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Energie
Ben van Beurden

Es ist nicht das erste Mal, dass der Shell-Chef mit solch für seine Branche unkonventionellen Äußerungen auffällt.

(Foto: AP)

Energiekonzern Shell-Chef Ben van Beurden – ein Ölmanager entdeckt die Umwelt

Der Chef des britisch-niederländischen Energiekonzerns Royal Dutch Shell springt Umweltschützern zur Seite – aber nur ein bisschen.
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Frankfurt, London Es sind Worte, die das Herz eines Umweltschützers höherschlagen lassen – gerade, wenn sie aus dem Mund eines der mächtigsten Männer der Energiebranche kommen: Um das Klima zu retten, sollte man doch Wälder pflanzen, sagte Ben van Beurden, Chef des britisch-niederländischen Energieriesen Royal Dutch Shell.

Und das in großem Stil, auf einer Fläche mit der Größe Brasiliens. So sei es möglich, wie der UN-Weltklimarat IPCC angeraten habe, die Erderwärmung auf 1,5 Grad statt zwei Grad einzudämmen, sagte er auf einer Branchenkonferenz in London.

Die Klimaexperten hatten in ihrem viel beachteten Bericht Anfang der Woche erklärt, durch eine solche Reduzierung wären zehn Millionen Menschen weniger vom Anstieg der Meere bedroht, 50 Prozent weniger litten unter Wassermangel, und die Erträge von Reis, Mais und Weizen gingen weniger stark zurück.

Solch ein Wandel sei nicht „einfach dadurch zu schaffen, dass man die gleichen Hebel etwas weiter nach unten drückt“, sagte van Beurden vor den Fachleuten der Öl- und Gasindustrie, man solle doch auch über eine „massive Wiederaufforstung“ nachdenken.

Es ist nicht das erste Mal, dass van Beurden mit solch für seine Branche unkonventionellen Äußerungen auffällt. Zuletzt hatte er damit überrascht, dass er das in mehreren Ländern angekündigte Verbot von Benzin- und Dieselmotoren in Neuwagen als „sehr willkommen und notwendig“ lobte. Dabei ist sein Unternehmen nicht nur einer der größeren Ölförderer, sondern betreibt auch zahlreiche Raffinerien und eines der größten Tankstellennetze der Welt.

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Was weite Teile der Öl- und Gasbranche von den grünen Gedankenspielen van Beurdens halten, fasste der Chefaufseher des Ölhändlers Vitol, Ian Taylor, bei einer Podiumsdiskussion vor dem Londoner Fachpublikum zusammen: „Ich kann die großen Ölkonzerne nicht verstehen“, sagte er mit einem Lächeln.

Die Umweltbemühungen von Shell, BP und Co. bezeichnete er als „schräge“ Geschäftsmodelle. „Das ist aus meiner Sicht reine Geldverschwendung.“ Für seine rhetorische Frage „Oder versteht das hier irgendjemand?“ erntete Taylor Gelächter.

Öl und Gas bleiben Kerngeschäft – vorerst

Doch wie die Branche ist auch van Beurden weit davon entfernt, dem Konzern eine grüne Revolution zu verordnen. Seit der 60-Jährige, der 1983 direkt nach dem Studium bei dem Energieriesen anfing, 2014 zum Chef aufstieg, hat er zwar nicht nur Umsatz und Gewinn, sondern auch die Investitionen in umweltschonende Energien gesteigert.

Aber nach wie vor ist für Royal Dutch Shell Öl und Gas Kerngeschäft. Das werde auch auf absehbare Zeit so bleiben: „Diese Welt wird noch für lange Zeit Öl brauchen“, sagte van Beurden. Nach Ansicht der Energieexperten des Konzerns werde ab 2025 die weltweite Ölnachfrage sinken – aber „das heißt nicht, dass sie schlagartig weg ist“.

Unter Führung des Niederländers wurden in dem Investitionsbudget von Royal Dutch Shell immerhin ein bis zwei Milliarden Dollar pro Jahr für Projekte aus dem Bereich erneuerbare Energien reserviert – allerdings ist das nur ein kleiner Teil des gesamten Budgets von etwa 30 Milliarden.

Royal Dutch Shell setzt für die Zukunft vor allem auf Gas. Der Konzern hat Milliarden für den Zukauf des britischen Gaskonzerns BG sowie in die Erschließung neuer ‧Gasfelder investiert, sodass Royal Dutch mittlerweile genauso viel Gas wie Öl fördert.

Forderungen, der Konzern solle sich klar definierte Vorgaben zur Reduzierung von Kohleemissionen geben, erteilt van Beurden regelmäßig eine Absage. Das sei nicht im Interesse der Investoren. Man müsse außerdem vorsichtig sein, wenn man sich verbindliche Ziele setze, schließlich könnten Klagen drohen.

Sein Wort sollte Garantie genug sein. Als eine Gruppe von Investoren auf der Hauptversammlung im Mai eine deutlichere Festlegung auf Umweltziele forderte, wurde der Antrag mit einer überwältigenden Mehrheit von 95 Prozent abgeschmettert.

Kritik gab es bei dieser Gelegenheit auch am Gehaltsscheck des Firmenchefs, der dank üppiger Boni für 2017 fast acht Millionen Pfund kassierte, elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Doch das ermöglicht ihm immerhin, seine persönliche Energiebilanz aufzubessern: Sein nächstes Auto, versprach van Beurden, werde ein E-Auto sein.

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