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Energie

Energiekonzerne Katalog mit 228 Fragen – EU-Kommission überprüft Fusion von Eon und Innogy

Die Brüsseler Wettbewerbshüter prüfen die Folgen einer Übernahme von Innogy durch den Konkurrenten Eon. Gegner des Zusammenschlusses fühlen sich bestätigt.
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Mit der Übernahme von Innogy will der Energiekonzern ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte aufschlagen. Quelle: dpa
Eon-Zentrale in Essen

Mit der Übernahme von Innogy will der Energiekonzern ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte aufschlagen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Reaktion aus Brüssel ließ nicht lange auf sich warten. Erst am Donnerstag vergangener Woche hatte Eon die Übernahme von Innogy bei der Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission offiziell angemeldet, bereits am Freitag versandten die Brüsseler Kartellwächter einen umfassenden Fragenkatalog an die Eon-Wettbewerber.

Der Katalog, der dem Handelsblatt vorliegt, umfasst 228 Fragen auf 118 Seiten. Die Wettbewerber sollen detailliert darüber Auskunft geben, wie der Deal die Wettbewerbssituation aus ihrer Sicht verändern würde. Die Transaktion könnte den deutschen Energiemarkt stark verändern.

Die Kritiker des Eon-Innogy-Deals werten die Brüsseler Reaktion als gutes Zeichen. „Die Kommission hat die Relevanz unserer Argumente erkannt. In den Fragen spiegeln sich unsere Bedenken sehr gut wider“, sagte Gero Lücking, Geschäftsführer beim Strom- und Gasanbieter Lichtblick, dem Handelsblatt.

Lücking gehört zu den schärfsten Kritikern des Deals. Aber auch andere Strom- und Gasanbieter ziehen gegen Eon zu Felde, darunter Stadtwerke und Regionalversorger. Die Stadtwerke beobachteten den Konzentrationsprozess „mit kritischer Distanz“, sagte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU), dem Handelsblatt. Die Kartellbehörden seien gefordert, das Verfahren so zu ordnen, „dass der Wettbewerb in der Energiebranche erhalten bleibt“.

Dass die Kommission die Wettbewerber um ihre Einschätzung bittet, gehört zum Standardprozedere. Umfang und Tempo sind für Insider jedoch eine Überraschung. „Die Generaldirektion Wettbewerb ist extrem gut vorbereitet. Zwischen der Anmeldung der Übernahme durch Eon und der Reaktion lagen keine 24 Stunden“, sagte der Berater eines Unternehmens, das den Deal verhindern möchte.

„Der umfassende Fragenkatalog macht deutlich, dass sich die Kommission sehr intensiv mit den wettbewerbsrechtlichen Fragen der geplanten Übernahme befasst“, sagte Ines Zenke, Anwältin bei Becker Büttner Held (BBH), die Stadtwerke und Regionalversorger vertritt, dem Handelsblatt. Bei Eon hingegen ist man gelassen: „Der Fragenkatalog gehört zum Markttest, den die EU-Kommission durchführt. Er ist somit Bestandteil des Standardverfahrens“, sagte eine Eon-Sprecherin.

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Mit der Übernahme von Innogy will Eon ein neues Kapitel seiner Unternehmensgeschichte aufschlagen. Eon und RWE hatten die Pläne vor knapp einem Jahr publik gemacht. Demnach soll die RWE AG 76,8 Prozent ihrer Anteile an Innogy auf Eon übertragen. Zuvor soll das Geschäft von Innogy mit erneuerbaren Energien herausgelöst und an RWE abgegeben werden.

RWE erhält das Erneuerbare-Geschäft der Eon, zusätzlich 1,5 Milliarden Euro sowie einen Anteil an den Eon-Aktien von 16,67 Prozent. Damit hätten die Branchenriesen die Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette neu zwischen sich aufgeteilt: Während sich RWE auf die Erzeugung konzentriert, fokussiert sich Eon künftig auf die Bereiche Netz und Vertrieb.

Das Echo auf die geplante Übernahme von Innogy durch Eon fiel überwiegend positiv aus. Wettbewerbsexperten wie Justus Haucap, Achim Wambach und Daniel Zimmer erklärten den Plan unisono für unbedenklich. Selbst Verbraucherschützer gaben ihren Segen.

„Der Konzern wird Wettbewerb und Preise kontrollieren“

Eine ganze Reihe von Stadtwerken und Regionalversorgern ist hingegen skeptisch. Im Wesentlichen entzündet sich die Kritik an der Fusion des Vertriebs und an der künftigen Rolle von Eon im Bereich des Messwesens.

Im Vertrieb werde Eon nach der Übernahme von Innogy der beherrschende Stromversorger in Deutschland, argumentiert man bei Lichtblick. Auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands versorgten die Unternehmen des neuen Eon-Konzerns mehr als 70 Prozent der Kunden. „In diesen regionalen Märkten wird der Konzern Wettbewerb und Preise kontrollieren“, warnt Lichtblick. Es gebe – ähnlich wie im Tankstellenbereich – einen nationalen Markt mit regionalem Pricing.

Tatsächlich erhalten Verbraucher, die nach einem Stromtarif suchen, auf den Vergleichsportalen im Internet meist nur eine Preisauskunft, wenn sie ihre Postleitzahl eingeben. Es gebe somit keinen nationalen Markt, sondern lediglich ein lokales Angebot, argumentiert Lichtblick.

Folglich sei der lokale Markt der relevante, um zu beurteilen, ob ein Energieversorger eine marktbeherrschende Stellung einnehme. Mit Marktanteilen von je über 70 Prozent habe die neue Eon in einem Großteil der lokalen Strommärkte eine marktbeherrschende Stellung.

Eon sieht das ganz anders. „Wir werden nach der Übernahme im Vertrieb einen Marktanteil von circa 20 Prozent in Deutschland haben. Daraus lässt sich beim besten Willen keine marktbeherrschende Stellung ableiten“, sagte eine Sprecherin.

Außerdem, so argumentieren die Kritiker des Deals, werde Eon nach der Übernahme von Innogy Einfluss auf rund 20 Millionen Stromzähler haben. Die Branche sieht im Betrieb intelligenter Zähler („smart meter“) ein Zukunftsgeschäft. Eon könnte nach der Übernahme aus riesigen Datenmengen schöpfen und mit seiner Marktmacht entstehende Märkte „im Keim ersticken“, so die Befürchtung.

Eon wendet dagegen ein, das Geschäft mit intelligenten Stromzählern stecke noch in den Kinderschuhen. Es gebe gerade einmal ein zertifiziertes Gerät. „Von großen Datenpools kann also gar keine Rede sein.“

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