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Energie

Energiepolitik Uniper-Chef Schäfer entwirft Plan für Kohleausstieg

Die Politik will den Ausstieg aus der Kohleverstromung vorbereiten. Uniper-Chef Klaus bricht jetzt das Schweigen in der Energiebranche bei dem Thema.
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Der Uniper-Chef orientiert sich bei einem Kohleausstieg am Modell der befristeten Sicherheitsbereitschaft, wie sie in der vergangenen Legislaturperiode bereits für eine Reihe von Braunkohlekraftwerken beschlossen worden war. Quelle: Reuters
Klaus Schäfer

Der Uniper-Chef orientiert sich bei einem Kohleausstieg am Modell der befristeten Sicherheitsbereitschaft, wie sie in der vergangenen Legislaturperiode bereits für eine Reihe von Braunkohlekraftwerken beschlossen worden war.

(Foto: Reuters)

BerlinDie Strategie der deutschen Energiekonzerne war bisher simpel: Wenn die Bundesregierung den Braun- und Steinkohlekraftwerken in Deutschland ein schnelles Ende bereiten will, dann soll sie bitteschön auch selbst erklären, wie das gehen soll. Die betroffenen Unternehmen sahen sich bislang nicht in der Pflicht, selbst Vorstellungen für das Aus der eigenen Anlagen zu entwickeln. Allenfalls Warnungen vor übereilten Beschlüssen oder zu kurz angesetzten Fristen für einen Ausstieg waren bislang von der Branche zu hören.

Uniper-Chef Klaus Schäfer ging dagegen am Montag bei einem Treffen mit Journalisten in die Offensive. Er orientiert sich bei einem Kohleausstieg am Modell der befristeten Sicherheitsbereitschaft, wie sie in der vergangenen Legislaturperiode bereits für eine Reihe von Braunkohlekraftwerken beschlossen worden war.

In dieser Sicherheitsbereitschaft sind die Kraftwerke vorläufig stillgelegt. Nur in Extremsituationen können sie wieder aktiviert werden. Nach vier Jahren ist die Sicherheitsbereitschaft beendet und das Kraftwerk wird endgültig stillgelegt. Insgesamt acht Braunkohle-Kraftwerksblöcke wurden ab 2016 schrittweise in die Sicherheitsreserve eingebracht. Die Kraftwerke werden von den Stromkunden über die Netzentgelte bezahlt.

Schäfer sieht insbesondere zwei Vorteile dieser Regelung: Anders als bei einer sofortigen Abschaltung stünden die Kraftwerke noch für den Erhalt einer sicheren Versorgung zur Verfügung. Außerdem sei das Modell mit Blick auf die Mitarbeiter „nachvollziehbarer und belastbarer“.

Schäfer will sich zwar nicht verbindlich auf diese Lösung festlegen und betont, es gebe „noch ganz andere Ideen“. Mit Blick auf Forderungen, mit dem Kohleausstieg schon bis 2020 Beiträge zur Verringerung der Lücke im Klimaschutz zu erreichen, hält er die Sicherheitsreserve jedoch für einen gangbaren Weg.

Schäfers Plan würde 20 Euro je Tonne CO2 und Jahr kosten

Nach Überzeugung Schäfers sind Stilllegungen im Volumen von „drei bis vier Gigawatt“ installierter Kraftwerksleistung bis 2020 „denkbar und greifbar“. Das entspreche einer CO2-Vermeidung im Umfang von 20 Millionen Tonnen und decke damit ein Drittel der Lücke von 60 Millionen Tonnen bei den angestrebten CO2-Reduktionen bis 2020.

Schäfer kalkuliert bei der Übernahme von 3,5 GW Kraftwerkskapazität in eine Sicherheitsbereitschaft mit CO2-Vermeidungskosten von einmalig 80 Euro je Tonne. Bei einer Laufzeit von vier Jahren für die Sicherheitsbereitschaft wären das 20 Euro je Tonne und Jahr.

Schäfer kommt so auf einen jährlichen Kostenaufwand für die Sicherheitsbereitschaft in Höhe von 500 Millionen Euro. „Wenn man das zu den Kosten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Relation setzt, entspricht das in etwa den EEG-Kosten, die innerhalb einer Woche anfallen“, sagt Schäfer. Tatsächlich summieren sich die EEG-Kosten auf rund 25 Milliarden Euro pro Jahr.

Stilllegungen im Volumen von drei bis vier Gigawatt (GW) liegen deutlich unter den Werten, die beispielsweise bei den gescheiterten Verhandlungen für eine Jamaika-Koalition im Raum standen. Damals ging es allerdings nicht nur um Stilllegungen bis 2020.

Schäfers Vorstoß zielt ab auf die Arbeit der von der Bundesregierung eingesetzten Strukturkommission, die Wege für einen Ausstieg aus der Kohleverstromung entwerfen soll. Die Vorschläge sollen später dem Gesetzgeber als Blaupause für den Kohleausstieg dienen. Unter den Mitgliedern der Kommission gibt es durchaus unterschiedliche Sichtweisen.

Einige Mitglieder streben die Stilllegung von Kohlekraftwerken in nennenswertem Umfang schon bis 2020 an, andere warnen vor diesem Schritt. Auch in der Bundesregierung gibt es in dieser Frage keine einheitliche Linie. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) würde Stilllegungen bis 2020 begrüßen, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ist eher skeptisch.

Über die Instrumente für Stilllegungen bis 2020 dürfte sich die Kommission in den kommenden Wochen und Monaten noch viele Gedanken machen. Das von Schäfer propagierte Modell ist allerdings nicht unumstritten. Kritiker sehen darin eine Wettbewerbsverzerrung zu Lasten kleiner Anbieter, die schon heute Probleme hätten, beispielsweise mit ihren Gaskraftwerken Geld zu verdienen.

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