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EnergieversorgungHeizen mit Wasserstoff: Heizungsbauer startet Pilotprojekt in Einfamilienhäusern

Die Firma BDR Thermea hat in den Häusern die Gaskessel durch Wasserstoffkessel ersetzt. Ob sich die Technologie durchsetzt, ist aber fraglich.Catiana Krapp 02.12.2022 - 04:18 Uhr Artikel anhören

Ein Remeha-Mitarbeiter rüstet die Heizung auf die neue Technologie um.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Wie lassen sich Wohnhäuser klimaschonend heizen? Mitten in der Energiekrise sucht die Gasversorgungsbranche dazu neue Antworten. Am Donnerstag hat das Unternehmen BDR Thermea ein bislang wohl einzigartiges Projekt gestartet: Es versorgt künftig in der niederländischen Stadt Lochem zwölf denkmalgeschützte Einfamilienhäuser über ein bestehendes Erdgasnetz mit Wasserstoff. Der kommt in Wasserstoffkesseln zum Einsatz und heizt so die Häuser.

BDR Thermea ist ein Hersteller von Heizungs- und Klimatechnik mit Sitz in den Niederlanden. In Deutschland ist der Konzern unter der Marke Remeha aktiv. Für das Wasserstoffprojekt arbeitet BDR mit dem Gasnetzbetreiber Alliander zusammen.

Heizen mit Wasserstoff ist ein Thema, das Heizungshersteller und Netzbetreiber zunehmend beschäftigt. Noch ist Gas in Europa einer der vorherrschenden Energieträger. In Deutschland kommt es in mehr als der Hälfte der Haushalte zum Einsatz.

Aufwand für Wasserstoff-Umstieg laut BDR „überschaubar“

Doch der Russlandkonflikt macht Gas knapp und teuer. Zudem verstärkt der Klimawandel die Suche nach saubereren Alternativen. Unternehmen, die bislang einen Großteil ihrer Umsätze mit Gasheizungen oder Leitungen gemacht haben, geraten unter Zugzwang.

Es scheint eine naheliegende Lösung zu sein, vorhandene Leitungen und Heizkessel künftig mit klimafreundlichem Wasserstoff statt mit fossilem Gas zu füllen. Der Chef von BDR Thermea, Bertrand Schmitt, sagt: „Die bestehenden Leitungen und Gasthermen können mit überschaubarem Aufwand für den Wasserstofftransport umgerüstet werden.“

Eine Wasserstoffheizung koste 10 bis 15 Prozent mehr als eine Gasheizung. Handwerker können laut Schmitt problemlos auf den Umgang mit Wasserstoff umgeschult werden.

Die bestehenden Leitungen und Gasthermen können mit überschaubarem Aufwand für den Wasserstofftransport umgerüstet werden
Bertrand Schmitt, Chef von BDR Thermea

Besonders für denkmalgeschützte Häuser wie die in dem Pilotprojekt kann der Umstieg auf Wasserstoff laut BDR Thermea vorteilhaft sein. Denn sie können nicht so einfach saniert und gedämmt werden wie andere Gebäude und verbrauchen so womöglich zu viel Energie, als dass die Gasheizung durch eine klimafreundliche Wärmepumpe ersetzt werden könnte.

Schmitt hat indes bereits größere Pläne: „Auf Dauer wollen wir alle unsere Gasthermen wasserstofffähig machen“, sagt er. BDR Thermea sei für Umrüstungen im großen Stil bereit. „Die Heizungsbranche verfügt über die notwendigen Technologien, wir könnten binnen zwei bis drei Jahren in Serie gehen“, sagt Schmitt.

Expertin für Energieeffizienz: „Es wird in naher Zukunft in Deutschland nicht genügend Wasserstoff geben“

Noch aber ist das lediglich Theorie. Denn aktuell gibt es nicht genügend Nachfrage nach Wasserstofflösungen zum Heizen. Weder bei Energieversorgern noch in der Politik steht das Thema oben auf der Agenda.

Aus Sicht von Ramona Mittag hat das auch einen Grund. Die Fachreferentin für Versorgungstechnik und Energieeffizienz bei der Verbraucherzentrale NRW sagt: „Wir müssen uns langsam ehrlich machen: Es wird in naher Zukunft in Deutschland nicht genügend Wasserstoff geben, als dass wir ihn in Gebäuden buchstäblich verheizen könnten.“

Für den Spezialfall denkmalgeschützter Häuser gebe es bereits Lösungsansätze: „Der Denkmalschutz ist zum Ziele des Klimaschutzes in NRW gelockert worden, sodass es beispielsweise möglich ist, Photovoltaik-Anlagen auch auf denkmalgeschützten Gebäuden zu installieren“, sagt sie.

Für den übrigen Häuserbestand in Deutschland gelte allerdings: „Wir müssen sanieren, sanieren, sanieren – sodass wir immer weniger heizen müssen.“

In gut gedämmten Häusern ist erheblich weniger Energie zum Heizen nötig als in schlecht gedämmten. Das zeigte vor einiger Zeit auch eine Studie des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München. Demnach können bei einem Verbraucher-Gaspreis von 25 Cent pro Kilowattstunde in einem ungedämmten Einfamilienhaus Heizkosten von 12.000 Euro pro Jahr anfallen. In einem sehr gut gedämmten Haus wären es nur 1400 Euro.

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Als wichtige künftige Alternative zur Gasheizung betrachtet Mittag die Wärmepumpe. Sie verweist auf eine geplante Regelung der Bundesregierung, laut der voraussichtlich ab 2024 jede neue Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Wärmepumpen machen das möglich, wenn der Strom, der darin zum Einsatz kommt, aus Wind- oder Solarerzeugung stammt.

Verweise von Heizungsbauern und Gasnetzbetreibern auf ein künftiges Heizen mit Wasserstoff im großen Stil sind für Mittag deshalb auch Anzeichen eines „Überlebenskampfs von Branchen“.

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