Energie

Energiewende 17 Jahre Atom-Abriss

Seit 1997 und noch bis 2014 baut der Energieversorger Eon in Würgassen ein Atomkraftwerk ab. Kosten: Eine Milliarde Euro. Es ist ein Vorgeschmack dessen, was die Branche noch erwartet. Ein Baustellenbesuch.
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Innenleben des Kernkraftwerks in Würgassen: Akribische Messung der Radioaktivität. Quelle: Dana Heide

Innenleben des Kernkraftwerks in Würgassen: Akribische Messung der Radioaktivität.

Würgassen„3,2,1... nicht kontaminiert“ – für die Arbeiter ist es längst Routine, für einen Besucher immer noch eine Erleichterung, wenn er durch die Metallschleuse des Atomkraftwerks Würgassen geht und eine weiblich klingende Metallstimme bestätigt, dass keine strahlenden Partikel am Körper haften. Dabei wurden hier zuletzt am 26.August 1994 Atome gespalten. Von dem Kraftwerk ist nach fast 17 Jahren Abbauzeit nur noch ein Gerippe übrig – doch die Sicherheitsmaßnahmen sind immer noch hoch.

500 Mitarbeiter arbeiten in Würgassen im Kreis Höxter in Nordrhein-Westfalen daran, die Überreste des ersten kommerziellen Atomkraftwerks Deutschlands abzubauen. Das sind weit mehr als zu den Betriebszeiten der Anlage. Damals arbeiteten 360 Mitarbeiter in Würgassen.

Eine solch mühsame Kleinarbeit wie in dem Eon-Kernkraftwerk wird in den nächsten Jahren die ganze Branche auf Trab halten. Alle 17 deutschen Atomkraftwerke müssen bis spätestens 2022 abgeschaltet sein und anschließend abgebaut werden. Eine teure Angelegenheit – pro Atomkraftwerk rechnet man in der Branche mit rund einer Milliarde Euro Kosten. Ein Besuch im Eon-Kraftwerk Würgassen zeigt, warum der Abbau so teuer ist.

Ohne kraftwerkseigene Schuhe, einen blauen Schutzkittel und weiße Baumwollhandschuhe kommt niemand in die ehemaligen Reaktorräume – trotz drückender Wärme. Die Mauern sind so dick, dass sie kein Lüftchen rein- oder rauslassen. Baustellenlampen leuchten die leeren Räume mit den meterhohen Decken aus.

Die Wände sehen aus, als hätte hier jahrelang ein Wahnsinniger gewütet: In blauer und roter Farbe sind Ziffern und Buchstabenkombinationen aufgemalt, schwarze Striche unterteilen die Mauern in kleine Rechtecke. Es wird genau gemessen, wie hoch die Kontaminierung der einzelnen Stellen ist. Immer wieder ist an mal kleinen, mal größeren Flächen der Stein abgekratzt. Hier war die Kontaminierung zu hoch. In dem Fall wird der Stein abgeschabt, das radioaktiv verseuchte Material in gelbe Fässer verpackt und in ein Zwischenlager gebracht.

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26 Kommentare zu "Energiewende: 17 Jahre Atom-Abriss"

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  • Es ist das erklärte Ziel der AKW-/Fortschritts-Gegner, den Bau,Abriss,Endlagerung von AKW so schwierig und so teuer wie möglich zu machen, um damit die Wirtschaft davon abzuschrecken. Was man in Deutschland und Westeuropa sieht, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Lobbyarbeit der AKW-Gegner.
    In China hingegen, wo die AKW-Gegner noch nicht Fuß gefasst haben, dauert der Bau eines neuen AKW unter 4 Jahre. Es gehen dort jedes Jahr mehrere neue Reaktoren ans Netz.

  • Ein sehr guter Artikel, der die Herausforderungen an ein endendes Atomzeitalter aufzeigt. Wirtschaftlich lassen sich heute neu Atomkraftwerke kaum noch betreiben. Kein Wunder, dass einige Staaten in der EU den Weg über Subventionen gehen wollen. Ein gelungene Energiewende in Deutschland könnte diese Stimmen hoffentlich schnell zum verstummen bringen.

  • 1,2 Mrd sind ein Klacks, wenn man den Nutzen zu Grunde legt. Allein das Heben und Verschrotten der 'Costa Concordia' kostest 800 Mio plus 70 Mio, die Rom an den Abwrackhafen bezahlt hat. Wir sind also auch bei einer knappen Milliarde, nur um ein Schiffchen aus dem Wasser zu holen. Man sollte hier als die Kirche im Dorf lassen.

