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Energiemarkt Die internationale Windbranche schaut besorgt nach Deutschland

Während die Stimmung unter Windkonzernen weltweit positiv ist, blicken viele Unternehmen besorgt auf die Entwicklungen auf dem deutschen Markt.
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Prinzipiell verlagert sich das Wachstum zunehmend von Europa nach Asien. Quelle: dapd
Windbranche

Prinzipiell verlagert sich das Wachstum zunehmend von Europa nach Asien.

(Foto: dapd)

DüsseldorfAls Volker Malmen vor gut einer Woche auf der Bühne in einem Hotel in Bremerhaven saß, konnte der Orsted-Deutschland-Chef nicht anders, er musste kurz lachen als der Moderator ihn fragte, welche Länder für die Windbranche als Wachstumsmarkt wichtig seien. „Na, Deutschland ja wohl nicht“, antwortete der Geschäftsführer. Und Malmens Wort hat in der Branche Gewicht – das dänische Unternehmen ist einer der führenden Windparkbetreiber weltweit. Dabei steht der Orsted-Chef mit seiner Meinung nicht alleine da.

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstitutes windresearch, gemeinsam mit WindEnergy Hamburg, der größten Windmesse der Welt, ist die Stimmung in der Branche zwar grundsätzlich positiv – in Deutschland aber bewerten die befragten Projektierer, Betreiber und Hersteller die Situation nicht so optimistisch, teilweise sogar als „sehr negativ“. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Deutschland ist der wichtigste Absatzmarkt für Windkraft in Europa, allein im vergangenen Jahr wurden hier so viele Windräder installiert wie noch nie. Aber während die weltweite Windindustrie boomt, droht dem deutschen Markt nach Jahren des Dauerwachstums eine herbe Flaute.

Wurden hierzulande im Jahr 2017 noch rund 1800 Windräder mit einer Leistung von 5330 Megawatt neu hinzugebaut, könnten es im Jahr 2019 im schlimmsten Fall nur noch 1100 Megawatt sein. Der Bundesverband Windenergie warnt vor dem Verlust tausender Arbeitsplätze. Zehntausend Jobs seien bereits im vergangenen Jahr abgebaut worden.

Einerseits setzt der Branche der Preisverfall durch die weltweite Senkung der Fördergelder und die Umstellung auf Ausschreibungen enorm zu. Andererseits gilt Deutschland als besonders schwieriger Markt. Hier war durch das erst 2017 eingeführte Auktionssystem die Nachfrage nach Windanlagen nahezu zusammengebrochen.

Über 1200 Unternehmen aus der ganzen Welt wurden im Rahmen des WindEnergy Trendindex 2018 befragt, sowohl für den Bereich Wind an Land (Onshore), als auch im Sektor Wind auf See (Offshore). In beiden Fällen schätzen die Befragten die Lage in Deutschland deutlich schlechter ein als für den Rest Europas, Asien oder Nordamerika. Besonders besorgt scheint die Onshore-Industrie, hier bewerten glatte 38 Prozent die aktuelle Situation als negativ bis sehr negativ.

Dirk Briese, Geschäftsführer von windresearch führt das maßgeblich auf die Ausschreibungen zurück. „In anderen Ländern gibt es solche Auktionssysteme schon länger. Außerdem gab es in Deutschland die bislang niedrigsten Ergebnisse. Und das in kürzester Zeit“, erklärt Briese.

So haben die Betreiber Orsted, EnBW, Vattenfall aber auch der spanische Energieversorger Iberdrola in zwei Ausschreibungsrunden einen Teil der Projekte mit Null-Cent-Geboten gewonnen. Sie wollen ihren Strom dann völlig ohne EEG-Vergütung zu dem an der Börse gehandelten Preis vermarkten. Bis dato ein Novum in der Windindustrie. Das sei laut Briese ein sehr schneller und radikaler Wandel.

