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Energie

Energiekonzern Streit um RWE-Aufsichtsrat beendet – vorerst

Das Kontrollgremium hat die Nominierung von Ex-SAP-Vorstand Werner Brandt zum Chef-Aufseher begrüßt. Der scheidende Aufsichtsratschef hat damit Avancen von Werner Müller abgewehrt. Geht der nun zur Atomkommission?
18.09.2015 - 16:46 Uhr
Der angeschlagene Energiekonzern besetzt viele Posten im Aufsichtsrat neu. Quelle: dpa
RWE

Der angeschlagene Energiekonzern besetzt viele Posten im Aufsichtsrat neu.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In der vergangenen Woche ging es in Essen und Umgebung hektisch zu. Die einflussreichen kommunalen Aktionäre von RWE versuchten, Verbündete für eine Revolte zu finden: Sie würden gerne den Chef der RAG-Stiftung, Werner Müller, als neuen Aufsichtsratschef des Energiekonzerns sehen. Offenbar versagten ihnen die Arbeitnehmervertreter aber die Unterstützung. Der scheidenden Aufsichtsratschef, Manfred Schneider, sicherte sich am Freitag bei einer Sitzung des Kontrollgremiums jedenfalls die Unterstützung der Aufsichtsräte für seinen Kandidaten, Ex-SAP-Manager Werner Brandt.

„Der jetzige Aufsichtsrat ist der klaren Meinung, dass in seiner Mitte ein sehr geeigneter Kandidat in Herrn Dr. Werner Brandt für die Kontinuität im Aufsichtsrat auch in einer möglichen Wahl als zukünftiger Aufsichtsratsvorsitzender vorhanden ist“, teilte RWE nach der Sitzung mit. Von den kommunalen Aktionären war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

„Blutspuren in unserer Bilanz“
Peter Terium
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„Das Unternehmen geht durch ein Tal der Tränen.“
(RWE-Chef Peter Terium bei der Quartalsbilanz im November 2013)

(Foto: dpa)
Bernhard Günther
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„Die niedrigen Strompreise hinterlassen ihre Blutspuren in unserer Bilanz.“
(RWE-Finanzvorstand Bernhard Günther, Mitte, im Mai 2014)

(Foto: AFP)
Peter Terium
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„Das Tal der Tränen ist also noch nicht durchschritten.“
(RWE-Chef Peter Terium bei der Jahresbilanz im März 2015)

(Foto: dpa)
Ingo Speich
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„RWE muss sich gesundschrumpfen und braucht an der Spitze keinen Visionär, sondern einen Sanierer.“
(Fondsmanager Ingo Speich bei der Hauptversammlung im April 2014)

(Foto: dpa)
Marc Tüngler
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„Womit verdient RWE in fünf Jahren sein Geld - das ist die Gretchenfrage.“
(Aktionärsvertreter Marc Tüngler bei derselben Hauptversammlung)

(Foto: dpa)
Matthias Hartung
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„Unabhängig von Länder- und Spartengrenzen: Es geht ums Überleben.“
(RWE-Kraftwerkschef Matthias Hartung im Juli 2015)

(Foto: dpa)

Die kommunalen Aktionäre, die etwa ein Viertel der Aktien halten, sehen die Entwicklung bei RWE äußerst kritisch. Sie leiden unter dem dramatischen Kursverlust der Aktie, die alleine in diesem Jahr mehr als die Hälfte an Wert eingebüßt hat und in dieser Woche die tiefsten Stände seit über einem Vierteljahrhundert erreichte. Gleichzeitig fürchten sie um eine weitere Senkung der Dividende, die erst im vergangenen Jahr von zwei auf ein Euro halbiert worden war.

Viele Aktionäre sehen inzwischen auch die Arbeit von Konzernchef Peter Terium kritisch – und lehnen Brandt ab, weil er keine Erfahrungen in der Energiewirtschaft hat. Erst in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Guntram Pehlke, Vorstandschef des Dortmunder Kommunalversorger DSW21: „Im RWE-Aufsichtsrat sehe ich niemanden, der für den Vorsitz geeignet ist“. Es spreche „auch nichts dagegen, einen Externen zu nehmen“, sagte Pehlke, dessen Unternehmen mit einem Anteil von 3,6 Prozent der größte Einzelaktionär von RWE ist.

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    Dieser „externe“ Wunschkandidat der kommunalen Aktionäre war Werner Müller, der bestens in der Politik verdrahtet ist. Sie erhofften sich von ihm, mit der Politik bessere Rahmenbedingungen für den angeschlagenen Energiekonzern auszuhandeln.

    Der ehemalige SAP-Finanzvorstand hat gute Chancen auf den Posten als Aufsichtsratschef beim Energiekonzern RWE. Quelle: dpa
    Werner Brandt

    Der ehemalige SAP-Finanzvorstand hat gute Chancen auf den Posten als Aufsichtsratschef beim Energiekonzern RWE.

    (Foto: dpa)

    Vielleicht wird Müller das nun in anderer Position machen. In Berlin wird er als Kandidat für den Vorsitz der Atomkommission gehandelt. Diese soll im Auftrag der Bundesregierung klären, wie der Atomausstieg bewältigt werden kann, vor allem wie die Finanzierung von Rückbau und Endlagerung gewährleistet werden kann. Müller hat als damaliger Chef der ehemaligen Ruhrkohle RAG vorgemacht, wie so etwas funktionieren kann. Er hat den Steinkohlebergbau in eine Stiftung überführt, die er jetzt leitet. Auch für die Atomlasten ist eine solche Stiftung im Gespräch.

    Bei RWE erwartet den künftigen Aufsichtsrat eine besonders schwierige Aufgabe. Er muss nicht nur Konzernchef Peter Terium bei der Sanierung des Energiekonzerns unterstützen. Er muss auch mit einem besonders schwierigen Aufsichtsrat zurecht kommen.

    Dabei steht das Gremium vor einem Umbruch. Neben dem 76-jährigen Schneider werden auch Daimler-Chef Dieter Zetsche und Ex-Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz das Gremium verlassen. Der Nominierungsausschuss wird dem Aufsichtsrat im Dezember die neuen Vertreter vorschlagen. Der neue Chefkontrolleur wird dann im April nach der Hauptversammlung vom neuen Aufsichtsrat gewählt.

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