Energie

Energiemarkt Stromanbieter Flexstrom ist insolvent

Der Billigstromanbieter Flexstrom hat Insolvenz angemeldet. Einen Schuldigen für die Pleite hat das Unternehmen schon ausgemacht: die Kunden. Dabei hatte auch die Bundesnetzagentur den Anbieter im Visier.
Update: 12.04.2013 - 20:11 Uhr 79 Kommentare
Flexstrom-Zentrale in Berlin: Der Stromanbieter ist insolvent. Quelle: dapd

Flexstrom-Zentrale in Berlin: Der Stromanbieter ist insolvent.

(Foto: dapd)

BerlinDer Berliner Stromanbieter Flexstrom mit mehr als 500.000 Kunden ist zahlungsunfähig. Wie das Unternehmen heute mitteilte, habe es nicht nur für Flexstrom selbst, sondern auch für die Tochtergesellschaften Optimal-Grün und Löwenzahn Energie Insolvenz angemeldet. Das Geschäft von Flex-Gas werde hingegen durch einen Investor weitergeführt, hieß es. Laut Informationen des Handelsblatts ist Christoph Schulte-Kaubrügger aus dem Berliner Büro von White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt worden. White &Case betreut auch das Teldafax-Insolvenzverfahren.

Nach Informationen des Handelsblatts ist der Billigstromanbiet mit seinem Insolvenzantrag offenbar einem Eingriff der Bundesnetzagentur zuvorgekommen. Wie die Behörde auf Anfrage des Handelsblatts mitteilte, hatte sie im Januar ein Verfahren zur Untersagung der Geschäftstätigkeit gegen Flexstrom eingeleitet. Flexstrom sei aufgefordert worden, „belastbare Nachweise für die finanzielle Leistungsfähigkeit vorzulegen“. Auf Basis der vorgelegten Unterlagen stand die Bundesnetzagentur nach eigenen Worten „unmittelbar vor der Entscheidung, das Vorkassemodell der FlexStrom zu verbieten“: „Offensichtlich hat das unmittelbar bevorstehende Verbot der Bundesnetzagentur dazu geführt, dass FlexStrom heute die Insolvenz beantragt hat“, teilte die Behörde mit.

Flexstrom hatte am Freitag für sich und die Tochtergesellschaften Optimalgrün und Löwenzahn einen Insolvenzantrag  gestellt. Betroffen sind rund 500000 Kunden. Das Unternehmen selbst hatte nur die schlechte Zahlungsmoral der Kunden, die Presseberichterstattung und die Konkurrenten verantwortlich gemacht.

"Generell gilt, bei Vorauskasse und hohen Boniversprechen äußerste Vorsicht walten zu lassen, weil hier das Insolvenzrisiko des Lieferanten beim Haushaltskunden liegt"' warnte die Bundesnetzagentur.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Flexstrom nach Informationen des Handelsblatts Zahlungsschwierigkeiten, die sich zum Jahreswechsel noch verschärften. Flexstrom hatte das zwar in der Vergangenheit stets bestritten und gegenteilige Behauptungen juristisch angefochten. Dem Handelsblatt liegen jedoch mehr als ein Dutzend Schreiben an Netzbetreiber vor, in denen Flexstrom allein am 27. und 28. Dezember 2012 einwilligte, künftig seine Rechnungen im Voraus zu bezahlen.

Die Zahlungsrückstände bei zahlreichen Netzbetreibern erklärte das Unternehmen laut Handelsblatt damit, dass diese oft überhöhte Forderungen stellten, die Flexstrom dann erst korrigieren müsste. Dies wiederum haben die Netzbetreiber zurückgewiesen.

Das Unternehmen arbeitet mit umstrittenen Vorkasse-Tarifen. Dabei zahlt der Kunde ein Jahr im Voraus und bekommt so sehr günstige Angebote, die bei Vergleichsportalen stets auf den vordersten Plätzen landen. Laut Flexstrom zahlen mehr als 50 Prozent der Kunden ein Jahr im Voraus, weitere rund 25 begleichen ihre Rechnungen vierteljährlich im Voraus.

