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Energie
Windräder in Deutschland

Nach einem Rekordjahr fällt die Bilanz der Windbranche für 2018 noch schlechter aus als angenommen. Besserung ist nicht in Sicht – trotz Kohleausstieg.

(Foto: dpa)

Energiemarkt Schlechtestes Jahr für Windbranche seit 2012

Nach einem Rekordjahr fällt die Bilanz der Windbranche für 2018 noch schlechter aus als angenommen. Besserung ist nicht in Sicht – trotz Kohleausstieg.
2 Kommentare

DüsseldorfDie Kohlekommission hat am Wochenende empfohlen, wie die Stromproduktion aus Kohle bis 2038 beendet werden kann. Eine Hoffnung der Experten: Durch den Ausbau von Solar- und Windkraft könnte in den kommenden Jahren sogar mehr Kohlendioxid eingespart werden als aktuell geplant. Doch zumindest die Windindustrie glänzt derzeit nicht.

War 2017 noch das beste Jahr in der Geschichte der deutschen Windindustrie, bilanziert die Branche jetzt für 2018 das schwächste Jahr seit 2012.

„Während ein nachhaltig höherer Ausbau der erneuerbaren Energien – begründet durch die erreichten Kostensenkungen und den nunmehr angekündigten Einstieg in den Verzicht auf die Verstromung von Braun- und Steinkohle – logisch wäre, ergibt sich stattdessen ein massiver Rückgang für die Jahre 2018 und 2019“, berichtet Matthias Zelinger, Geschäftsführer des Branchenverbands VDMA Power Systems.

Neu installierte Leistung halbiert

Gerade einmal 743 Anlagen gingen im vergangenen Jahr in Deutschland ans Netz, hat der Bundesverband Windenergie (BWE) erhoben. Ein Jahr zuvor waren es noch 1.800 Windräder. Die installierte Leistung fiel um mehr als die Hälfte auf etwas über 2.400 Megawatt (MW), 2017 waren es noch 5.330 MW.

„Der Zubau fällt dramatisch schlechter aus als die ohnehin zurückhaltende Erwartung, die die Verbände zur Jahresmitte prognostiziert hatten“, sagt BWE-Geschäftsführer Wolfram Axthelm dem Handelsblatt. 

Auch das kommende Jahr werde für die Windenergie in Deutschland zu einer großen Herausforderung. „Wir sehen im Jahr 2018 und erwarten für 2019 keine relevante Umsetzung aus den Zuschlägen des Jahres 2017“, sagt Axthelm.

Einerseits setzt der Branche zu, dass sich die Betreiber von Windparks mittlerweile im Wettbewerb um die Höhe der Zuschüsse streiten. Früher gab es staatlich garantierte Vergütungen pro erzeugte Kilowattstunde (kWh) Strom, was das Geschäft antrieb.

Doch jetzt erhält nur noch derjenige den Zuschlag für ein Projekt, der den geringsten Preis pro kWh bietet. Die erzielbaren Preise für Windstrom auf dem Festland haben sich von 3,8 Cent pro kWh auf zuletzt etwas über sechs Cent pro kWh eingependelt. Zum Vergleich: Ein Privathaushalt zahlt im Schnitt etwas weniger als 30 Cent pro Kilowattstunde.

Viele Projekte gescheitert

Bei den Turbinenbauern brechen die Aufträge auf dem wichtigen deutschen Heimatmarkt weg. 2017 erhielten bei den damals neu eingeführten Auktionen fast nur von Privatbürgern geplante Windparks einen Zuschlag. Das Problem: Fast alle konnten gar keine Genehmigung aufweisen und werden zum großen Teil nicht realisiert. „Der deutschen Windindustrie geht es nicht besonders gut“, warnt Experte Dirk Briese vom Marktforschungsinstitut WindResearch.

Wo die Zahlen für Windenergie an Land schon im vergangenen Jahr stark eingebrochen sind, steht der Offshorebranche – also der Bau von Windrädern auf dem offenen Meer – die schwierigste Zeit noch bevor. „Die Zahlen für Offshore waren letztes Jahr noch sehr gut, in diesem Jahr werden sie auch noch ganz gut sein, aber danach kommt das Problem. Die Fertigung ist teilweise schon jetzt nicht mehr ausgelastet“, warnt Briese.

Auch bei den Anlagen auf hoher See sank die neu installierte Leistung im Jahr 2018 von 1.279 MW auf 969 MW. Die Zahl der auf dem Meer neu ans Netz gegangenen Anlagen brach um fast die Hälfte auf 122 ein.

Marktteilnehmer rechnen deswegen mit einer schärferen Konsolidierung. Sie fürchten, dass der Markt weiter schrumpfen wird – sowohl auf dem Festland als auch Offshore. Zahlreiche Turbinenhersteller mussten infolge des harten Wettbewerbs bereits Stellen streichen.  

Der deutsche Marktführer Enercon allein baute knapp 900 Jobs ab. Der ostfriesische Branchenriese muss ebenfalls einen „deutlichen Rückgang“ für das vergangene Jahr verzeichnen. „Davon sind wir stark enttäuscht“, heißt es in einem Statement des Unternehmens.  

