Energie

Energiepreise Warum der Strom so teuer bleibt

In diesem Jahr mussten die deutschen Verbraucher so viel für Strom bezahlen wie noch nie. Und es wird nicht besser: Zwar sinken die Kosten der Versorger – die Preise für die Privatkunden bleiben aber hoch.
7 Kommentare
Zum Jahresanfang dürften die Preise im Schnitt noch weiter ansteigen. Quelle: dpa
Stromzähler

Zum Jahresanfang dürften die Preise im Schnitt noch weiter ansteigen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDeutschlands Stromkunden müssen tapfer sein. Im vergangenen Jahr war Strom so teuer wie noch nie – und zum Jahresanfang steigen die Preise im Schnitt noch weiter an. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Verbraucherportals Verivox hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Im Jahresdurchschnitt lag der Verbraucherpreisindex von Verivox bei 28,20 Cent je Kilowattstunde Strom für einen repräsentativen Haushalt mit drei Personen und einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Das waren 0,77 Cent je Kilowattstunde mehr als im Jahr zuvor. Zum Jahreswechsel wird der durchschnittliche Preis aber sogar auf 28,44 Cent steigen. Der repräsentative Drei-Personen-Haushalt bezahlt dann 1138 Euro im Jahr für Strom. In dem Preisindex fließen die Tarife der rund 900 lokalen Grundversorger mit jeweils ihren teuren Grundtarifen und günstigsten Angeboten ein – sowie die 30 größten überregionalen Stromanbieter.

Dabei fällt der Jahreswechsel regional sehr unterschiedlich aus. Die meisten Stromanbieter halten an ihren aktuellen Preisen fest. 78 Versorger senken ihre Preise sogar – im Schnitt um 2,2 Prozent. 64 Versorger heben ihre Grundtarife aber im Schnitt um knapp drei Prozent an. In den betroffenen Gebieten gibt es rund zwei Millionen Haushalte.

Für die Verbraucher ist die Entwicklung aus zwei Gründen besonders ärgerlich. Zum einen waren die Preise 2014, 2015 und 2016 jeweils noch zurückgegangen. Zum anderen sinken zum Jahreswechsel die Kosten der Versorger – die Entlastungen werden aber in der Regel nicht weiter gegeben. „Die meisten der über 800 Grundversorger halten die Preise zum Jahreswechsel stabil, obwohl alle Kostenblöcke zumindest im Durchschnitt gesunken sind“, sagt Verivox-Energieexperte Mathias Köster-Niechziol.

So sinkt die EEG-Umlage, mit der die Stromkunden den Ausbau der erneuerbaren Energien finanzieren, zum ersten Januar um 0,09 Cent auf 6,792 Cent je Kilowattstunde. Auch die Umlage zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung verringert sich. Die Netzentgelte, die Netzbetreiber für die Durchleitung des Stromes verlangen, sinken zum Jahreswechsel im Schnitt um rund vier Prozent. Und auch die Großhandelspreise, zu denen die Versorger selbst ihren Strom einkaufen, sind im Laufe des Jahres um knapp drei Prozent zurückgegangen.

Für Verbraucherschützer ist das ein Ärgernis. „Obwohl die Energieversorger in den vergangenen Jahren von den sinkenden Beschaffungskosten an der Strombörse profitiert haben, ist davon bei den Verbrauchern nichts angekommen. Im Gegenteil drohen in den nächsten Jahren weitere Strompreissteigerungen“, sagt Udo Sieverding, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die Politik müsse darauf „endlich mit einer Reform der Abgaben und Umlagenlast“ reagieren und durch eine Finanzierung über den Bundeshaushalt für mehr Gerechtigkeit sorgen. „Aber auch Verbraucher haben es selbst in der Hand durch einen Tarif- oder Anbieterwechsel die Stromkosten zu senken", rät Sieverding.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind noch immer zwei Drittel der Stromkunden bei ihrem lokalen Versorger, ein Drittel ist sogar noch im besonders teuren Grundtarif. Würden alle Verbraucher vom Grundversorger zum günstigsten Anbieter wechseln, könnten sie nach Angaben von Verivox zusammen rund neun Milliarden Euro im Jahr sparen. Eine Durchschnittsfamilie könnte bei einem Wechsel in den günstigsten Tarif mit laut Verivox „empfehlenswerten Bedingungen“ derzeit die Jahresrechnung im Durchschnitt um 345 Euro drücken.

Handelsblatt Energie Briefing
Startseite

7 Kommentare zu "Energiepreise: Warum der Strom so teuer bleibt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nur mit hohen Energiekosten bleibt der Arme auch arm, daher sorgen die Regierungen in Europa
    für hohe Energie-Preise und garantieren so für eine treue Wählerschaft.

