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Energie

Energiemarktplatz So lässt sich Solarstrom vom eigenen Hausdach verkaufen

Was macht man mit dem Strom von der Solaranlage auf dem eigenen Dach, wenn die EEG-Förderung ausläuft? Dafür will ein Start-up nun eine Lösung bieten.
21.06.2020 - 13:06 Uhr Kommentieren
Schon ab 2021 werden laut dem Bundesverband der Solarwirtschaft gut 10.000 bis 15.000 Photovoltaikanlagen aus der gesetzlichen Vermarktung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen. Ab 2025 dürften es noch weitaus mehr sein. Quelle: dpa
Solaranlage

Schon ab 2021 werden laut dem Bundesverband der Solarwirtschaft gut 10.000 bis 15.000 Photovoltaikanlagen aus der gesetzlichen Vermarktung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen. Ab 2025 dürften es noch weitaus mehr sein.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wer über die Energiewende redet, hört oft die Worte „dezentral“, „Prosumer“ und „Demokratisierung der Energiewelt“. Der Wandel von fossilen Kraftwerken zu grünen Solar-, Wind- und Biogasanlagen wird oft als Disruption einer Branche angepriesen.

Auf einmal kann jeder Erzeuger werden, aber bis jetzt konnte deswegen noch lange nicht jeder auch Stromverkäufer werden. Das Berliner Start-up Lition hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das zu ändern. „Bisher hatten wir nur große Anlagen auf unserem Marktplatz. Aber jetzt kann jeder, der Ökoenergie erzeugt, seinen Strom bei uns verkaufen, zum Beispiel direkt an seinen Nachbarn“, erklärt Gründer und Geschäftsführer Richard Lohwasser die Idee.

Auf dem virtuellen Marktplatz von Lition können ab diesem Sonntag nicht nur Biogas- und Solarparkbesitzer ihren Strom verkaufen, sondern auch jeder, der eine kleine Solaranlage auf dem Dach hat. „Wir werden zunächst mit dem Verkauf und Bau eigener Solaranlagen anfangen. Das heißt: Jeder mit einer Lition-Solaranlage, egal wie klein, kann seinen Strom dann über uns verkaufen“, kündigt der Gründer an. Perspektivisch sollen aber auch Besitzer von Kleinanlagen, die Lition nicht eigens installiert hat, die Möglichkeit bekommen, ihren Strom im Internet selbst zu vermarkten.

Schon ab 2021 werden laut dem Bundesverband der Solarwirtschaft gut 10.000 bis 15.000 Photovoltaikanlagen aus der gesetzlichen Vermarktung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz herausfallen. Ab 2025 dürften es noch weitaus mehr sein. Für viele Solaranlagenbesitzer stellt sich dann die Frage, was sie mit den Modulen auf ihrem Hausdach anfangen sollen. Denn der Netzbetreiber ist dann nicht mehr verpflichtet, den Strom abzunehmen. „Die wirtschaftlichste Verwendung einer Kleinanlage nach Auslaufen der EEG-Förderung erreicht man, indem man den Eigenverbrauch maximiert“, sagt Solarexperte Götz Fischbeck von der Beratungsagentur Smart Solar Consulting.

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    Je nach Größe der Anlage kann der selbst produzierte Solarstrom immerhin zwischen 20 und 30 Prozent des Eigenstromverbrauchs decken – bei einem Strompreis von durchschnittlich 30 Cent pro Kilowattstunde eine durchaus lohnende Variante. Aber was passiert mit dem Rest?

    Wann sich Direktvermarktung lohnt

    Eine Möglichkeit wäre die Anschaffung einer Solarbatterie. Damit ließe sich der Eigenverbrauch sogar auf 60 bis 70 Prozent steigern. Aber auch das ist heutzutage noch eine Investition, die mehrere Tausend Euro kostet. „Deswegen kann es eine wirtschaftlich interessante Option sein, den nicht genutzten Solarstrom direkt vermarkten zu lassen. So kann ein Teil der laufenden Kosten der Anlage gedeckt werden“, so Fischbeck.

    Bislang gab es diese Möglichkeit meist nur für Modelle ab einer Leistung von mindestens 60 Kilowatt. Solaranlagen auf Hausdächern haben aber meist eine Leistung von maximal zehn Kilowatt oder auch weniger. Mit dem für Tausende näher rückenden Ende der EEG-Förderung kommt nun jedoch auch endlich Schwung in die Direktvermarktung für die kleinsten Sonnenenergiespender.

