Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Energiebranche Stromproduzent Steag pocht beim Kohleausstieg auf Entschädigungen

Der Kraftwerksbetreiber ist zum Umstieg auf Gas bereit. Steag-Chef Rumstadt hofft auf Fördermittel – und macht eine gewaltige Rechnung auf.
1 Kommentar
Insgesamt hat das Unternehmen 7700 Megawatt Leistung in seinen Kraftwerken installiert, davon 5500 Megawatt in Deutschland. Quelle: dpa
Steag-Kraftwerk im Ruhrgebiet

Insgesamt hat das Unternehmen 7700 Megawatt Leistung in seinen Kraftwerken installiert, davon 5500 Megawatt in Deutschland.

(Foto: dpa)

EssenEnde Januar legte die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission ihren Vorschlag für den Ausstieg aus der Förderung und Verstromung von Kohle vor: Ende 2038 soll er in Deutschland perfekt sein.

Jetzt beginnt das Feilschen der Kraftwerksbetreiber mit der Bundesregierung um die Entschädigung. „Dieser nach monatelangen Verhandlungen gefundene Kompromiss ist für unser Unternehmen schmerzhaft“, stellte Steag-Chef Joachim Rumstadt am Dienstag bei der Vorlage des Jahresberichts des Stromproduzenten in Essen klar.

Gleichzeitig begrüßte er es, dass „sich die Kommission gegen einen entschädigungslosen Eingriff in die Eigentumsrechte der Kraftwerksbetreiber ausspricht.“ Der Steag-Chef verwies auf Aussagen seines Aufsichtsratschefs Guntram Pehlke, Chef des Dortmunder Kommunalversorgers DSW21. Der hatte 600 Millionen Euro Entschädigung je 1000 Megawatt Kraftwerksleistung gefordert, die abgeschaltet werden sollen.

„Dies scheint mir eine angemessene Größenordnung zu sein“, sagte Rumstadt: „Je nach Typ der Anlage ist das aber vielleicht auch nur eine Untergrenze.“ Dabei drängt der Steag-Chef auf „einzelvertragliche Lösungen“ zwischen Bund und den Unternehmen. Öffentliche Auktionsverfahren, die speziell für die Entschädigung von Steinkohlekraftwerken im Gespräch sind, will Rumstadt nicht.

Steag ist im großen Maße vom Kohleausstieg betroffen. Das vor 81 Jahren gegründete Unternehmen hat – wie Rumstadt betont – seine „Wurzeln in der Steinkohleverstromung und zählt zu den führenden Betreibern von Steinkohlekraftwerken in Deutschland“. Insgesamt hat das Unternehmen 7700 Megawatt Leistung in seinen Kraftwerken installiert, davon 5500 Megawatt in Deutschland. Im Ruhrgebiet und dem Saarland betreibt Steag mehrere große Kohlekraftwerke.

Beim Kohleausstieg ist Steag bereit, in Gasanlagen zu investieren. Quelle: STEAG
Joachim Rumstadt

Beim Kohleausstieg ist Steag bereit, in Gasanlagen zu investieren.

(Foto: STEAG)

Nach Rumstadts Worten müssen die Betreiber von Steinkohlekraftwerken „in der Startphase des Kohleausstiegs die Hauptlast der Stilllegungen tragen“. Von 12.500 Megawatt an Leistung, die schon bis Ende 2022 vom Netz gehen sollen, würden zwei Drittel auf Steinkohlekraftwerke entfallen. Dabei hätten Steinkohleblöcke eine „deutlich bessere CO2-Bilanz“ und „höhere Flexibilität“ als Braunkohlekraftwerke.

Sein Amtskollege bei RWE, Vorstandschef Rolf Martin Schmitz, dürfte das anders sehen. Sein Unternehmen ist Deutschlands größter Betreiber von Braunkohlekraftwerken und fördert im Rheinland im großen Stil den Brennstoff.

Auch Schmitz sieht sein Unternehmen in der ersten Phase überproportional belastet. Seine Rechnung: Wenn Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen, ist auch der angeschlossene Tagebau betroffen. Er fordert deshalb pro 1000 Megawatt, die vom Netz gehen, 1,5 Milliarden Euro an Entschädigung.

Steag-Chef warnt vor gewaltigen Kosten für die Volkswirtschaft

Rumstadt versprach aber, sich am Kohleausstieg zu beteiligen: „Ich kann Ihnen versichern: Wir nehmen diese neuerliche Herausforderung an.“ Der Steag-Chef betonte, dass sein Unternehmen schon in den vergangenen Jahren in erneuerbare, dezentrale Stromproduktion investiert habe und auf die effiziente Kombination von Stromerzeugung und Wärmeproduktion, die Kraft-Wärme-Koppelung, setze.