  • Der private Verbraucher ist auch hier der Dumme. Bereits bei diversen Flüssiggasanbietern konnte man in den letzten Monaten erkennen, dass Preise nicht gesenkt wurden, obwohl die Großhandelspreise gefallen sind. Beim Strom ist es nicht anders. Hier wird der Privatkunde gnadenlos zu Gunsten der gewerblichen Verbraucher abgezockt. Wenn der Ölpreis weiter steigt, dann kommen wieder die gleichen Argumente, welche die dann folgenden Preiserhöhungen begründen. Egal ob Strom, Gaspreise oder Spritpreis-Jojo an der Tankstelle: Wir sollten mal dem Verbraucherschutz in den Hintern treten, denn für den Privatkunden wird hier nichts getan. Stattdessen wird die offensichtlich unendliche Profitgier nur noch weiter genährt.

  • Hallo Herr Berger, der Stromverbrauch steigt seit Ende der 70er Jahre nur mehr langsam, bzw. stagniert. Das Netz, die umweltfreundlichen Kernkraftwerke, Kohlekraftwerke wurden immer mehr abgeschrieben. Der freien Mittelzuflüsse sind damit immer mehr gestiegen.

    So haben die Versorger ihre staatlichen und privaten Anteilseigner mit Dividenden verwöhnt. Die Versorger haben enorme Steuern bezahlt. Die Versorger haben sinnlose Ausflüge in fremde Gefilde (Länder) unternommen deren Versorgungssysteme gleichfalls sehr politisch sind, deren Politik sie aber nicht verstanden.

    Mit der im ökoreligiösen Delirium beschlossenen Energiewende wurden die einst Cash strotzenden Versorger sinnlos nahezu zerstört. Den staatlichen Anteilseignern gehen jährlich hohe Milliardenbeträge an Dividenden und Steuern verloren,

  • Herr Narrog, Sie liegen mal wieder falsch. Und das in nahezu jedem Punkt. Aber die Angst um die armen Versorger treibt wohl seltsame Blühten.

    Solange unsere Energieversorger jedes Jahr in irgendeinem Land der Erde Milliardenbeträge versenken und trotzdem genug in Deutschland verdienen um das aufzufangen, Unmengen an Lobbyisten und Milliarden an Dividenden zu bezahlen, kann es ihnen nicht schlecht gehen.

    Sowohl mein Bruder, als auch mein Schwager waren bei einem Stromversorger angestellt und können noch mehr Geschichten erzählen.

  • Lange genug war ich selber bei einem Stromanbieter, um festzustellen, wie der Verbraucher gnadenlos über den Tisch gezogen wird.
    Allein die die vorgeschobenen Argumente, der Kosten des Netzausbaus sich unglaublich. Viele Jahrzehnte haben die Versorger massive Gewinne über ihre Netze gemacht und rechtzeitig, als klar wurde, dass Erzeugung nicht mehr ganz so profitabel bleibt, die Netze ausgegliedert um weiter die Gewinne zu sichern. Mit den Erträgen hätte man lange schon dreimal dass deutsche Netz erneuern könne (ohne Zusatzkosten).
    Auch die Frechheit trotz niedriger Stromerzeugungskosten, dauerhaft niedriger Börsenpreise und Personalabbau keine Ersparnis weiterzugeben, ist schon bodenlos. Die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzen.
    M.E. gehört die Stromversorgung in staatliche Hände, ebenso wie die Wasserversorgung.
    Diese Grunderzeugnisse des Menschen sind zum reinen Selbstbedienungsladen für eine kleine Gruppe geworden.

  • Frau Dr. Merkel und Herr Schulz verhandeln gerade über den neuen Unsinn, denen wird doch noch etwas einfallen zu den Stromkosten. Das Plastik zu Öl Recycling
    um es als Heizöl zu verwenden oder zu Stromerzeugung wäre ein I-Pukt des Regierungswahnsinns, hätte aber den Vorteil, daß das Wort Recycling vorkommt.
    Der blödeste Vorschlag gewinnt also weiter so ohne Erkenntnisgewinn,

  • Der Leser wird mit dem Artikel am Kern des Problems vorbeigeführt.

    Deutschlands Regierung beabsichtigt die Stromversorgung entsprechend ökoreligiöser Visionen zu gestalten. Da die Realität nicht mit diesen Visionen im Einklang steht und umweltschädlicher Solar-/Windstrom entsprechend der Launen des Wetters, der Tageszeit und der Jahreszeit eingespeist wird, ist dieser in einem bedarfsgesteuertem Netz nahezu wertlos.

    -Mit jeder neuen Solar-/Windstromanlage steigt die EEG Umlage
    - Der erforderliche Netzausbau auf allen Ebenen erhöht die Netzkosten.
    - Der Aufwand zur Erhaltung der Netzstabilität steigt und damit die Regelenergiekosten.
    - Die Kosten der Kapazitätsbereitstellung moderner Grosskraftwerke werden aktuell nicht separat vergütet. Allerdings werden die Kraftwerksbetreiber sich diese Kosten langfristig (nach Abbau von Überkapazitäten) vom Stromkunden holen.

    Aktuell addieren sich die Kosten aus EEG Umlage, Netzkosten, KfW Darlehen...Kapazitätsbereitstellung auf 35 - 40 Mrd. €/Jahr. Das entspricht knapp 1000 €/Haushalt/Jahr.

    Insgesamt besteht, je nachdem wie weit man die Ökoreligion treiben möchte, noch ein grosses Potential zur Kostenerhöhung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%