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Energiemarkt Chinesen drängen mit Milliardenangebot auf den europäischen Strommarkt

Mit der Übernahme des portugiesischen Stromkonzerns EDP streben die Chinesen die weltweite Marktführerschaft bei Ökostrom an.
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Nach Maschinenbau und Robotik konzentrieren sich Chinesen vermehrt auf Investitionen im Energiebereich. Quelle: dpa
Den nächsten Markt im Visier

Nach Maschinenbau und Robotik konzentrieren sich Chinesen vermehrt auf Investitionen im Energiebereich.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSeit Jahren setzt sich die Einkaufstour chinesischer Firmen in Europa fort. Nach Maschinenbau und Robotik nimmt Peking nun die nächste Branche ins Visier: Den Energiemarkt. Erst vergangene Woche hat der chinesische Staatskonzern China Three Gorges Corporation (CTG) ein Angebot über neun Milliarden Dollar für knapp 77 Prozent an einem der größten Energieversorger Europas, Energias de Portugal (EDP) vorgelegt. Sollte der Deal erfolgreich sein, wäre das portugiesische Unternehmen komplett in chinesischer Hand – die verbliebenen Aktien hält CTG bereits.

Die Offerte passt gut in die grüne Strategie der Milliardennation. Mit seiner Wachstumspolitik hat China, Deutschland und Europa schon längst als Vorreiter bei den Erneuerbaren abgelöst. Wo Europas Investitionen seit 2011 kontinuierlich zurückgehen, laut Bloomberg New Energy Finance haben sie sich zwischen 2011 und 2017 sogar mehr als halbiert, auf zuletzt 57 Milliarden Dollar, investiert China allein im letzten Jahr 133 Milliarden Dollar in erneuerbare Energien. So viel Geld wie nie zuvor.

Die Übernahme der portugiesischen EDP hätte unter diesem Gesichtspunkt einen besonderen Anreiz: Der chinesische Energiekonzern hätte nicht nur Zugang zu fast zehn Millionen Kunden in ganz Europa. Außer in Portugal ist EDP auch in Spanien, Frankreich, Belgien, Polen und Rumänien aktiv. Sondern auch zu den 82,6 Prozent Anteilen, die die EDP an dem Windpark-Betreiber EDP Renováveis (EDPR) hält. Nach eigenen Angaben weltweit das viertgrößte Unternehmen in diesem Segment, mit einem Börsenwert von gut 6,8 Milliarden Euro.

Das Land will sich bis zum Jahr 2025 zu einer Industrienation zu formen, die in vielen Schlüsselbranchen weltweit die Führungsrolle übernimmt. „Zu den zehn von der Regierung definierten Schlüsselsektoren, die man voranbringen will, gehört neben IT und Luftfahrt auch die Energietechnik“, erklärt Cora Jungbluth, die die Expansion chinesischer Unternehmen in Europa seit Jahren für die Bertelsmann Stiftung beobachtet.

Bestandteil der Strategie, die unter der Überschrift „Made in China 2015“ firmiert, ist es, sich Know-how im Ausland zu sichern. Chinesische Unternehmen verfolgen deshalb eine mitunter als aggressiv empfundene Expansionsstrategie – ganz besonders in Europa. „Im Zuge dessen sind generell Unternehmen aus Deutschland und Europa im Erneuerbare-Energien-Sektor besonders interessant für chinesische Investoren“, sagt Jungbluth. So hat CTG bereits 2016 die Mehrheit am Offshore-Windpark „Meerwind“ in der Nordsee gekauft, auch der chinesische Windradbauer Envision Energy, einer der größten weltweit, investierte erst vor kurzem in den deutschen Batteriehersteller sonnen und schaut sich laut Insidern schon nach weiteren Unternehmen um. Im Solarbereich geben chinesische Firmen längst den Ton an. Fast die Hälfte des weltweiten Zubaus entfiel 2016 auf China. 60 Prozent aller Solarzellen stammten 2017 von chinesischen Produzenten, wie die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem Bericht Renewables 2017 schreibt.

In jüngster Zeit fangen chinesische Unternehmen an sich systematisch insbesondere in das europäische Energieversorgungssystem einzukaufen. Jüngster Fall: Der Staatskonzern State Grid Corporation of China (SGCC), das zweitgrößte Unternehmen der Welt, wollte sich mit 20 Prozent bei dem deutschen Netzbetreiber 50 Hertz einkaufen, auch wenn der Deal am Ende gescheitert sein mag – er ist kein Einzelfall. Auch in Großbritannien, Griechenland und Italien investieren chinesische Unternehme, insbesondere in den Energiesektor.

„Hier sind chinesische Investoren im Moment sehr aktiv, Europa ist definitiv in ihrem Fokus. Ich bin mir sicher, dass da noch mehr kommt“, sagt China-Expertin Jungbluth. Deswegen drängten Deutschland und Frankreich in der EU darauf, mehr Handhabe vor allem gegen staatlich gelenkte Investoren aus China zu bekommen. Jetzt kann die EU-Kommission zumindest in bestimmten Fällen ein Mitspracherecht beanspruchen, etwa bei wichtigen grenzüberschreitenden Strom- und Gasleitungen. Die Entscheidungshoheit soll aber grundsätzlich bei der jeweiligen nationalen Regierung bleiben. Kritikern geht das nicht weit genug – sie fürchten, dass der Einfluss Chinas in vielen Staaten vor allem Süd- und Osteuropas bereits zu groß ist, als dass man diese Investitionen noch untersagen könnte.

Chinas Chancen in Portugal stehen zumindest gut. Ministerpräsident Antonio Costa kündigte bereits an, dass die Regierung „keine Vorbehalte“ habe.

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