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Energie

Energiekonzern Uniper kämpft um Pannenkraftwerk Datteln – Abschreibungen belasten die Bilanz

Der Energiekonzern versucht, das Steinkohlekraftwerk ans Netz zu bekommen – gegen den Beschluss zum Kohleausstieg. Finanziell ist das Projekt ein großes Ärgernis.
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Der Kraftwerksbetreiber Uniper will das Kraftwerk trotz Problemen beim Bau ans Netz bringen. Quelle: dpa
Uniper-Kraftwerk Datteln

Der Kraftwerksbetreiber Uniper will das Kraftwerk trotz Problemen beim Bau ans Netz bringen.

(Foto: dpa)

„Das Projekt geht gut voran und liegt im Plan“, sagte Eckhardt Rümmler, Chief Operating Officer von Uniper, am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz zur wichtigsten Investition des Unternehmens, dem Steinkohlekraftwerk 4 im westfälischen Datteln.

Tatsächlich kann Rümmler damit allenfalls den letzten, im Mai vergangenen Jahres vorgelegten Plan gemeint haben. Denn die Inbetriebnahme war ursprünglich für 2011 geplant – und für Uniper geht es nur noch um eines: zu vermeiden, dass aus dem Pannenkraftwerk endgültig eine Investitionsruine im Volumen von mehr als 1,5 Milliarden Euro wird.

Im Rahmen des geplanten Kohleausstiegs wurde Datteln 4 schon als „Opfer“ identifiziert – und soll gar nicht erst ans Netz gehen. Ein finanzielles Ärgernis ist das Projekt schon lange. Im vergangenen Jahr musste Uniper wieder viele Millionen abschreiben und rutschte unter anderem deswegen in die Verlustzone.

Rümmler wiederholte aber die Durchhalteparolen des Unternehmens: „Jeden Tag arbeiten viele Hundert Kollegen mit Hochdruck an der Fertigstellung“, sagte er auf der Bilanzpressekonferenz. Aktuell ist die Inbetriebnahme für Sommer 2020 geplant.

Unipers ehemalige Mutter Eon hatte den Bau der Anlage, die mit einer Leistung von 1.100 Megawatt zu einem der effizientesten Kohlekraftwerke werden soll, bereits 2007 begonnen und wollte ihn 2011 abschließen. Jahrelang wurde aber die Fertigstellung durch Klagen von Umweltschützern blockiert, die erfolgreich Fehler in der Genehmigung aufdeckten.

Nur mühsam gelang es zuerst Eon und dann Uniper, die Fehler zu beseitigen und die Genehmigungen bis Anfang 2017 neu einzuholen. Als Uniper dann schon mit der zügigen Inbetriebnahme plante, stellte das Unternehmen Mängel im Kessel des Kraftwerks fest und entschied, die Kesselwände komplett auszutauschen.

Und jetzt steht die Inbetriebnahme politisch infrage. Als die sogenannte Kohlekommission vor sechs Wochen ihren Abschlussbericht vorlegte, der den Rahmen für den geplanten Ausstieg aus der klimaschädlichen Technologie legen soll, war darin auch ein Passus enthalten, der Uniper aufschrecken ließ. Die Kommission empfahl, „bereits gebaute, aber noch nicht im Betrieb befindliche Kraftwerke“ gar nicht erst anzuschalten.

„Diese Formulierung ist offensichtlich auf das Kraftwerk Datteln 4 gemünzt“, sagte Rümmler und hielt fest, dass er es „aus energie- und klimapolitischer Sicht absurd fände, das modernste Kraftwerk nicht ans Netz zu bringen und dafür alte und deutlich stärker CO2-ausstoßende Kraftwerke weiter zu betreiben.“

Rümmler betonte aber, dass Uniper bereit sei, sich konstruktiv an der Energiewende zu beteiligen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Letztlich wird es um die angemessene Kompensation gehen, die im Bericht auch vorgesehen ist.

