Energie
Eon-Zentrale in Essen

Die bisherige RWE-Tochter Innogy soll bei einem Tauschgeschäft zerschlagen werden.

(Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe)

Energiekonzern Eon bleibt bei Innogy-Zerschlagung gegenüber den Hedgefonds hart

Viele Fonds haben sich gegen das Angebot des Energiekonzerns für Innogy entschieden. Eon dämpft nun ihre Hoffnung auf einen Nachschlag.
Kommentieren

DüsseldorfDie Botschaft von Eons Finanzvorstand Marc Spieker ist unmissverständlich: „Von uns aus wird es keine Aufstockung des Angebots in Zukunft geben“, stellte er am Mittwoch bei der Präsentation des Halbjahresberichts noch einmal klar: „Dazu gibt es keine Veranlassung.“

Die Botschaft war an die verbliebenen Aktionäre von Konkurrent Innogy gerichtet – vor allem an die Hedgefonds, die auf ein zweites, höheres Übernahmeangebot von Eon spekulieren. Im März hatte sich der Konzern bereits die ersten 76,8 Prozent gesichert. Das Paket gehörte dem Innogy-Mutterkonzern RWE. Mit ihm vereinbarte Eon ein Tauschgeschäft im Volumen von rund 20 Milliarden Euro, bei dem Innogy zerschlagen werden soll.

Weitere 9,4 Prozent bekam Eon im Zuge des öffentlichen Übernahmeangebots angedient. Insgesamt hat Eon damit Zugriff auf 86,2 Prozent – also eine satte Mehrheit.

Viele Fonds, aber auch Privatanleger haben sich jedoch bewusst gegen die Offerte entschieden. In den vergangenen Wochen, so heißt es in Finanzkreisen, sollen Hedgefonds sogar noch im großen Stil eingestiegen sein.

Die Motivation ist klar: Die Aktionäre, die jetzt noch 13,8 Prozent der Innogy-Aktien halten, hoffen, im Nachgang noch mehr herausholen zu können. Eon hatte 36,76 Euro je Aktie geboten plus die für 2018 erwartete Dividende von 1,64 Euro. Aktuell notiert der Kurs mit 37,70 Euro oberhalb der Offerte.

Das Kalkül: Eon wird nachlegen, um den Widerstand der Minderheitsaktionäre bei der Umsetzung der Transaktion kleinzuhalten. Schließlich will Eon Innogy ja nicht nur übernehmen, sondern zerschlagen und integrieren. Der Konzern will die Sparten Vertrieb und Netz übernehmen und sie mit seinen eigenen verschmelzen. Die erneuerbaren Energien sollen dagegen an RWE gehen.

Komplexe Transaktion

Spieker dämpfte aber die Hoffnungen der verbliebenen Innogy-Aktionäre: „Bereits mit dem vereinbarten Erwerb der RWE-Mehrheitsbeteiligung hätten wir alle notwendigen Handlungsspielräume erhalten, um Innogy nach dem Vollzug der Transaktion in Eon zu integrieren“, sagte er – und zeigte sich deshalb mit dem Ergebnis des Übernahmeangebots „sehr zufrieden“. Eon stünden „weiter zahlreiche Optionen für die rechtliche Integration nach dem Closing zur Verfügung“.

Tatsächlich wäre die Integration zwar leichter gewesen, wenn Eon sich mehr als 90 Prozent der Anteile gesichert hätte. Dann hätte der Konzern die Minderheitsaktionäre mit einem Squeeze-out und einer Abfindung aus dem Unternehmen drängen und die Innogy SE abwickeln können. Eon hat jetzt aber noch andere, wenn auch etwas komplexere Möglichkeiten für die Integration.

Am wahrscheinlichsten ist die Verschmelzung der beiden Konzerne Eon und Innogy zu einem neuen Unternehmen. Die Innogy-Minderheitsaktionäre wären dann an dieser „Newco“ beteiligt. Eon kann aber auch über einen Beherrschungsvertrag Innogy „aushöhlen“, das heißt die gewünschten Aktivitäten in den eigenen Konzern einbringen. Die Innogy-Aktionäre müssten dafür entweder mit einem Abfindungsangebot oder einer Garantiedividende entschädigt werden.

Die Angemessenheit der jeweiligen Konditionen wird dann in einem Spruchstellenverfahren vor Gericht festgestellt. Das Kalkül der Aktionäre auf einen Nachschlag kann so also noch aufgehen. Die Integration kann aber nach Einschätzung von Experten allenfalls etwas verzögert werden, verhindert werden kann sie nicht.

„Eon hat alle Möglichkeiten, die Transaktion wie geplant umzusetzen“, sagt Thomas Hechtfischer, Geschäftsführer bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Aber auch die Minderheitsaktionäre sieht Hechtfischer, der im Vorfeld zum Abwarten geraten hatte, in einer komfortablen Situation. Es sei zwar möglich, aber äußerst unwahrscheinlich, dass bei einem Spruchstellenverfahren weniger herauskomme als bei der ersten Offerte. „Der Deal wird dadurch aber nicht blockiert“, hält Hechtfischer noch einmal fest.

Handelsblatt Energie Briefing
Startseite

Mehr zu: Energiekonzern - Eon bleibt bei Innogy-Zerschlagung gegenüber den Hedgefonds hart

0 Kommentare zu "Energiekonzern: Eon bleibt bei Innogy-Zerschlagung gegenüber den Hedgefonds hart"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%