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Energie

Energiekonzern RWE fordert hohe Entschädigung für den Kohleausstieg

Konzernchef Schmitz erwartet bis zu 1,5 Milliarden Euro je Gigawatt, das vom Netz geht. Zum Erhalt des Hambacher Forstes wäre er bereit – unter Bedingungen.
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Der RWE-Chef erwartet eine hohe Kompensation für die vorzeitige Beendigung der Braunkohleförderung und die Stilllegung von Kohlekraftwerken Quelle: dpa
Rolf Martin Schmitz

Der RWE-Chef erwartet eine hohe Kompensation für die vorzeitige Beendigung der Braunkohleförderung und die Stilllegung von Kohlekraftwerken

(Foto: dpa)

EssenDer Chef des größten deutschen Kohlekonzerns RWE, Rolf Martin Schmitz, ist zum Kohleausstieg bereit – erwartet aber eine üppige Entschädigung. „Wir sind bereit unseren Beitrag zu leisten“, sagte Schmitz am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz seines Unternehmens in Essen und begrüßte die jüngsten Empfehlungen der Kohlekommission grundsätzlich.

„Voraussetzung ist, dass die Politik so tatkräftig unterstützt, wie die Kommission es empfiehlt“, fügte er aber hinzu.

Im Klartext: Schmitz erwartet eine hohe Kompensation für die vorzeitige Beendigung der Braunkohleförderung und die Stilllegung von Kohlekraftwerken – von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro je Gigawatt. „Dass die Entschädigungen für die Stilllegung weiter Kraftwerke deutlich höher ausfallen müssen als in der Vergangenheit, liegt auf der Hand“, sagte Schmitz.

Anders als bei früheren Eingriffen seien jetzt auch Braunkohletagebaue betroffen, „so dass weitere Stilllegungen von Kraftwerken in der Braunkohle unmittelbare Auswirkungen auf das Tagebausystem haben“.

Dabei will Schmitz auch prüfen, ob der von Klimaschützern geforderte Erhalt des Hambacher Forstes „technisch mit Blick auf Standsicherheit, Rekultivierung und Wasserwirtschaft möglich ist.“ Aber auch hier erwartet er eine hohe Entschädigung: „Ganz offensichtlich ist schon jetzt, dass für den Erhalt des restlichen Forstes eine Menge Geld aufgebracht werden müsste, wirtschaftlich und betrieblich sinnvoll wäre das also nicht“, sagte Schmitz: „Aber Symbole haben eben ihren Preis.“

Vor wenigen Wochen hatte die sogenannte Kohlekommission ihren Abschlussbericht vorgelegt. Das Gremium, bei dem neben Vertretern aus Wirtschaft und Politik auch Umweltverbände vertreten waren, empfiehlt den Ausstieg aus Kohleförderung und -verstromung bis 2038. Schon bis 2023 sollen Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von drei Gigawatt stillgelegt werden.

Die Empfehlungen müssen von der Politik aber noch in Gesetzesform gegossen werden. Dabei dürfte die Bundesregierung mit den betroffenen Unternehmen vor allem über die Entschädigung streiten, die auch die Kohlekommission empfiehlt.

Die Kommission hatte auch den Erhalt des Hambacher Forstes als „wünschenswert“ bezeichnet. Das Waldstück im Rheinland war in den vergangenen Jahren zum Symbol für Klimaschützer zum Kampf gegen die Kohle geworden. Waldbesetzer und Demonstranten versuchten zu verhindern, dass RWE die Rodung fortsetzen kann, um den Weg für die Bagger von RWE im angrenzenden Braunkohletagebau frei zu machen.

Tatsächlich gelang es Umweltschützern vor Gericht einen vorläufigen Stopp durchzusetzen. RWE hat sich inzwischen selbst zu einem Moratorium bis Herbst 2020 erklärt. Schmitz betonte, dass der Erhalt des Forstes nicht einfach werde. Unter anderem bedürfe es „einer insgesamt neuen Braunkohleplanung“.

Kohleausstieg belastet bereits das Geschäft

Seine Forderung nach einer Entschädigung für die Stilllegung von Kraftwerken dürfte in der Politik auf Widerstand stoßen. Viele Experten hatten bisher als Anhaltspunkt die Sicherheitsbereitschaft herangezogen, die vor wenigen Jahren eingerichtet worden war. Damals waren Braunkohlekraftwerke mit einer Kapazität von 2,7 Gigawatt aus dem Markt genommen worden. Dabei wurden 670 Millionen Euro je Gigawatt bezahlt.

„Wir gehen davon aus, dass die Entschädigungen vermutlich bei mindestens dem Doppelten der Sicherheitsbereitschaft liegen müssen“, sagte Schmitz. Schließlich seien jetzt auch Tagebaue betroffen. RWE sei auch bereit für „den ersten großen Schritt bis 2023“ weitere Braunkohlekraftwerke vom Netz zu nehmen.

