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Energie

Energiemarkt Für die Windbranche bleibt Deutschland ein schwieriger Markt

Fallende Preise und erschwerte Rahmenbedingungen trüben die Erwartungen der Windkraftindustrie für 2019. Der deutsche Markt schneidet besonders schlecht ab.
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Die Stimmung auf dem Windmarkt wird gegen Ende des Jahres hin noch einmal schlechter.  Quelle: dpa
Offshore-Windpark

Die Stimmung auf dem Windmarkt wird gegen Ende des Jahres hin noch einmal schlechter. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf2018 ist das Rekordjahr für erneuerbare Energien. Erst am Dienstag verkündete der Energieversorger Eon, dass Windräder, Solarparks und Biogasanlagen schon im Laufe dieser Woche mehr Strom produziert haben werden als im gesamten Vorjahr.  Mehr als die Hälfte des Ökostroms haben Windkraftanlagen an Land und auf See erzeugt. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber die Stimmung in der Branche ist alles andere als gut.

Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstitutes Windresearch, gemeinsam mit Windenergy Hamburg, der größten Windmesse der Welt, bewerten die befragten Projektierer, Betreiber und Hersteller die Situation in Deutschland mittlerweile als negativ. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

Während die weltweite Windgemeinschaft optimistischer ins kommende Jahr blickt, trübt sich die Stimmung mit Blick auf den deutschen Markt immer weiter ein. Bereits im Frühjahr wurden über 1000 Unternehmen aus der ganzen Welt im Rahmen des Windenergy Trendindex 2018 befragt. Damals schätzten lediglich 38 Prozent die Chancen auf dem deutschen Markt als negativ ein – gegen Ende des Jahres sind es schon 50 Prozent.

Einerseits setzt der Branche der Preisverfall durch die weltweite Senkung der Fördergelder und die Umstellung auf Ausschreibungen enorm zu. Andererseits gilt Deutschland als besonders schwieriger Markt. Hier war durch das erst 2017 eingeführte Auktionssystem die Nachfrage nach Windanlagen nahezu zusammengebrochen.

Zwar kündigte die Bundesregierung in ihrem neuen Energiesammelgesetz Sonderausschreibungen für Windanlagen an Land und perspektivisch auch einen höheren Ausbaupfad für Offshore-Windkraft an. Aber die Rahmenbedingungen für Windkraft in Deutschland werden schlechter, warnt Energieexperte Hanns Koenig des Beratungsunternehmens Aurora Energy. 


„Das kommt zum einen durch die vielen Bürgerwindprojekte, die zwar lange Zeit die meisten Auktionen gewonnen haben, aber dafür keine Genehmigungen vorlegen mussten. Hier scheitern schon jetzt einige im Entwicklungsprozess“, erklärt Koenig. Außerdem fehle der ökonomische Anreiz, einen Park mit niedrigerem Fördergeld zu bauen, jetzt da die Summen bei den letzten Ausschreibungen wieder deutlich höher gestiegen seien.

Der durchschnittliche Zuschlagswert, also die Höhe der Vergütung pro Kilowattstunde (kWh) ist in den vergangenen Monaten von einem zwischenzeitlichen Tief bei 3,28 Cent auf aktuell 6,29 Cent pro kWh – dem zulässigen Höchstwert bei Ausschreibungen für Onshore-Wind – gestiegen. Auch für Windanlagen auf See stieg der Preis von durchschnittlich 0,44 Cent pro kWh im vergangenen Jahr auf aktuell 4,66 Cent pro kWh. Deswegen könnte bei einigen der ökonomische Anreiz fehlen, Windparks tatsächlich für den günstigeren Zuschlag zu bauen.

„Gleichzeitig gibt es strengere Abstandsregelungen in vielen Bundesländern und immer mehr lokale Widerstände. Es gibt kaum noch einen Windpark, der nicht vor Gericht landet“, sagt der Experte. Wenn sich an diesen Begebenheiten nichts ändere, sei das Klimaziel von 65 Prozent Erneuerbaren bis 2035 in Deutschland unmöglich zu erreichen.

Aber nicht nur in Deutschland haben sich die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windenergie verschlechtert. Auch in Polen wurde eine Mindestabstandsregelung für Windräder zu Wohngegenden eingeführt, wie sie auch in mehreren deutschen Bundesländern, zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen oder Bayern, seit diesem Jahr bereits zur Anwendung kommt.

Deswegen betrachten die Befragten des Windenergy Trendindex die Entwicklung ihrer Branche global zwar nicht positiv, aber wenigstens neutral. Für Europa hingegen trüben sich die Aussichten ein: Wo im Frühjahr noch 52 Prozent optimistisch bis ins Jahr 2020 blickten, sind es jetzt nur noch 47 Prozent.


Infolgedessen rechnen Marktteilnehmer mit einer schärferen Konsolidierung. Sowohl Onshore als auch Offshore befürchten sie für das nächste Jahr eine heftige Verkleinerung des Marktes. Zahlreiche Turbinenhersteller mussten infolge des harten Wettbewerbs bereits Stellen streichen.  

Allein für Deutschland geht der Bundesverband für Windenergie (BWE) mittlerweile von einer fünfstelligen Zahl für 2017 aus. In diesem Jahr kürzte allein der ostfriesische Anlagenbauer Enercon fast 900 Stellen, und auch beim dänischen Weltmarktführer Vestas mussten 400 Mitarbeiter gehen. 

Die Mehrheit der Branche setzt ihre Hoffnung nun in die Entwicklung neuer Technologien, um die Kosten weiter zu senken. Das gilt besonders für den Offshore-Bereich. Hier rechnen immerhin zwei Drittel der Experten mit einem hohen bis sehr hohen Potenzial zur Kosteneffizienz durch technologische Entwicklungen.

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