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Energie

Energiekonzern Die neue Eon-Strategie: Zur Ruhe kommen und Wachstum finden

Unter Johannes Teyssen hat Eon strategische Schwenks vollzogen. Der Konzern hat die Umbrüche verkraftet – und wird künftig wieder stetiger agieren.
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Der Vorstandsvorsitzende von Eon musste den Aktionären schon mehrmals schmerzhafte Strategieschwenks zumuten. Quelle: dpa
Johannes Teyssen

Der Vorstandsvorsitzende von Eon musste den Aktionären schon mehrmals schmerzhafte Strategieschwenks zumuten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Noch ist der Deal nicht perfekt. Noch wartet Eon bei der Übernahme von Innogy auf die Genehmigung durch die EU-Kommission. Konzernchef Johannes Teyssen hält aber schon fest: „Der Gesamtumbau ist abgeschlossen.“ Eon habe dann genau die Aufstellung, die der Konzern haben wolle.

Viele Aktionäre werden das erleichtert aufnehmen. Eon hat in den vergangenen zehn Jahren schließlich einen Wandel mitgemacht wie kaum ein zweiter Großkonzern in Deutschland. Nicht zuletzt Teyssen hat den Aktionären seit seinem Amtsantritt im Mai 2010 mehrere Strategieschwenks zugemutet – die zum Teil sehr schmerzhaft waren.

Zuerst identifizierte er neue – vermeintliche – Wachstumsmärkte in Brasilien und der Türkei. Das Engagement in Brasilien entwickelte sich zum Fiasko. Eon wollte im großen Stil Kraftwerke bauen, fand 2012 einen vermeintlich attraktiven Partner, den damaligen Multimilliardär Eike Batista. Batista ging aber pleite.

Eon musste Geld nachschießen und versenkte eine Milliarde Euro. Nachfolgegesellschaft Uniper beendete das Engagement Anfang des Jahres sang- und klanglos. In der Türkei ist Eon zwar noch aktiv, die Schwankungen der Lira bereiten aber ebenso Sorgen wie die unsicheren politischen Rahmenbedingungen.

Ende 2014 überraschte Teyssen dann mit der spektakulären Aufspaltung des Konzerns. Eon kündigte die Trennung von nicht weniger als dem jahrzehntelangen Kerngeschäft an, der Stromerzeugung mit konventionellen Kraftwerken. Im Herbst 2016 brachte Eon die neue Uniper SE mehrheitlich an die Börse.

Aufspaltung nur unter Schmerzen

Die Aufspaltung wurde zwar auf breiter Front von den Aktionären begrüßt, gelang aber nur unter größten Schmerzen. Eon war zu Wertberichtigungen in Höhe von elf Milliarden Euro gezwungen und musste einen Rekordverlust von 16 Milliarden Euro verbuchen. Das Eigenkapital schnurrte auf nur noch 1,3 Milliarden Euro zusammen. Die Eigenkapitalquote sank auf zwei Prozent.

Zudem blieb die komplette Trennung von der konventionellen Stromerzeugung unvollendet. Eon musste die Kernkraftwerke erst einmal behalten. Die Bundesregierung wollte den Konzern schlicht nicht aus der Haftung entlassen.

Und damals pries Teyssen gegenüber den Aktionären die erneuerbaren Energien noch als wichtiges Zukunftsgeschäft. Sie gehörten ebenso zum Kerngeschäft wie die Netze und der Vertrieb. Mit dem Deal, den Eon im vergangenen Jahr mit RWE einfädelte, sollen die erneuerbaren Energien nun nicht mehr zum Konzern gehören.

Die Aktionäre mussten während Teyssens Amtszeit schon oft tapfer sein. Viermal in neun Jahren musste er einen Nettoverlust einräumen. Diesem Verlusten von insgesamt 27 Milliarden Euro stehen bisher nur knapp 20 Milliarden Euro an Gewinnen gegenüber. Trotzdem trugen die Anteilseigner bisher die strategischen Schwenks stets mit. Schließlich wissen sie auch, dass Teyssen handeln musste. Eons traditionellem Geschäftsmodell wurde nach der Reaktorkatastrophe in Japan im Mai 2011, als Deutschland die Energiewende forcierte, schlicht die Grundlage entzogen.

Und inzwischen hat sich Eon aller Altlasten entledigt. Die Kohlekraftwerke hat Uniper übernommen. Die Atomkraftwerke gehen bis 2022 vom Netz. Die Verantwortung für die Entsorgung des nuklearen Abfalls und die Endlagerung hat Eon gegen eine Zahlung von gut zehn Milliarden Euro an den öffentlich-rechtlichen Atomfonds abgegeben.

Die Suche nach neuem Wachstum

Auch die Finanzkennzahlen haben sich erholt. Zum zweiten Mal in Folge hat Eon wieder einen Gewinn ausgewiesen. Das Eigenkapital ist auf 8,5 Milliarden Euro gestiegen, die Eigenkapitalquote liegt wieder bei 16 Prozent. Die Nettoschulden sind im vergangenen Jahr um 14 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro gesunken, die Verschuldungsquote, die das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda misst, ging von 3,9 auf 3,4 zurück. Sie liegt damit sogar unter dem angestrebten Zielwert von 4,0.

Der wiederholte Umbau, mit dem Teyssen die Aktionäre konfrontiert hat, mag zum Teil schmerzhaft gewesen sein, Eon hat ihn aber verkraftet. Und, wie Teyssen verspricht, jetzt soll Eon zur Ruhe kommen – und in der neuen Struktur nach neuem Wachstum suchen.

Teyssen selbst wird sich um den Neustart kümmern. Sein Vertrag läuft noch bis Ende 2021 – und Aufsichtsratschef Karl-Ludwig Kley hat klargestellt, dass Teyssen auch die neue Eon führen und seinen Vertrag erfüllen wird.

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