Trotzdem glaubt die Mehrheit dieser Zeitenwende gewachsen zu sein. Schon für dieses Jahr rechnen sie im Offshore-Bereich mit einer optimistischeren Stimmung. Ab 2020, so die Hoffnung, könnte sich die Situation weiter aufhellen. Von zwanzig Prozent aktuell glaubt dann nur noch die Hälfte an eine negative Ausganssituation für den deutschen Markt. Bei der Windenergie an Land sind die Aussichten nicht ganz so rosig. Hier glauben 19 Prozent auch in zwei Jahren nicht an eine Verbesserung. Über vierzig Prozent schätzen die Lage aber in zwei Jahren sogar als positiv, bis sehr positiv ein.

Ein Grund für den Optimismus könnten weitere Kostensenkungen im Bau von Windrädern sein. Hier ist noch Potenzial nach unten. Wobei sich alle Befragten einig sind, dass der größte Sprung bei der Windenergie auf See ansteht. Fast siebzig Prozent der Befragten schätzen die Chancen hier noch mehr sparen zu können auf hoch bis sehr hoch ein.

Damit Deutschland nicht ins Hintertreffen gerate, müsse die Politik allerdings auch die Rahmenbedingungen verbessern, forderte Siemens Offshore-CEO Andreas Nauen erst kürzlich im Interview mit dem Handelsblatt. „Wenn Deutschland an der Spitze bleiben und nicht hinter andere Länder zurückfallen will, muss sich was ändern. Wir hoffen darauf, dass sich der Ausbaukorridor für Offshore-Windenergie deutlich vergrößert“, so Nauen. Der liegt nach den Zielen der Bundesregierung bei 15.000 Megawatt (MW) bis 2030. Das sei zu wenig, sagt Nauen.

Bei den Ergebnissen der zweiten Ausschreibungsrunde für Windenergie an Land hat es in der vergangenen Woche gar erstmalig eine Unterzeichnung gegeben. Das ausgeschriebene Volumen wurde nicht erreicht. Von 670 MW sind nur 111 Gebote mit einem Umfang von 604 MW eingegangen.

Vielversprechender erscheinen den Unternehmen Märkte wie China, Indien oder Taiwan. Die besten Chancen sehen die Befragten für den Onshore-Bereich ab 2020 in Asien, während man im Offshore-Bereich bessere Voraussetzungen für Europa sieht.

Prinzipiell verlagert sich das Wachstum allerdings zunehmend von Europa nach Asien und wird dabei kleiner. Das wurde auch auf der Fachmesse Windforce in Bremerhaven deutlich. Die Bilanz der Branchenexperten: In Asien werden neue Projekte umgesetzt, auf dem deutschen Markt herrscht dagegen Flaute.

Das Gute ist: Die Windindustrie hat zumindest teilweise aus den Fehlern der Solarbranche gelernt. So setzen viele Unternehmen schon jetzt intensiv auf internationales Wachstum. Die Frage sei allerdings wie lange Windkonzerne noch in Deutschland bleiben würden, wenn sich die Voraussetzungen nicht verbessern, warnt Nauen. „Deutschland ist ein Hochtechnologieland und ich halte es nach wie vor für wichtig, dass die Technologie nicht nur in diesem Land gebaut wird, sondern auch hier genutzt wird.“

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2 Kommentare zu "Energiemarkt: Die internationale Windbranche schaut besorgt nach Deutschland"

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  • Man schaut besorgt ins Land von Hein Blöd, der diese sinnlosen Art der Stromerzeugung bezahlen muß. Ein Glück, daß es im Ausland Schrottplätze für Solar und Windmühlen gibt. Ist ja alles Sondermüll und muß per Schiff entsorgt werden.

  • Dank der großartigen Politik in den letzten Jahren, und hier speziell durch die "Grünen" und den Lobbyisten der Großkonzerne, zahlt der Endverbraucher die Zeche, und zwar ganz allein.
    Wohin ich schaue stehen die Windräder still.
    Aber es geht immer weiter so.
    Von wegen ........ wir haben verstanden ...........

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