    Grafik

    Start-ups wie Lition, aber auch etablierte Energieversorger wie die baden-württembergische EnBW, bieten PV-Anlagenbesitzern mit EEG-Vergütung jeder Größe schon jetzt die Möglichkeit an, ihren Strom direkt zu vermarkten. Und in Zukunft sollen auch diejenigen Anlagen davon profitieren können, die kein EEG mehr bekommen.

    Über ihr virtuelles Kraftwerk namens Interconnector verkauft die EnBW die von ihren Kunden erzeugte Energie – auch wenn ein Teil des Stroms selbst verbraucht wird. Darunter fallen alle Anlagen bis 700 Kilowatt, eine Grenze nach unten gibt es nicht. „Wir haben jetzt schon Kunden, die auch mit ihren kleinen Anlagen bei uns in der Direktvermarktung sind“, sagt Interconnector-Chef Jens Breternitz.

    Der regulatorische Rahmen sei allerdings noch alles andere als ideal, bemängelt der EnBW-Manager. „Unter 60 Kilowatt lohnt sich das Thema Direktvermarktung eigentlich noch nicht, solange man die Vergütung aus der EEG-Umlage bekommt“, erklärt er. Es gebe zwar Modelle, die sich rechtliche Lücken gesucht hätten, „aber für die Post-EEG-Welle, die auf Deutschland zurollt, brauchen wir eine Lösung für das ganze Segment der Kleinanlagen.“ Solch eine rechtliche Lücke hat sich auch Lition für seinen Marktplatz gesucht.

    Die EEG-Vergütung bekommt der sogenannte Prosumer, also ein Erzeuger, der gleichzeitig Verbraucher ist, dort nämlich trotzdem. „Der Kunde vermarktet bei uns nicht seinen Ökostrom direkt, sondern bekommt für die erzeugte Energie eine Marktplatzprämie. Der Strom wird also rein virtuell verkauft“, erklärt Lohwasser. Damit das ganze Hin und Her dann am Ende kein Chaos im Stromnetz auslöst und der Kunde trotzdem noch mit Energie versorgt wird, gleicht Lition Angebot und Nachfrage mit selbst eingekauftem Grünstrom aus.

    Aufzeichnung von Transaktionen in Echtzeit

    Natürlich bekommt der Nachbar eines Erzeugers nicht den Solarstrom direkt vom Dach nebenan. Sobald Strom ins Netz eingespeist wird, ist er weg, und kann nicht gezielt an einen bestimmten Haushalt geleitet werden. „Aber die Blockchain-Technologie gibt uns die Möglichkeit sicherzustellen, dass wir nur so viel Strom verkaufen, wie eine Anlage auch wirklich produziert“, sagt der Lition-Chef.

    Heute sind solche Mini-Transaktionen über die zentralen Handels- und Energieplattformen im Verhältnis zu ihrem Transaktionswert zu aufwendig und zu kostenintensiv. In der Blockchain werden diese Transaktionen in Echtzeit aufgezeichnet und verrechnet – gut verschlüsselt, aber für alle Teilnehmer zugänglich. So soll sichergestellt werden, dass keine Kilowattstunde doppelt verkauft werden kann.

    Sein Geld will das erst 2018 gegründete Unternehmen wie so viele andere auch als Stromanbieter verdienen – und zukünftig mit dem Verkauf von Solaranlagen. „An dem Online-Marktplatz selbst verdienen wir bei den kleinen Solaranlagen nichts“, erklärt Lohwasser. Nur die großen Anlagen geben prozentual einen Teil ihrer Marktplatzprämie an Lition ab.

    „Sich unter der Vielzahl der Öko-Stromanbieter abzuheben, ist heutzutage sehr schwer. Die Preise variieren nur minimal, daher bedarf es weiterer Differenzierungsmerkmale“, sagt Fischbeck. Ob den Leuten es da reicht, dass sie sich selbst entscheiden können, ihren Strom beispielsweise von Erna Müller aus Sindelfingen zu bekommen, wagt der Solarexperte allerdings zu bezweifeln.

    Eins ist allerdings klar: Bis Mitte der Zwanzigerjahre werden schon rund 200.000 Anlagen aus der gesetzlichen Vergütung gefallen sein, in den Jahren danach mehr als eine Million. Der Markt für den Direktverkauf von Sonnenenergie auf dem eigenen Hausdach wird wachsen.

    Mehr: Solar-Förderdeckel ist nun aufgehoben

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