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Energiepolitik Deutschland treibt den Ausstieg voran – doch weltweit boomt die Kohle

Deutschland streitet um den Kohleausstieg. Weltweit ist dieser aber überhaupt nicht in Sicht. Werden alle Projekte verwirklicht, ist das globale Klimaziel nicht zu erreichen.
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Weltweit sind 1400 Kohlekraftwerke in Planung und Bau Quelle: dpa
Kohlekraftwerk

In Deutschland wird über eine Reduzierung von Kohlekraft-Strom nachgedacht. In anderen Ländern hingegen werden weiter neue Kohlekraftwerke gebaut.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn Deutschland schwelt der Streit um den Kohleausstieg. In Berlin verhandelt die Kohlekommission über einen geordneten Ausstieg aus Förderung und Verstromung des umstrittenen Energieträgers. Im Rheinland werden am Wochenende rund 20.000 Bürger für einen Erhalt des Hambacher Forsts demonstrieren, den RWE für seinen Braunkohletagebau roden will.

Weltweit ist ein Kohleausstieg aber überhaupt nicht in Sicht. Die 120 größten Kohlekonzerne haben aktuell knapp 1.400 neue Kraftwerke in 59 Ländern in Planung oder sogar schon im Bau. Damit kämen neue Kapazitäten von gut 670 Gigawatt dazu. Das entspricht einem Drittel der aktuell installierten Kapazitäten.

Die Daten wurden von 29 Umwelt- und Klimaschutzorganisationen zusammengetragen – darunter auch Urgewald aus Deutschland.

Die Liste wurde zum ersten Mal vor einem Jahr veröffentlicht und jetzt aktualisiert. Sie ist als eine Art digitaler Pranger gedacht. Organisationen wie Urgewald versuchen Kohlekraftwerke zu verhindern, indem sie die Finanziers der Projekte sensibilisieren. Tatsächlich haben sich schon zahlreiche namhafte Investoren wie Axa, Allianz oder Generali verpflichtet, ihre Investments in Unternehmen zu reduzieren, die Kohle fördern oder Kohlekraftwerke betreiben.

Die 120 größten Kohlekonzerne stehen dabei für knapp 70 Prozent der insgesamt weltweit geplanten neuen Kohlekraftwerke. 46 der Unternehmen fördern sogar selbst Kohle.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr haben sich die Zahlen zwar verbessert. Damals waren noch 170 Gigawatt mehr geplant. Das liegt aber unter anderem daran, dass einige der Projekte inzwischen abgeschlossen sind.

Die globale Flotte an Kohlekraftwerken wächst immer noch. „Die Zahl der geplanten Projekte ist zwar gesunken. Die Pipeline ist aber noch immer viel zu groß“, sagt Urgewald-Gründerin und -Geschäftsführerin Heffa-Schücking: „So werden wir das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, deutlich verfehlen.“

In der Liste tauchen auch die deutschen Konzerne Uniper und RWE auf. Uniper baut noch immer an seinem Steinkohlekraftwerk in Datteln, dessen Fertigstellung durch mehrere Pannen um Jahre verzögert wurde. RWE hält sich noch immer die Option für ein neues Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik offen – auch wenn in Kreisen des Konzerns der Bau der Anlage schon ausgeschlossen wird.

Die 120 aufgeführten Unternehmen stammen aus 42 Ländern. Besonders China steht am Pranger. Ein Fünftel der Unternehmen hat hier seinen Sitz. Die chinesischen Firmen bauen fleißig Kohlekraftwerke im Heimatmarkt. So sollen alleine dort 260 Gigawatt dazu gebaut werden.

China hat zwar die Energiewende eingeläutet und hat sowohl bei Photovoltaik und Windenergie die führende Position übernommen. Und vor zwei Jahre versuchte die Zentralregierung den Zubau von Kohlekraftwerken zu begrenzen. So soll die installierte Leistung auf 1.100 Gigawatt begrenzt bleiben. Aktuell sind es aber schon 990 Gigawatt.

Das Ziel wird China also verfehlen, wenn die geplanten Projekte umgesetzt werden. Zumal viele der Projekte, die damals auf Eis gelegt worden waren, inzwischen wieder aufgenommen wurden. Die Klimaschützer haben das bei Kapazitäten von 57 Gigawatt festgestellt – zum Teil durch die Auswertung von Satellitenaufnahmen. „China bereitet uns große Sorgen“, sagt Schücking: „Das Land wird seine Klimaschutzziele nicht erreichen.“

Zudem exportieren die chinesischen Firmen Kohletechnologie auch im großen Stil in andere Länder. Aktuell verfolgen sie Projekte in 17 Ländern mit Kapazitäten von knapp 60 Gigawatt.

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9 Kommentare zu "Energiepolitik: Deutschland treibt den Ausstieg voran – doch weltweit boomt die Kohle"

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  • @Herrn Justus
    Volle Zustimmung.

