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Energie

Energiekonzern Eon-Chef verspricht „Quantensprung“ auf Hauptversammlung – Aktionäre sind skeptisch

Teyssen sieht den Energiekonzern nach der Innogy-Übernahme gut aufgestellt. Die Aktionäre aber ärgern sich über das maue Geschäft und die Kursentwicklung.
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Der Konzernchef von Eon verspricht den Aktionären glänzende Wachstumsperspektiven. Quelle: dpa
Johannes Teyssen

Der Konzernchef von Eon verspricht den Aktionären glänzende Wachstumsperspektiven.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNoch ist die Übernahme von Konkurrent Innogy nicht perfekt, denn noch fehlt die Genehmigung durch die EU-Kommission. Eon-Chef Johannes Teyssen schilderte den Aktionären auf der Hauptversammlung aber schon wortgewaltig die seiner Meinung nach glänzenden Wachstumsperspektiven.

Die Transaktion sei ein „Paukenschlag“, „ein Quantensprung in der Umsetzung unserer Strategie“, „ein großer Wachstumsschritt“, warb er in der Grugahalle in Essen: „Er wird unsere Eon in Europa und in unserer deutschen Heimat zu einem der wichtigsten Unternehmen der neuen Energiewelt machen.“

Die Aktionäre begrüßen das Projekt zwar, sehen den Deal aber alles andere als euphorisch: „Das Geschäftsmodell der neuen Eon ist zum Teil noch Zukunftsmusik, es fehlt an Transparenz und Visibilität, aber auch an Fantasie, wo das künftige Ergebniswachstum herkommen soll“, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager bei Unioner Investment.

Für Joachim Kregel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) stellt sich inzwischen die Frage, wer der Gewinner der Transaktion ist. Kregel sieht inzwischen einen „leichten Vorteil“ beim Innogy-Mutterkonzern RWE.

Teyssen hatte im März 2018 die Öffentlichkeit und die Aktionäre mit seinen Plänen überrascht. Gemeinsam mit RWE-Chef Rolf Martin Schmitz vereinbarte er eine Transaktion im Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro. Dabei wird die RWE-Tochter Innogy zerschlagen.

Eon übernimmt die Sparten Vertrieb und Netz. RWE erhält die erneuerbaren Energien von Innogy und die, die Eon derzeit betreibt. Eon will mit der Transaktion zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen, der rund 50 Millionen Kunden versorgt und Strom- und Gasnetze in einer Länge von 1,5 Millionen Kunden betreibt.

„Eon ist das erste große europäische Energieunternehmen, das sich voll den Bedürfnissen seiner Kunden und der Gesellschaft in der Energiewelt des 21. Jahrhunderts verschrieben hat“, schwärmte Teyssen. Bei der neuen Energiewelt stünden schließlich „innovative Kundenlösungen auf der Grundlage intelligenter Netze in den Städten und Regionen Europas“ im Mittelpunkt.

Die Aktionäre sind vor allem mit Blick auf die triste Gegenwart skeptisch. Union-Investment-Vertreter Deser verwies auf die schwache Performance der Eon-Aktie 2018 mit einer Gesamtrendite – also inklusive Dividende – von minus zwei Prozent, während sich die Aktionäre von RWE über eine Rendite von 20 Prozent und die von Innogy sogar von 30 Prozent freuen durften. „Aus Sicht des Kapitalmarktes ist Eon zumindest für den Moment klarer Verlierer des Deals mit RWE und Innogy“, hielt Deser fest und fügte an: „Die Skepsis des Kapitalmarktes kommt nicht von ungefähr.“

„In der Gesamtschau glauben wir an und hoffen wir auf den Deal – weil sich dann hoffentlich endlich die erhoffte Kursreaktion einstellt“, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): „Alle anderen am Deal beteiligten Versorger haben kursmäßig schon profitiert.“ 2018 stagnierte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei drei Milliarden Euro.

„Offenbar stehen bei Eon die Zeichen auf Stillstand“, sagte Winfried Mathes von Deka Investment: „Seit nun schon drei Jahren pendelt der operative Gewinn um diese Marke herum.“ Und Besserung sei nicht in Sicht. Die Ebit-Prognose liege „weiterhin auf diesem Niveau“.

Und auch das erste Quartal hat schwach begonnen. Das Ebit sank um acht Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, wie der Konzern am Vortag bekannt gegeben hatte. Zudem startete auch Innogy schwach. Das Unternehmen, das Eon übernehmen will, berichtete kurz vor Auftakt der Hauptversammlung über einen Rückgang des Ebits um 22 Prozent auf 964 Millionen Euro. Besonders das britische Vertriebsgeschäft bereitet Innogy weiter große Probleme. Der Konzern verbuchte hier beim Ebit einen Fehlbetrag von 45 Millionen Euro. Auch Eon hat hier Probleme.

„Die massiven Verluste im britischen Vertriebsgeschäft vor allem bei Innogy und die Kundenverluste beider Unternehmen in diesem schwierigen Markt sind natürlich Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen und stellen werden“, versprach Teyssen.

Zunächst muss er den Deal aber erst noch perfekt machen. Die EU-Kommission hat eine vertiefte Prüfung eingeleitet. Konkurrenten haben sich über die Marktmacht des neuen Unternehmens beschwert. Für DSW-Vertreter Hechtfischer ist es die „Gretchenfrage“, ob der Deal überhaupt genehmigt wird. Er verwies auf die jüngst am Widerstand der EU-Kommission gescheiterten Fusionen von Siemens und Alstom in der Bahntechnik oder der Stahlsparten von Thyssen-Krupp und Tata.

Teyssen ist aber weiter zuversichtlich, dass Eon die erforderlichen Genehmigungen wie erwartet in der zweiten Jahreshälfte erhalten wird – und lässt keine Zweifel an seinem Coup zu: „Zeigen Sie mir ein Unternehmen, das sich wie Eon binnen weniger Jahre so radikal und neu aufgestellt hat und schon wieder fest auf beiden Beinen steht!“, hielt Teyssen fest: „So fest, dass es eine so gewaltige Übernahme angehen kann.“

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