„Uns ist klar, dass RWE den Löwenanteil der rund drei Gigawatt, die allein in der Braunkohle vom Netz gehen sollen, schultern soll“, sagte Schmitz. Darauf müsse sich RWE einstellen. „Ebenso klar ist aber, RWE kann und wird nicht alles alleine stemmen.“

Der Kohleausstieg belastet schon jetzt das Geschäft: 2019 wird das Ergebnis weiter sinken – unter anderem wegen des Stillstandes in Hambach. Schon 2018 war das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für „RWE stand-alone“, also für das Kerngeschäft und die Dividende von Innogy, auf 1,5 Milliarden Euro von 2,1 Milliarden Euro zurückgegangen.

Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis sank auf 591 Millionen Euro von 973 Millionen Euro. 2019 plant RWE für das Ebitda mit einer Bandbreite von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro; das bereinigte Nettoergebnis soll zwischen 300 und 600 Millionen Euro liegen.

Die Aktionäre erhalten trotzdem eine üppige Dividende von 70 Cent für 2018. Im vergangenen Jahr hatte RWE zwar 1,50 Euro ausgeschüttet, allerdings war darin eine hohen Sonderdividende enthalten. Die reguläre Dividende hatte bei 50 Cent gelegen. Für 2019 soll die Dividende auf 80 Cent steigen.

2019 wird für RWE nicht nur wegen der Verhandlungen über den Kohleausstieg ein richtungsweisendes Jahr. Schmitz will RWE in diesem Jahr auch eine neue Zukunft erschließen. Im März vergangenen Jahres hatte er mit Eon-Chef Johannes Teyssen ein umfangreiches Tauschgeschäft vereinbart – bei dem die RWE-Tochter Innogy zerschlagen wird. RWE bekommt dabei die erneuerbaren Energien von Innogy und Eon.

Der Konzern wird damit wieder die gesamte Palette der Stromerzeugung abdecken – von Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken bis Wind- und Solarenergie. Die Transaktion soll in der zweiten Jahreshälfte abgeschlossen sein. Schmitz hat auch schon die nötigen Genehmigungen vorliegen. Eon wartetet aber noch darauf – und ohne die würde auch RWEs neue Strategie scheitern. Eon ist aber zuversichtlich, dass die EU-Kommission den Deal genehmigen wird.

Schmitz ist aber zuversichtlich. RWE liege mit der Transaktion „voll im Plan“ und wolle sie im zweiten Halbjahr abschließen. „Wir sind im Aufbruch“, sagte er, „hin zu einer neuen RWE mit besten Zukunftsaussichten in neuen, globalen Märkten.“

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4 Kommentare zu "Energiekonzern: RWE fordert hohe Entschädigung für den Kohleausstieg"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Womit sollen denn bitteschön etwa die ICE-Hochgeschwindigkeitszüge fahren? Mit Windmühlen auf ihrem Dach??
    Das neue Kohlekraftwerk Datteln IV etwa sollte nämlich gerade auch Strom für das Bahnnetz produzieren.
    Die Ökostalinisten wollen keine Atomkraftwerke, keine Ölkraftwerke, keine Gaskraftwerke, keine Braun- und Steinkohlekraftwerke.
    Von Grundlastkraftwerken bzw. Grundlastfähigkeit haben die vermutlich aber keinen blassen Schimmer.
    Wieso gibt es z.B. in den dafür hervorragend geeigneten Alpenländern Schweiz und Österreich nicht nur (grundlastfähige) Wasserkraftwerke? Weil die damit noch nicht einmal im entferntesten ihren Energiebedarf decken können. Außer sie wollten freiwillig zurück in die Steinzeit. Aber in Deutschland sollen nicht-grundlastfähige Photovoltaik- und Windkraftanlagen eine Hochtechnologienation zu neuem Wohlstand führen.
    Hier hilft wirklich nur noch das Sprichwort: "Wer nicht hören will, muss fühlen!" Vor einigen Wochen gab es in Berlin einen lächerlichen kleinen Blackout - und die Smartphone-Junkies waren beinahe schon ein Fall für die Klapse, weil sie ihre Akkus nicht mehr laden konnten. Die Ökostalinisten brauchen das aber mehrere Wochen lang. Danach dürfte Berlin in etwa so aussehen wie im Mai 1945...

  • Die Kohlekraftwerke sind die nächsten großen Maschinen, die Deutschland hier abwürgt.
    Vielleicht werden sie eines Tages fehlen, zumindest geht ein Teil der sicheren und steuerbaren Selbstversorgung mit Energie verloren.

  • Allen Stromanbietern wurde schon immer Zucker ins Gesaeß geblasen.
    Als aber Millionen verdient wurden und werden, hat man ALLES schön eingesackt.
    Schluß und Aus mit Subventionen und Geschenken.
    Die CDU-regierten Länder waren schon immer zu Milde.

    Wie sagt ein arabisches Sprichwort:

    Güte lockt Schlangen aus der Erde.

    Wo bleiben denn die sozial schwachen Mitbürger????

    Aber bald sind ja Wahlen........

  • Es ist ja mal wieder eine Frechheit sondergleichen. Die Autofahrer sollen alles selber und alleine stemmen und die Konzerne wollen alles bezahlt haben. Kohlekraftwerke dürfen ab einen bestimmten Jahr in Deutschland nicht mehr betrieben werden und gut ist. Die Dividenden müssen dann eben mal für 3 oder auch 4 jahre ausfallen.