergegeben werden konnten, weil die Verträge das nicht vorsahen. Neue Aufträge sind bei allen Anbietern profitabler. Doch müsse sich der Auftragseingang erst noch „verumsatzen“, sagte Bruch. Die Branche arbeitet also noch immer die alten, defizitären Aufträge aus der Vergangenheit ab.

Siemens Energy: Nicht nur Siemens Gamesa leidet unter den Problemen der Windkraft-Branche

Die Nachfrage nach Windrädern ist weltweit so hoch wie nie, viele Länder haben ihre Klimaziele höher gesetzt und damit auch den geplanten Ausbau erneuerbarer Energien. Dennoch schreiben vor allem die Turbinenhersteller rote Zahlen, streichen Tausende von Stellen und schließen Werke. Die zwischenzeitlich massiv gestiegenen Rohstoffpreise und das Chaos in den globalen Lieferketten hatten nicht nur teils monatelange Verzögerungen zur Folge. Die Windkonzerne blieben zusätzlich wegen den schon vor der Krise vertraglich vereinbarten Preisen auf den Mehrkosten sitzen. 

Als Folge war auch beim Konkurrenten Nordex der Nettoverlust im ersten Kalenderquartal von 150 auf 215 Millionen Euro gestiegen. Dagegen schaffte die traditionell profitablere Vestas einen kleinen Gewinn von 16 Millionen Euro. „Die Windindustrie ist weiter herausgefordert von politischen Unsicherheiten, langsamen Genehmigungsprozessen und hoher Inflation“, sagte Vestas-CEO Henrik Andersen.

Die europäische Windkraftkraftindustrie steckt jedoch nicht erst in der Krise, seit Rekordrohstoffpreise, Lieferkettenprobleme und der Ukrainekrieg das Geschäft belasten. Die Turbinenproduzenten verdienen schlicht zu wenig – oder wie im Falle von Siemens Gamesa gar kein Geld.

Harter Preiskrampf am Markt für Windkraft

Seit Jahren herrscht auf dem Markt ein ruinöser Preiskampf, vor allem ausgelöst durch die Umstellung von festen staatlichen Vergütungen auf freie Ausschreibungssysteme. Seitdem bekommt nur noch der Günstigste den Zuschlag. Gleichzeitig ist der deutsche Markt in den vergangenen Jahren eingebrochen. Der einst größte Windkraftmarkt der Welt ist heute ein schwieriges Umfeld für die global aktiven Hersteller Vestas, Nordex oder Enercon. 

Um aus der Verlustzone zu kommen, müssen die Preise weiter steigen, sind Experten überzeugt. In den vergangenen Monaten sind die Preise für Windanlagen an Land bereits zwischen 15 bis 20 Prozent gestiegen. Wo vor zwei Jahren noch knapp 800.000 Euro pro Megawatt fällig wurden, sei man nun bei über einer Million Euro, berichten Brancheninsider. Windenergie, die zwanzig Jahre lang günstiger geworden ist, wird wieder teurer. Das allein wird bei Siemens Gamesa aber nicht reichen. 

Bei dem Turbinenhersteller kommen viele hausgemachte Probleme dazu. So wurden nur wenige Synergien zwischen der Onshore-Sparte mit den Windrädern auf Land und dem Offshore-Segment genutzt. Zudem lief der Anlauf der ersten gemeinsam entwickelten Plattform 5.X schlecht. Siemens Energy tauschte mehrmals den Chef aus und schickte schließlich den bewährten Krisenmanager Jochen Eickholt nach Spanien.

Diesem trauen alle Seiten die Wende zu – doch die erfordert Zeit. „Eickholt hat einige Weichen richtig gestellt“, heißt es in Aufsichtsratskreisen. Die Aufträge, die neu hereingeholt werden, seien profitabler. Zudem arbeite der Topmanager intensiv an den Prozessen.

Chef von Siemens Energy ist optimistisch

Auf längere Sicht aber sind die Anbieter optimistisch: „Da kommt ein Markt, der eine Welle wird“, sagte Siemens-Energy-Chef Bruch. Die Frage sei eher, wer all die Windräder werde bauen können, die künftig benötigt würden: „Wir sind in der Energieindustrie am Beginn eines großen Investitionszyklus.“

Die Zahlen geben ihm Recht: Allein im vergangenen Jahr wurden in der Europäischen Union fünf Gigawatt an zusätzlichen Kapazitäten installiert. Das ist ein Drittel mehr als noch 2021 – trotz Energiekrise und Inflation.

Noch aber bleibt Siemens Gamesa eine Dauerbelastung für den Mutterkonzern. Ursprünglich hatte Siemens Energy im laufenden Geschäftsjahr 2022/23, das am 30. September endet, den Vorjahresverlust von 647 Millionen Euro deutlich verringern wollen. Nach einem schwachen ersten Quartal wurde die Prognose bereits einmal gesenkt, Bruch rechnete zwischenzeitlich mit einem Nettoverlust auf Vorjahresniveau.

Nach dem zweiten Quartal nun wurden die Erwartungen nochmals reduziert. Nun geht der Dax-Konzern davon aus, dass der Verlust „das Niveau des Vorjahres um bis zu einen niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag übersteigen wird“. Im zweiten Quartal 2022/23 betrug der Verlust 256 nach 189 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Die Umsätze stiegen deutlich um knapp 24 Prozent auf gut acht Milliarden Euro. Das operative Ergebnis war leicht positiv. Der Aktienkurs von Siemens Energy stieg angesichts der guten Entwicklung in großen Teilen des Konzerns um zwischenzeitlich knapp drei Prozent auf 23 Euro.

Siemens Energy: Geschäft mit Gaskraftwerken und Stromnetzen läuft gut

Siemens Energy hat seit der Abspaltung vom einstigen Mutterkonzern Siemens nur Verluste gemacht. Dabei verdecken die Probleme mit den Erneuerbaren die Tatsache, dass die Geschäfte mit Gaskraftwerken und Stromnetzen sehr solide laufen. So konnte Siemens Energy die Umsatzprognose für das Gesamtjahr sogar erhöhen. Der Konzern rechnet nun mit einem Anstieg der Erlöse um zehn bis zwölf Prozent. Zuletzt hatte die Prognose bei drei bis sieben Prozent gelegen.

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Für Unruhe im Konzern hat ein Bericht des Handelsblatts gesorgt, dass die Sparte mit Hochspannungskomponenten für einen möglichen Verkauf vorbereitet wird. Das Geschäftsfeld umfasst zum Beispiel Isolatoren, Ableiter und Spulen für Umspannwerke.

Kern sind die Aktivitäten der Firma Trench Group, die Siemens vor knapp 20 Jahren übernommen hatte. Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen erzielte die Einheit mit 2500 Mitarbeitern insgesamt zuletzt dreistellige Millionenumsätze. Es sei ein „fragwürdiger Stil“, dass die Beschäftigten von den Plänen aus der Presse erfahren würden, kritisierte die IG Metall.

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