„Wichtig ist aber, dass nun zeitnah mit uns und nicht nur über uns gesprochen wird“, sagte Rümmler und appellierte an die Bundesregierung: „Wenn sie Datteln 4 für den Kohleausstieg ins Kalkül zieht, dann sollte sie umgehend mit uns sprechen, um auch bei diesem Sonderthema mögliche Kollateralschäden für Beschäftigte, Kunden, Investoren und unser Unternehmen insgesamt zu vermeiden.“ Der Passus habe schließlich für deutliche Verunsicherung gesorgt.

Dabei lobte Rümmler grundsätzlich den Bericht der Kohlekommission. Der Kompromiss verdiene „Respekt“ und sei „beachtlich“. Die Bundesregierung müsse ihn jetzt „schnellstmöglich in die Tat“ umsetzen und in „Gesetzesform“ gießen: „Ansonsten besteht die Gefahr, dass der mühsam gefundene Kompromiss wieder zerredet wird oder sich Teile der Gesellschaft davon distanzieren.“

Im vergangenen Jahr belasteten Abschreibungen wegen der weiteren Verzögerungen bei Datteln 4 das Ergebnis. Inklusive Abschreibungen auf das Kraftwerk Provence 4 in Frankreich und Gasspeicher in Deutschland summierten sich die Wertberichtigungen auf 681 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Konzernfehlbetrag von 492 Millionen Euro – auch wenn der um knapp 50 Millionen Euro niedriger ausfiel als ein Jahr zuvor.

Aber auch das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringerte sich – um rund ein Fünftel auf 865 Millionen Euro. Uniper verwies auf den die Stilllegung von Kraftwerken und den Wegfall der Einnahmen aus dem sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje, das verkauft wurde. Und 2019 wird das operative Ergebnis vermutlich weiter zurückgehen auf 550 bis 850 Millionen Euro.

Allerdings könnte das Ergebnis um bis zu 120 Millionen Euro höher ausfallen, wenn der in Großbritannien ausgesetzte Kapazitätsmarkt wieder in Kraft treten sollte.

Trotz des Fehlbetrags hebt Uniper die Dividende an. Sie soll für 2018 auf 90 Cent von zuvor 74 Cent je Aktie steigen. Für 2019 könnte die Ausschüttung sogar bei 1,06 Euro je Aktie liegen. Uniper hatte beim Start 2016 den Anlegern üppige Dividenden versprochen. Bis 2020 sollen diese jedes Jahr im Schnitt um 25 Prozent steigen, wie der Konzern jetzt bekräftigte.

Die Ergebnisse lagen nicht nur im Rahmen der eigenen Prognose, sondern auch der Erwartungen der Analysten, wie Bernstein Research festhielt. Die Aussagen zur Dividende seien sogar überraschend positiv. Die Aktie gab trotzdem zunächst nach – und notierte zwischenzeitlich rund 0,6 Prozent im Minus.

Über die üppige Dividende darf sich auch der finnische Energiekonzern Fortum freuen. Das Unternehmen hält inzwischen 49,99 Prozent. Fortum war im vergangenen Jahr eingestiegen und hatte sich vor allem das verbliebene 47-Prozent-Paket von Eon gesichert. Das Uniper-Management um Vorstandschef Klaus Schäfer hatte sich vehement gegen den Einstieg gewehrt.

Vor wenigen Wochen sprach Aufsichtsratschef Bernhard Reutersberg aber ein Machtwort. Er verlangte einen Neustart in der Beziehung zum größten Aktionär. In diesem Zuge gaben Vorstandschef Klaus Schäfer, der seit Sommer wegen einer Krebserkrankung sein Amt ruhen lässt, und Finanzvorstand Christopher Delbrück ihren Abschied bekannt. Der verbliebene Vorstand, COO Rümmler und Handelschef Keith Martin, sollen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Fortum ausloten.

„Wir sprechen mit unserem größten Aktionär auf Augenhöhe - und das ist wichtig“, betonte Rümmler auf der Bilanz-Pressekonferenz in Düsseldorf. Es dürfe bei den Gesprächen keine Tabus geben. „Wir starten mit einem weißen Blatt Papier.“

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