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Energie

Energiekonzern Vattenfall gewinnt in Deutschland 100.000 neue Kunden

Der Konzern will im Strom- und Gasvertrieb weiter wachsen. In Sachen Elektromobilität strebt Vatenfall Partnerschaften mit Autokonzernen an.
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Der Vattenfall-Chef baut den Energiekonzern neu auf und will den Kohlendioxidausstoß deutlich verringern. Quelle: Reuters
Tuomo Hatakka

Der Vattenfall-Chef baut den Energiekonzern neu auf und will den Kohlendioxidausstoß deutlich verringern.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf/FrankfurtDer schwedische Energiekonzern Vattenfall will nach dem Verkauf des deutschen Braunkohlegeschäfts hierzulande im Strom- und Gasvertrieb, der Fernwärme und der Elektromobilität zulegen. „Deutschland ist weiter ein Kernmarkt von uns. Wir werden hier weiter wachsen“, sagte Deutschand-Chef Tuomo Hatakka in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir haben in diesem Jahr in Deutschland netto 100.000 neue Kunden gewonnen.“

Der Markt ist hart umkämpft. Vattenfall nutzt dabei wie auch E.ON, RWE und andere Anbieter verstärkt digitale Kanäle wie Vergleichsportale und Anreize durch Boni für neue Kunden.

„Unser Vertriebsgeschäft mit Gas und Strom entwickelt sich sehr positiv“, sagte Hatakka, der auch im Vorstand des Konzerns sitzt. „Derzeit haben wir in Deutschland etwa 3,5 Millionen Kunden. Vor circa zehn Jahren waren es rund 2,6 Millionen.“

Besonders stark vertreten ist der schwedische Staatskonzern in Berlin und Hamburg, wo er auch zahlreiche Haushalte mit Fernwärme versorgt. Zu den erklärten Wachstumsgeschäften gehören auch dezentrale Energielösungen und die erneuerbare Energien.

E-Ladepunkte ausbauen

Große Chancen sieht Hatakka auch in der Elektromobilität. Konzernweit verfüge Vattenfall bereits über 9000 bis 10.000 Ladepunkte – über diese kann der Versorger seinen Stromabsatz weiter ausbauen. „Ich bin davon überzeugt, dass sich auch in Deutschland die Elektromobilität durchsetzen wird“, betont der 61-Jährige, der seit drei Jahren ein Elektroauto von BMW, einen BMW i3, fährt.

„Unser Ziel ist es, mit Elektromobilitätslösungen in allen Kernmärkten jeweils unter den Top drei zu sein.“ Zielgruppe seien hier vor allem Privatkunden, aber auch Firmenflotten. „Wir haben auch großes Interesse an öffentlicher Ladeinfrastruktur.“ Auch Partnerschaften spielten eine Rolle. „Wir sind in Gesprächen zum Beispiel auch mit Automobilherstellern.“

Vattenfall stellt sich seit Jahren neu auf. Der schwedische Staatskonzern hatte 2016 die deutschen Braunkohlekraftwerke und den Tagebau an den tschechischen Versorger EPH und den Finanzinvestor PPF verkauft. Der Konzern will damit seinem Ziel näher kommen, den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid deutlich zu senken.

Ganz auf Kohle verzichtet der Versorger in Deutschland aber noch nicht. „Wir haben in Deutschland sechs kohlebasierte KWK-Anlagen. Von diesen sechs haben wir schon eine still gelegt, Klingenberg in Berlin.“ Eine weitere werde bis 2020 und die übrigen bis spätestens 2030 stillgelegt. Teilweise würden sie ersetzt. Ein Verkauf dieser Anlagen sei ebenso wenig geplant wie eine Veräußerung des erst 2015 in Betrieb genommenen Steinkohlekraftwerks Moorburg in Hamburg.

Sollte sich die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission für ein rasches Ende dieser Stromerzeugung aussprechen, droht dem Kraftwerk eine kurze Lebensdauer. „Wie lange Moorburg läuft, hängt maßgeblich davon ab, was die Kohlekommission entscheidet. Wir werden auch Alternativen überprüfen, wie man die Zukunft Moorburgs gestalten kann, z.B. durch den Einsatz von Biomasse“, sagte Hatakka.

Abreißen wird der Konzern hierzulande zwei Atomkraftwerke, die der Versorger nach dem beschleunigten Atomausstieg 2011 abschalten musste. „Wir wollen die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel nach Erhalt der Genehmigungen möglichst rasch zurückbauen. Wir wollen das in zehn bis zwölf Jahren abschließen.“ Vattenfall hat dafür rund 1,4 Milliarden Euro zurückgestellt. „Die Rückstellungen reichen für den Rückbau aus.“

Handelsblatt Energie Briefing
  • rtr
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