  • Zu diesem Thema fällt mir nur Albert Einstein ein. Zitat:
    Zwei Dinge sind unendlich:
    Das Universum und die menschliche Dummheit.
    Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.
    the stupid german

  • Ironisch war das auch gemeint, Herr Muscat. Die Welt kann bis und nach 2050 nicht auf die Nutzung fossiler sowie nuklearer Energieträger verzichten. Es gilt, dann 10 Milliarden Menschen auskömmlich mit Trinkwasser (!), Nahrung und Energie zu versorgen (UN-Millenniumziel!). Gelingt das nicht, wird migriert. Allein die schwarzafrikanische Bevölkerung wird in diesem Zeitraum um 1 Milliarde zunehmen. Bleibt die zusätzliche Frage: Wer finanziert die von hierzulande engagierten Umwelt-Aktivisten angedachte globale Energiewende? Allein die in Deuutschland anfallenden Kosten der Realsiserung des Merkelschen Versprechens (95% weniger THG-Emission bis 2050 auf der Basis regenerativer Ressourcen sowie gesteigerter Energieeffizienz) kostet 2,3 Billionen (!!) €. In diesem Betrag sind die seitens der Industrie und der Landwirtschaft zu erbringenden Maßnahmen nicht enthalten!

    Fazit: Der 'deutsche Weg' führt in die Irre! Die Welt wird dem hehren Beispiel nicht folgen, da sie es schlichtweg nicht kann. Der aussichtsreichere Lösungsweg führt über weitere F&E-Anstrengungen zur signifikanten Senkung, im Idealfall der vollständigen Verhinderung der klimarelevanten THG-Emission (maßgeblich CO2, CH4). Sofort nutzbares Potenzial: RWE BoA Plus-Kraftwerkskonzept, Wirkungsgrad 48% (Stand der Technik: 36%). Ferner böte sich zur weiteren, im Idealfall vollständigen Emissionsreduzierung die industrielle CO2-Nutzung als Wertstoffkomponente an: umweltirrelevante CH4 (Erdgassubstitut)-, Treibstoff-, Kunststoff- und Nahrungsgrundstoff-Herstellung. Deutschland verfügt auf diesem Gebiet über vor ihrer industriellen Umsetzung stehende Verfahren, öffentlich übrigens in 8-stelliger Größenordnung gefördert. Dies wäre die aussichtsreichere Alternative! Wir reden vom Realisierungshorizont 2050! Merke: Wer ökologisch überlegene Technologien der Nutzung fossiler Eenergieträger verteufelt, ohne die Nutzung fossiler Energieträger generell (global!) verhindern zu können, schadet dem Weltklima!

  • @Herr Andre Peter
    Ich empfehle Ihnen den Artikel "Warum Chinas Liebe zur Atomkraft erkaltet" von Spiegel Online:
    www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/china-erwaegt-abkehr-von-atomkraft-a-1229668.html

  • Es werden weltweit nicht nur viele Kohlekraftwerke gebaut sondern auch Kernkraftwerke.
    Deutschland interessiert sich nicht für den Rest der Welt. Deutschland geht stur, stoisch, dogmatisch einen arroganten sehr, sehr teuren Weg.
    Zudem hilft es nicht, wenn Deutschland an Kohlekraftwerken oder Atomenergie spart, andere Länder ignorieren diese Bemühungen. Deutschland hat und hatte niemals "Vorbildcharakter" - das reden unsere Ideologen uns nur ein. Ziel der Ideologen ist es ihre eigenen chaotischen Wunschvorstellungen umzusetzen.

    Beispiel Biogas: Landwirte werden massiv subventioniert, wenn sie Genmais anbauen. 30 Cent pro kWh (4-6 Windenergie). Genmais verdrängt die Nahrungsmittelproduktion, die Nahrungsmittelpreise steigen (auch wegen Dürre), das Trinkwasser wird mit Nitraten und Glyphosat verseucht! Wer hat´s erfunden: Nicht die Schweizer! Die Grünen!

  • Wenn die Opfer die Deutschland darbirngt wenigstens eine Vorbildwirkung hätten.

  • @Herr Justus,

    kreuzbrave Aktivisten? Das fällt bei mir noch unter Ironie. Und auch zu glauben, dass sich irgendein Land für unsere Erkenntnisse interessiert.
    Ich hätte auch gern den Ausstieg, aber auch aus dem Bevölkerungswachstum. Sonst kolabiert der Planet oder es gibt wieder einen großen Krieg. Das ist nun wirklich keine Ironie.

  • Ironie Ende? Wirklich?
    Muss nicht Hambi angesichts solchen Unverstandes bis zum letzten Fäkalienkübel verteidigt werden? Es geht nicht so sehr um Fledermaus und Kammmolch - hoch oben auf den Bäumen retten kreuzbrave Aktivisten immerhin die Welt!

  • Nein wirklich, wer hätte das gedacht bei dem Bevölkerungswachstum weltweit?-Ironie Ende

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