Handelsblatt Energie Briefing
Verbraucherzentrale riet von Unternehmen ab
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79 Kommentare zu "Energiemarkt: Stromanbieter Flexstrom ist insolvent"

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  • ...in dem Fall würde ich die offene Forderung (von Anfang an nunmehr ohne erkennbare Gegenleistung) beim Amtsgericht hinterlegen und später mit der Nichtleistung des insolventen Stromanbieters gegeneinander aufrechnen. In jedem Fall warte ich die Zahlungsaufforderung des Insolvenzverwalters ab. Den Rest macht meine Rechtsschutzversicherung i.V. mit meinem Anwalt. Eine Rechtsschutzversicherung habe ich bereits seitdem ich selbständig Verträge abschließen darf. Ein nützliches Instrument!

  • Die nächsten Schritte sind

    1. Es kommt Post vom Grundversorger (Stadtwerke) die ankündigen das sie ab dem x.x.2013 automatisch der Versorger sind, weil Flexstrom nicht für ihr Netz bezahlt. Er wird nach dem Zählerstand am x.x.2013 fragen.

    2. Es kommt (viel viel später) Post vom Flexstrom-Insolvenzverwalter. Dieser wird alle ausstehenden Zahlungen in voller Höhe fordern, und die Möglichkeit anbieten, an die insolvente Flexstrom Forderungen zu stellen.

  • Vielleicht ist der Widerruf innerhalb von 14 Tagen möglich. Ansonsten erst mal Zahlung zurüchalten und die ersten Aufforderungen abwarten... ...es zeichnet sich doch ab, daß man in die Ersatzversorgung fallen wird. Und da wird doch erneut Geld benötigt...

  • ich habe 05.04.2013 Vertrag abgeschlossen.soll ich zahlen oder nicht wer kann mir helfen Löwenzahn energy ist pleite.Kann ich dem Vertrag kündigen

  • habe auch vor ein paar monaten gekündigt. wegen umzug.
    habe aber immer noch keine endabrechnung erhalten.
    schätze habe 150 € in den sand gesetzt. man lernt halt nie aus.

  • Flexstrom war schon lange vor der Energiewende am Markt und hat konventionellen Strom verkauft. "Schwachsinnige Energiewende", besser als schwachsinnige Kommentare.

  • Siehe vorangegangener Kommentar: Einzug w.W. und Zahlungsaufforderun per Überweisung abwaren. Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, daß da jetzt noch ein ordentlicher Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten wird (siehe TelDaFax). Da ging es uch drunter und drübe... ...ich selbst habe meinen bestehenden Vertrag vor einiger Zeit gekündigt und warte noch immer auf die Eingangsbestätigung meiner Kündigung... ...vieleicht bin ja sogar ich dafür verantwortlich, daß es mit dem unternehmen jetzt bergab gegangen ist... ;-)

  • mir wurde gerade vor 14 tg. eine Quartalsvorauszahlung abgebucht. Ob ich die zurück holen kann und wie verhalte ich mich bis die Abwicklung Flexstrom real geworden ist.

  • ...der einfachste Weg wird sein, mit ner Kalaschnikov direkt dort vorstellig zu werden... ;-) ...aber Scherz beiseite: es ist wie bei TelDaFax auch bei FlexStrom und Löwenzahn davon auszugehen, daß das Geld futsch ist und man in der teuren Ersatzversorgung für seinen Strom noch einmal zahlen muß, bis man sich für einen anderen Versorger entschieden hat.

    ...wird bei mir auch nicht viel anders sein...

  • Ich war bis Ende April Kunde bei Löwenzahn und warte noch auf mehrere hunderte Euros von Löwenzahn. Was kann ich jetzt am besten machen um doch noch etwas zurück zu bekommen.

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