Windkrafthersteller setzten auf Internationalisierung

Der Turbinenhersteller Nordex geht auch in diesem Jahr von einem weiteren Rückgang der Zubauzahlen aus: „Wir erwarten für 2019 einen Zubau von bis zu 2.000 MW auf dem deutschen Markt“, sagt ein Sprecher des Unternehmens dem Handelsblatt. Das wären noch einmal 400 MW weniger als im vergangenen Jahr. Dafür erwarte man aber 2020 „eine erneute Belebung des deutschen Geschäfts“. Mittlerweile macht die Windenergie immerhin fast 18 Prozent am deutschen Strommix aus.

Sonderausschreibungen von vier Gigawatt – zumindest für Windenergie an Land – geben dem Windverband „Zuversicht auf Erholung ab 2021“. Gleichzeitig müssten aber auch langfristig höhere Ausbauziele für die Windenergie und eine Beschleunigung der Genehmigungsverfahren her.

Zumindest weltweit wächst der Markt für Windkraft seit Jahren kontinuierlich. „Die Nordex Group ist zunehmend stärker global aufgestellt, insbesondere in den Volumen- und Wachstumsmärkten in Lateinamerika, den USA oder auch Indien“, sagt ein Unternehmenssprecher dem Handelsblatt.

Windanlagenhersteller wie das deutsch-spanische Gespann Siemens Gamesa haben ihre Strategie ebenfalls internationaler ausgerichtet und weisen in ihrem am Dienstag vorgelegten Quartalsbericht für die ersten drei Monate des neuen Geschäftsjahres 2018/2019 ein leicht besseres Ergebnis vor. Zwar konnte Siemens Gamesa das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lediglich um vier Prozent auf 138 Millionen Euro verbessern. Experten hatten hier mit einem deutlich stärkeren Anstieg gerechnet.

Dafür schaffte man immerhin eine Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Der Nettogewinn lag bei 18 Millionen Euro, ein Jahr zuvor wies das Unternehmen einen Verlust von 35 Millionen Euro aus.

„Insgesamt wächst der Markt für Windkraft in der Summe weiter stark, zum Beispiel in Asien oder den USA“, erklärt Branchenexperte Briese. Der anhaltende Preiskampf habe außerdem zur Folge, dass Windkraft immer günstiger werde. 

Die Mehrheit der Branche setzt ihre Hoffnung nun in die Entwicklung neuer Technologien, um die Kosten noch weiter zu senken und Windkraft – ähnlich wie Solarenergie – endlich auch über die Schwelle der Wirtschaftlichkeit zu bringen.

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2 Kommentare zu "Energiemarkt: Schlechtestes Jahr für Windbranche seit 2012"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das muss endlich in die Öffentlichkeit getragen werden...

  • Das der Aufwand und Kosten in Relation zu den nicht planenden Windkapazitäten schwierig vorhersehbar ist und es deshalb nicht die beste Investition in Windkraft ist, leuchtet ein. Hier kommt die Neueste und Erneuerbarste aller erneuerbaren Energien "Neutrino-Energy ", selbstladend aus dem höchst energiereichen nichtsichtbaren solaren und kosmischen Strahlenspektrum. Das klingt jetzt wie ein Märchen - ist aber pure Naturwissenschaft. Jeder Fleck der Erde wird ständig, 24/7, eben auch bei völliger Dunkelheit, von einer ungeheuren Menge Neutrinos getroffen. Pro Sekunde durchqueren ca. 60 Milliarden Neutrinos jeden Quadratzentimeter der Erdoberfläche. Da die natürlich vorkommenden Materialien aber nicht dicht genug sind, um regelmäßige Wechselwirkungen hervorzurufen, merken wir von den Neutrinos nichts. Der Berliner Neutrino Energy Group ist es in Zusammenarbeit mit internationalen Materialwissenschaftlern gelungen, ein Material zu entwickeln und patentieren zu lassen, dicht genug, um eine Wechselwirkung mit Neutrinos (Atomic Vibrations) zu bewirken. Dazu werden mehrere Schichten aus dotiertem Graphen und Silizium, deren Dicken im Nanobereich liegen, auf ein Trägermaterial aufgedampft. Durchqueren nun Neutrinos dieses Schichtmaterial, so werden sie nicht eingefangen, geben aber dem Graphen (engl. Graphene) vertikale und den Siliziumpartikeln horizontale Impulse. Bei optimaler Schichtdicke bildet sich aus den atomaren Vibrationen eine Resonanz aus und diese überträgt sich auf das Trägermaterial. Dies führt dort zu einem Stromfluss, der abgegriffen werden kann. Je mehr Fläche je mehr Energie und die reicht rechnerisch grundsätzlich aus, um auch ohne Stromkabel und Steckdose in Zukunft jedes Elektrogerät,angefangen von Mobiltelefonen bis hin zu Haushaltsgeräte oder auch Kleinfahrzeugen(Neutrino Inside-Lösung) mit ausreichend elektrischer Energie zu versorgen. Das ist eine revolutionäre Technologie von der wir noch viel Strukturwandel erwarten werden. Das muss endlich i