    Das Ganze ist in die Betriebskosten längst eingerechnet, für so etwas gibt es Rückstellungen. Der Ganze Wind- und Sonnenspass kostet uns 300 Milliarden, also bitte.

  • Zitat Antiillusionist:
    Alle Welt baut neue Kernkraftwerke. Nur Deutschland, gefangen in hysterischen Ängsten, baut sie ab.

    Sie benötigen unbedingst Unterstüzung-lesen Sie nicht ständig "Artikel" auf der EIKE-Homepage, und EIKE als Startseite ist auch nicht unbedingt eine gute Wahl, das WWW hat so viel mehr zu bieten, z.B.
    Was denken den die Polen über Kernenergie ( wenn Sie NICHTEIKEQUELLEN als solche anerkennen ):

    Mehrheit immer noch gegen Atomkraft
    http://www.infoseite-polen.de/newslog/?p=8745

    und vielleicht auch deswegen:

    Polen verschiebt seine Atompläne
    http://www.moz.de/nachrichten/brandenburg/artikel-ansicht/dg/0/1/1164936/

    Und auch andere Länder schalten KKW einfach ab:
    USA schalten Atomkraftwerke ab
    http://www.iwr.de/news.php?id=24525

    Lesen Sie den Artikel-was schreibt den EIKE in diesem Zusammenhang, oder wollen Sie nicht einfach anfangen selbst zu denken ?


    mfg

  • Bitte exakter definieren. 30 Tausend Tonen Material, das dürfte der Stahl und was sonst noch so an Einbauten rumstand gewesen sein. Wenn man den Baukörper mit abreisst, also eine grüne Wiese schafft, dann werden es üblicherweise eher 300 Tausend Tonnen. Oder war Würgassen ein Leichtbaukraftwerk?

  • Warnung vor dem Inhalt des Artikels!
    Er ist schlecht recherchiert und enthält deshalb einige Behauptingen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Liegt das daran, dass der Autor dei Westbrille auf hatte?
    Stichwort KKW Reinsberg.

  • @GoGo02: Sehr geehrter Leser, Rückbau ist der offizielle Ausdruck, Abbau oder Abriss ist unkomplizierter und es weiß dennoch jeder, was gemeint ist. Und nein, ich habe mich mit den 30.000 Tonnen nicht vertan, 30.000 Tonnen Material wurden abgebaut. Beste Grüße, Dana Heide

  • 1 Mio EUR Gewinn pro Tag.... Ich bin ja so froh, dass die Experten von Greenpeace die Geheimakten der Energieriesen offen gelegt haben - mit folgender genialen Rechnung: Man schaue zunächst den Börsenpreis nach: 5-6 ct pro kWh und ziehe dann die Betriebskosten ab, irgendwo zwischen 1 - 2 ct / kwh (ohne Brennelementesteuer). Diese rund 0.04 ct/kwh multipliziere man mit 1 Mio kW Kapazität, mal 24 h pro Tag = rund 1 Mio EUR. Gut, dass unsere Journalisten sich von diesen kompetenten und neutralen Greenpeace-Experten beraten lassen.

    Jetzt habe ich eine noch schwerere Aufgabe: Wieviele Steuern auf diesen Gewinn hat ein Energieriese pro Tag und Kraftwerk gezahlt, von denen wir alle profitiert haben?

    Zusatzaufgabe: Wieviel EUR EEG-Umlage zahlen wir jeden Tag an Subventionen für Erneuerbare Energien?

    (Ok, ich bin gemein - daher hier die Lösung für die Zusatzaufgabe: fast 50 Mio EUR.)




  • @Tomorrow1
    "Mit aber-zig Millirden Euro subventioniert, mit zig Milliarden aufrecht erhalten und am Ende mit zig Milliarden abgewrackt"
    Wie bitte??? Ihre Erneuerbaren Energien wurden dieses Jahr mit 30 Mrd € subventioniert, die Kernenergie hingegen nur mit 1,3 Mrd €. Und fast das gesamte Kernenergiebudget geht an die Kernfusion. Und außerdem waren die meisten Subventionen Steuererleichterungen wie z.B. Brennstoffkosten, und man hat nicht sinnlos Milliardenbeträge in einem Steuergrab wie den Erneuerbaren versenkt. Die Rückbaukosten muss übrigens der Betreiber übernehmen, also bezahlt das nicht der Steuerzahler.

  • Das verstehe ich nun überhaupt nicht! Ich dachte immer, Atomstrom sei konkurrenzlos billig...Ach ja, für alle Risiken, die Endlagerung und den Abriss kommt ja vor allem der BLÖDE Steuermichel auf....

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