Beim Kohleausstieg ist Steag nach Rumstadts Worten beispielsweise bereit, in Gasanlagen zu investieren – stellt aber auch Bedingungen: „Wir sind gespannt, welche Fördermöglichkeiten es beispielsweise für die Umrüstungen von Kraftwerksstandorten von Steinkohle- auf Gasbefeuerung und für den Neubau von Gas- und Dampf-Anlagen geben wird.“

Steag könne sein Know-how aber auch bei der von der Kohlekommission gewünschten Wärmeversorgung auf Basis von Kraft-Wärme-Koppelung einbringen.

Nach den Worten des Steag-Chefs werden auf Deutschland mit der Energie- und Verkehrswende gewaltige Kosten zukommen: Bis zum Jahr 2038, dem geplanten Abschluss des Kohleausstiegs, dürften sie sich auf fast 800 Milliarden Euro summieren – dabei sei die Wende in der Wärmeversorgung noch gar nicht eingerechnet. „Das sind schon gewaltige finanzielle Dimensionen“, sagte Rumstadt.

Mit 500 Milliarden Euro werde die EEG-Umlage zu Buche schlagen, mit der der Ausbau der Erneuerbaren Energien gefördert wird. 80 Milliarden Euro werde der Kohleausstieg kosten und 98 Milliarden Euro der Ausbau der Stromnetze. 120 Milliarden Euro kämen dann noch durch die Verkehrswende hinzu – durch den Umstieg auf Elektromobilität.

Für Steag selbst wird der Kohleausstieg aber auch ein Kraftakt. Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit der Energiewende. Im Geschäftsjahr 2018 sank das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 19 Prozent auf 160,6 Millionen Euro.

Das Konzernergebnis nach Steuern brach um fast 80 Prozent auf 12,7 Millionen Euro ein. Der Umsatz sank um 20 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Steag hatte unter anderem drei Kraftwerksblöcke stillgelegt, andere waren schlechter ausgelastet. Trotzdem schüttet Steag 45 Millionen Euro an seine Gesellschafter aus: das Konsortium KSBG von Kommunalversorgern aus Dortmund, Duisburg, Essen, Bochum, Oberhausen und Dinslaken.

In den Städten wird derzeit heftig über das Engagement bei der Steag gestritten – vor allem weil beim Stromproduzenten eine Anschlussfinanzierung ansteht. Essen prüft schon einen Ausstieg aus der Steag, Dortmund dagegen will an dem Stromproduzenten festhalten.

2019 sollen Umsatz und Ergebnis aber wieder steigen. Beim Umsatz erwartet Rumstadt ein Zuwachs auf 3,1 Milliarden Euro. Das Ebit soll sich um 20 bis 25 Prozent verbessern.

Handelsblatt Energie Briefing
Startseite

1 Kommentar zu "Energiebranche: Stromproduzent Steag pocht beim Kohleausstieg auf Entschädigungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das würde den Herren der fossilen Stromwirtschaft so gefallen. Nicht nur dass sie das Klima und unserer aller Zukunft massiv schädigen, nein jetzt rechnen sie auch noch die Kosten für den längst fälligen Ausstieg der Allgemeinheit dem Steuerzahler an. Mit welchem Recht beansprucht die Kohleindustrie eigentlich einen Ausgleich dafür, dass sie ihre allgemeinschädlichen Emissionen beenden? Sollte die Rechnung nicht umgekehrt aufgemacht werden? Wer bezahlt denn die Milliardenkosten der Klimakatastrophen Sturm- und Überschwemmungskosten hier und in der 3. Welt? Auch für die Verursacher der steigenden Kosten für die EEG Zulage werden die Falschen aufgetischt. Wenn Windkraft offshore oder auf dem Land abgeregelt wird, damit Atommeiler und Kohlekraftwerke in Grundlast weiterlaufen., zahlt der Steuerzahler eine Ausfallgarantie für fehlende Stromeinspeisung . Wer verhindert die Abschaltung der Kernenergie und der Kohlemeiler seit Jahrzehnten? Statt Förderung der Photovoltaik und Windenergie, von Enrgiespeichersystemen zur Überbrückung von Ausfallzeiten wurde die Förderung in den letzten Jahren systematisch gedrosselt. Ökostrom kann mit Kohle und Atomstrom nicht konkurrieren, weil die Folgekosten im Produktpreis der Fossilen Energieproduktion nicht enthalten sind. Mehr als 80.000 Arbeitsplätze in der Photovoltaikbranche waren das Ergebnis. Wer hat die bezahlt? Wie wärs denn z.B. mit CO2 Abgaben für die Folgekosten der fossilen Energieproduktion? 800 Mrd werden nicht ausreichen um die Schäden zu bezahlen.
    Die Steag glaubt wohl an den Osterhasen und träumt von Milliardeneiern der Steuerzahler. Die Bürger werden diese Rechnung nicht mittragen.