1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Energie
  4. Energieunternehmen: Chemiekonzern BASF lotet Abspaltung von Wintershall-Russland-Geschäft aus

EnergieunternehmenBASF lotet Abspaltung von Wintershall-Russland-Geschäft aus

Der Chemiekonzern hält 72 Prozent an dem Öl- und Gasunternehmen – und möchte es an die Börse bringen. Doch dafür gilt es, dessen Russland-Aktivitäten loszuwerden.Bert Fröndhoff, Catiana Krapp, Arno Schütze 04.05.2022 - 14:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Das Unternehmen ist einer der engsten Partner Gazproms im Westen. Zudem fördert Wintershall in Russland Öl.

Foto: AP

Düsseldorf, Frankfurt. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF prüft die Aufspaltung des Öl- und Gasförderers Wintershall Dea, um die Tochtergesellschaft mittelfristig doch noch an die Börse bringen zu können. Demnach sollen Investmentbanker die Möglichkeiten eines Verkaufs der Russlandaktivitäten an den Joint-Venture-Partner Letter One um den russischen Oligarchen Michail Fridman ausloten, heißt es in Unternehmens- und Finanzkreisen. Zuerst hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg über die Pläne berichtet.

BASF hält mit gut 73 Prozent die Mehrheit an Wintershall Dea, der Rest liegt bei Letter One. Die Ludwigshafener haben schon lange Pläne, das Gemeinschaftsunternehmen an die Börse zu bringen, doch hatten die russischen Partner dabei stets gebremst. Mit Beginn des Ukrainekriegs und der Sanktionen gegen Russland ist ein IPO aber praktisch unmöglich geworden.

Grund ist die starke Position von Wintershall Dea in Russland: Das Unternehmen ist einer der engsten Partner Gazproms im Westen. In Sibirien fördern beide Konzerne mit einem Gemeinschaftsunternehmen Gas, zudem fördert Wintershall in Russland Öl.

Ein Ausweg wäre es, diese Aktivitäten von Wintershall zu trennen und ein auf das restliche Geschäft fokussiertes Unternehmen börsenreif zu machen. Doch dieser Plan hat Tücken, denn auch ein Verkauf von Aktivitäten und Vermögen in Russland ist unter den gegebenen Umständen kaum umsetzbar.

Selbst für den logischen Käufer Letter One könnte eine solche Transaktion nicht im strategischen Interesse liegen. In Finanzkreisen gilt es als unwahrscheinlich, dass die L1-Anteilseigner dem zustimmen, da sie dann zwangläufig näher an die russische Regierung heranrücken würden, von der sie sich jüngst distanziert hatten.

In Sibirien fördern beide Konzerne mit einem Gemeinschaftsunternehmen Gas.

Foto: dpa

Seit Anfang März ist bekannt, dass der Oligarch Fridman auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht und somit offiziell die Führung von Letter One abgegeben hat. Allerdings hat sich Fridman gegen den Krieg positioniert. Auch der Oligarch German Khan, der bis vor Kurzem im Wintershall-Aufsichtsrat und im Letter-One-Vorstand saß, steht auf der Sanktionsliste.

BASF will mit der Trennung von Wintershall nicht ewig warten

Zwar gilt bisher das Unternehmen Letter One als Ganzes nicht als sanktioniert. Doch Wintershall hat vorsorglich alle Zahlungen an Letter One eingestellt. Der Anteilseigner hätte also eher Anreize, sich weiter von der russischen Regierung abzugrenzen, als große Öl- und Gasfelder in Russland zu übernehmen.

Analysten schätzen bei den momentanen Ölpreisen den aktuellen Wert des BASF-Anteils an Wintershall Dea theoretisch auf gut 20 Milliarden Euro. Weil aber die Vermögenswerte in Russland realistischerweise mit null bewertet werden müssen, würde der Wert des Rests nur ein Drittel dieser Summe ausmachen, rechnet die Baader Bank vor.

Somit ist unklar, wann und ob es zu einem Börsengang kommen könnte – obwohl Wintershall technisch bereits für einen Börsengang bereit wäre, wie CEO Mario Mehren in der vergangenen Woche bei der Vorstellung der Quartalszahlen sagte. Wintershall ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft und hat die rechtlichen Voraussetzungen für einen Gang an die Börse geschaffen.

Doch das russische Geschäft macht das Unternehmen wenig attraktiv. In Finanzkreisen wird ein Börsengang in diesem Jahr als unrealistisch eingeschätzt. Ohne die russischen Aktivitäten hingegen könnte Wintershall Investoren als mit den ESG-Nachhaltigkeitskriterien konforme Öl- und Gasfirma in Europa locken, schreiben die Analysten der Baader Bank.

Bei BASF und Wintershall stehen nun mehrere Optionen im Raum: Sie können das Russlandgeschäft komplett abschreiben oder versuchen, mit einem Verkauf an Letter One zumindest überhaupt noch Einnahmen zu erzielen – selbst wenn BASF wohl nur einen geringen Preis bekommen dürfte. Dritte Option wäre es abzuwarten, ob die Wintershall-Assets in Russland irgendwann wieder einen neuen Wert erhalten.

Das aber ist angesichts des Bruchs mit Russland überhaupt nicht absehbar. Dazu kommt, dass BASF mit der Trennung von Wintershall nicht ewig warten will. Der Konzern benötigt die Einnahmen in den kommenden Jahren für milliardenschwere Investitionen in die grüne Transformation, ins Chinageschäft und in die Produktion von Batteriechemie.

Verwandte Themen
Russland
BASF
Börse
Europa

Ein Carve-out der russischen Aktivitäten von Wintershall wäre laut Finanzkreisen zwar rein technisch recht problemlos machbar, da die Assets im Wesentlichen aus Beteiligungen aus Öl & Gas-Feldern bestehen. Doch spreche neben dem Zeitaufwand auch gegen einen Verkauf an Letter One, dass Fridman einst DEA deswegen übernommen hat, um seine Abhängigkeit von Russland zu verringern.

Klar ist: Große westliche Ölkonzerne dürften nicht an dem russischen Wintershall-Teil interessiert sein. Abgesehen davon, dass sie sich aus dem Land zurückziehen, verfolgen sie auch andere strategischen Ziele: Sie investieren eher in erneuerbare Energien.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt