Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Energieversorgung Warum der Ölpreisverfall der US-Wirtschaft besonders zusetzt

Die US-Ölindustrie steht massiv unter Druck. Grund dafür sind nicht nur die Auswirkungen der Coronakrise, sondern auch ein Preiskampf zwischen Saudi-Arabien und Russland.
03.04.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
In der Ölindustrie trifft derzeit ein Überangebot auf eine geringe Nachfrage. Quelle: E+/Getty Images
Ölpumpenheber in Kalifornien

In der Ölindustrie trifft derzeit ein Überangebot auf eine geringe Nachfrage.

(Foto: E+/Getty Images)

New York Schon vor zwei Wochen war die Lage „einfach nur ernüchternd“, erinnert sich Dan Eberhart. Der Chef von Canary Oil, einem Öldienstleister aus Denver, Colorado, entließ damals die ersten 40 Mitarbeiter und hoffte verzweifelt auf ein Signal aus dem Weißen Haus. Doch seitdem hat sich die Lage noch einmal dramatisch verschlechtert. „Die ganze Branche wird bald über die Klippe springen“, glaubt er. „Wir wissen einfach nicht, wo der Boden ist.“

Der Ölpreis ist diese Woche auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren gefallen. Kaum jemand fährt in diesen Tagen noch Auto, Airlines streichen im großen Stil ihre Flüge. Dabei haben die Ölproduzenten nicht nur mit der einbrechenden Nachfrage in der Coronakrise zu kämpfen. Sie leiden auch unter dem Überangebot, weil Saudi-Arabien und Russland in einem Preiskrieg derzeit den Markt mit Öl fluten.

Trump kündete am Donnerstag an, dass Russland und Saudi Arabien Saudi-Arabien die Produktion drosseln würden, was den Ölpreis noch einmal deutlich nach oben schellen schnellen ließ.

Was in normalen Zeiten vor allem die Autofahrer freuen würde, gefährdet derzeit den amerikanischen Traum von der Unabhängigkeit bei der Energieversorgung. Es war vor allem das umstrittene Fracking, das es den USA ermöglicht hat, ihre heimische Produktion stark zu steigern und so zum Exporteur von Erdöl und damit unabhängig zu werden. Die Kosten für diese Art der Förderung sind allerdings hoch und lohnen sich bei den niedrigen Ölpreisen am Weltmarkt längst nicht mehr.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Lydia Boussour, Volkswirtin beim Analysehaus Oxford Economics, prognostiziert: „Der Ölpreis-Crash hat einen negativen Effekt auf die US-Wirtschaft.“ Sollte der Ölpreisverfall von Dauer sein, werde das die amerikanische Volkswirtschaft rund 0,2 Prozent des BIP kosten.

    „Vernichtung der Nachfrage“

    Bereits im vergangenen Jahr, als der Ölpreis zwar gefallen, aber noch weit vom heutigen Niveau entfernt war, verschärften sich bei vielen Unternehmen die Probleme. Laut der auf Energie und Restrukturierungen spezialisierten Anwaltsfirma Hayes and Boone’s beantragten insgesamt 50 Ölunternehmen Gläubigerschutz – darunter 33 Öl- und Gasproduzenten und 15 Dienstleister für Ölfelder. 

    Auch die großen Namen wie Chevron und Schlumberger aus Texas kündigten milliardenschwere Abschreibungen an. Zudem fahren sie ihre Investitionen in Shale – also in die Fracking-Förderung – zurück.

    Der niedrige Ölpreis hat auch den US-Präsidenten auf den Plan gerufen. Der will sich am Freitag mit den CEOs der größten Ölkonzerne treffen, um über Auswege zu diskutieren. Verhandelt werden dürfte über verschiedene Optionen: Wird es staatliche Hilfen für die US-Ölindustrie geben? Oder sind Strafzölle auf Öl aus Saudi-Arabien denkbar? Unter anderem könnte der Staat Öl kaufen und lagern. Bei dem jüngsten Hilfspaket waren die Ölkonzerne außen vor geblieben.

    Das Treffen soll am Freitag im Weißen Haus stattfinden. Mit dabei werden laut dem Bericht des „Wall Street Journal“ der Vorstandsvorsitzende Darren Woods von Exxon Mobil sein, Mike Wirth von Chevron, Vicky Hollub von Occidental Petroleum und Harold Hamm von Continental Resources. Allein die Nachricht über das Treffen gab dem Ölpreis am Mittwoch Auftrieb.

    Laut Goldman Sachs ist der neue Ölpreiskrieg „nicht nur der größte wirtschaftliche Schock unseres Lebens“. Die Ölindustrie stehe „im Fadenkreuz“. Und das in einer Zeit, in der das Coronavirus die Lage ohnehin schon erschwert.

    „Diese Vernichtung der Nachfrage ist katastrophal für uns“, sagt der Chef von Canary Oil über die Auswirkungen der Coronakrise. Sein Unternehmen ist ein Ölfeld-Dienstleister, der für die Kunden aus der Öl- und Gasindustrie Ölfeldbohrungen durchführt, Fracking-Equipment vermietet und Wartungen und Reparaturen anbietet.

    Seit 15 Jahren steht der Ölmanager an der Spitze von Canary Oil, ist bestens verdrahtet ins Weiße Haus. Seit Jahren treibt er Spenden für republikanische Senatoren ein, telefoniert regelmäßig mit Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow.

    Auch den Präsidenten selbst hatte er bereits am Telefon. Zuletzt appellierte er im US-Börsensender CNBC ans Weiße Haus: „Trump sollte aktiv versuchen, das Problem mit Russland und Saudi-Arabien zu lösen.“

    Eberhart, der in den wichtigen Ölstaaten Colorado, North Dakota und Oklahoma aktiv ist, beobachtet, dass eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Kapazitäten herunterfahren, Leute entlassen, Kreditlinien ziehen.

    Das Fracking-Unternehmen Whiting Petroleum aus Colorado hatte vergangene Woche seine gesamte Kreditlinie von 650 Millionen Dollar in Anspruch genommen, um auf der sicheren Seite zu sein. Das sollte eigentlich helfen, die ausstehenden Anleihen zu bedienen. Schon am Mittwoch dieser Woche aber musste das Unternehmen Gläubigerschutz beantragen.

    Förderung auf Rekordniveau

    Auch Eberhart ist in Verhandlung mit seinen Banken. Die Unternehmen in der Ölbranche sind für ihre hohen Verschuldungsgrade berüchtigt. „Von dem letzten Ölpreiseinbruch 2014 haben sich viele nicht besonders gut erholt“, erklärt Eberhart. „Kaum jemand hat einen Puffer für schlechte Zeiten.“

    Hinzu kommt: Die Lagerkapazitäten werden im ganzen Land knapp. „Zum ersten Mal überhaupt haben wir nicht genug“, sagt Eberhart. Regulierer in Texas erwägen deshalb, erstmalig seit Jahrzehnten die Produktionskapazitäten offiziell zu drosseln.

    Die Preise für die Lagerung auf Schiffen habe sich vervierfacht. Auch die Preise für die Lagerung in Tanks in Cushing im US-Bundesstaat Oklahoma verdoppelten sich in den vergangenen drei Wochen. Das könnte die Ölproduzenten dazu bewegen, ihre Kapazitäten herunterzufahren, ist Eberhart überzeugt.

    Bislang jedoch ist von einem Herunterfahren der Kapazitäten nichts zu erkennen. Trotz niedrigem Ölpreis und hoher Lagerkosten haben die US-Ölkonzerne zuletzt Rekordmengen an Öl gefördert, um keine Umsatzeinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Laut der Energy Information Administration hat die US-Ölindustrie zuletzt weiterhin 13 Millionen Barrel Erdöl täglich gefördert.

    Das liegt nur leicht unter den Rekordfördermengen der Vergangenheit. Die Nachfrage nach Erdöl rechtfertigt das nicht: Sie ist vergangene Woche von 8,8 Millionen Barrel auf 6,7 Millionen Barrel täglich gesunken. Vor einem Jahr lag die Nachfrage noch bei 9,2 Millionen Barrel.

    „In diesem Moment haben wir ein Angebots- und ein Nachfrageproblem“, erklärt Helima Croft, die Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei RBC Capital Markets. Sie schätzt, dass die Nachfrage bis auf 6,2 Millionen Barrel täglich sinken wird, wenn immer mehr Bundesstaaten ihre Bürger aufrufen, zu Hause zu bleiben.

    Mehr: Der Kampf um den Ölpreis: Wie sind Saudi-Arabien und Russland aufgestellt?

    Handelsblatt Energie Briefing
    Startseite
    Mehr zu: Energieversorgung - Warum der Ölpreisverfall der US-Wirtschaft besonders zusetzt
    0 Kommentare zu "Energieversorgung : Warum der Ölpreisverfall der US-Wirtschaft besonders zusetzt"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%