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Energie

Energieversorger Vattenfall verliert Berlin: Landesbetrieb übernimmt das Stromnetz

Die Stromversorgung der Hauptstadt muss der schwedische Konzern nach langen Jahren an einen Landesbetrieb abgeben. Der Auftrag ist lukrativ.
Update: 05.03.2019 - 16:17 Uhr Kommentieren
Der Konzern versorgt bundesweit rund 3,6 Millionen Kunden mit Strom und Gas. Für die Skandinavier ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte. Quelle: dpa
Vattenfall-Gebäude in Berlin

Der Konzern versorgt bundesweit rund 3,6 Millionen Kunden mit Strom und Gas. Für die Skandinavier ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte.

(Foto: dpa)

DüsseldorfBerlin bringt das Stromnetz wieder unter die eigene Kontrolle. Der Senat für Finanzen teilte am Dienstag mit, dass der Landesbetrieb Berlin Energie im Verfahren zur Vergabe der entsprechenden Konzession das beste Angebot abgegeben habe.

Die Entscheidung trifft besonders den schwedischen Energiekonzern Vattenfall. Die Tochter Stromnetz Berlin und das Vorgängerunternehmen Bewag hatten seit mehr als 20 Jahren das Netz in der Hauptstadt gemanagt.

Berlin ist damit der jüngste Fall einer inzwischen langen Reihe an Rekommunalisierungen: Bundesweit versuchen Städte und Gemeinden seit Jahren, den Betrieb von Strom- und Gasnetzen wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.

Die Kommunen vergeben zum Teil für Jahrzehnte Konzessionen, die zum Betrieb der Netze berechtigen. Vielerorts versuchen Stadtwerke bei der Neuausschreibung privaten Betreibern die Konzessionen wieder abzunehmen.

Der Netzbetrieb gilt schließlich als äußerst lukrativ. Während die Einnahmen aus der Stromproduktion in den vergangenen Jahren drastisch gesunken sind, fallen bei den Netzen stabile Renditen ab. Diese werden zwar von der Bundesnetzagentur gedeckelt, sind aber trotzdem attraktiv.

Das Stromnetz in Berlin ist eines der größten lokalen Netze in Deutschland. Es erstreckt sich über rund 35.000 Kilometer. An die Leitungen sind mehr als 2,3 Millionen Netzkunden angeschlossen. Das Konzessionsverfahren wurde schon vor Jahren angestoßen. Insgesamt lagen fünf Angebote vor, wie der Senat jetzt mitteilte. Auch die Genossenschaft Bürger Energie hatte sich um den Betrieb des Netzes beworben.

Vattenfall bedauerte die Entscheidung, die Konzessionsrechte an den kommunalen Bieter vergeben zu wollen. Das Unternehmen kündigte an, nun gemeinsam mit den Verantwortlichen von Stromnetz Berlin die Vergabeentscheidung und deren Begründung genau zu analysieren.

Formal abgeschlossen ist der Wechsel schließlich noch nicht. Es ist zwar davon auszugehen, dass der Senat die Konzession jetzt an den Landesbetrieb vergibt. Vattenfall kann gegen die Entscheidung aber klagen. Das Land muss Vattenfall auch einen Kaufpreis bezahlen, der auf mehr als eine Milliarde Euro taxiert wird.

Schwerer Schlag für den Konzern

„Wir betreiben das Stromnetz in Berlin seit Langem erfolgreich und zuverlässig“, sagte Vattenfalls Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. „Wir sind überzeugt, diese erfolgreiche Arbeit allein oder in Partnerschaft mit der Stadt Berlin fortsetzen zu können.“

Zugleich betonte Hatakka, dass Berlin und Deutschland unabhängig von der aktuellen Senatsentscheidung ein wichtiger Wirtschaftsstandort und Markt für Vattenfall bleiben werde: „Wir wollen weiterhin zum deutschen Energiewendeprozess beitragen und sehen Wachstumschancen für unser Unternehmen in verschiedenen Bereichen, darunter bei den dezentralen Energielösungen oder der erneuerbaren Strom- und Wärmeerzeugung.“

Tatsächlich ist der Verlust der Konzession ein schwerer Schlag für den Energiekonzern. Er hat zwar in Deutschland 3,6 Millionen Strom- und Gaskunden. Berlin ist neben Hamburg aber hierzulande der zweite große Markt des Unternehmens. 2014 hatte Vattenfall bereits in Hamburg die Konzessionen für das Stromnetz verloren – ebenfalls an die Stadt.

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