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Energie

Energiewende absurd Warum Uniper zwei moderne Gaskraftwerke stilllegen und gleichzeitig ein neues bauen will

Uniper will im bayerischen Irsching zwei moderne Gasanlagen stilllegen. Doch genau an diesem Standort will der Stromproduzent jetzt eine neue Anlage bauen. Was dahintersteckt.
5 Kommentare
Uniper will ein neues Gaskraftwerk in Bayern bauen Quelle: imago/imagebroker
Eon-Kraftwerk in Irsching an der Donau

Uniper will in Bayern zwei moderne Gasanlagen stilllegen – baut dort jetzt aber sogar eine neue.

(Foto: imago/imagebroker)

Düsseldorf Im bayerischen Irsching bei Ingolstadt zeigt die Energiewende schon seit Jahren ihre absurde Seite: Dort stehen zwei hochmoderne, vergleichsweise saubere Gaskraftwerke, die eigentlich perfekt den Strom liefern könnten, den Wind- und Solaranlagen in vielen Stunden witterungsbedingt nicht produzieren.

Gerade durch den Boom der erneuerbaren Energien sind die Anlagen aber unrentabel geworden – und die Betreiber, allen voran Uniper, wollen sie stilllegen. Jetzt wird Uniper allerdings genau an diesem Standort sogar ein neues Gaskraftwerk bauen. Das kündigten der Stromproduzent und Netzbetreiber Tennet am Mittwoch an.

Uniper wird das Gaskraftwerk mit einer Kapazität von 300 Megawatt bauen und im Auftrag von Tennet ab Oktober 2022 betreiben. Das Kraftwerk ist dabei als „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ gedacht und soll „in besonderen Notsituationen als Sicherheitspuffer in der Stromversorgung bereitstehen“. Die Anlage soll also kurzfristig hoch- und heruntergefahren werden, um das Stromnetz zu stabilisieren und Netzausfälle zu vermeiden.

Das ist nötig, weil Wind- und Solaranlagen zwar immer mehr Strom produzieren können und bei günstigen Bedingungen die deutsche Stromversorgung auch schon zu einem großen Teil decken. Wenn es trüb ist und kein Wind weht, bricht der Anteil erneuerbarer Energien aber auch schnell ein, und konventionelle Kraftwerke müssen die Stromversorgung gewährleisten.

Vor allem im Süden Deutschlands ist die Situation im Stromnetz angespannt. Dort sitzen zum einen viele große Verbraucher aus der Industrie. Zum anderen gehen nach und nach Atomkraftwerke vom Netz.

Der Gesetzgeber hat deshalb den Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion und TransnetBW erlaubt, insgesamt 1200 Megawatt (MW) in neuen Gaskraftwerken aufzubauen – jeweils 300 Megawatt in vier Regionen im Süden Deutschlands. Ende Juni hatten die Netzbetreiber die neuen Aufträge ausgeschrieben. Uniper hat jetzt für die Region südliches Bayern den Zuschlag erhalten.

„Ich freue mich, dass Uniper den Zuschlag in der Ausschreibung für ein besonderes netztechnisches Betriebsmittel zur Sicherung der Stromversorgung erhalten hat“, sagte Eckhardt Rümmler, Mitglied des Uniper-Vorstands und Chief Operating Officer (COO). Tatsächlich kann Uniper für die Anlage mit stabilen Ergebnisbeiträgen planen. Tennet wiederum wird die Kosten über die Netzentgelte auf die Verbraucher umlegen.

Bundesnetzagentur hindert Stilllegung wegen Netzreserveverordnung

So weit so gut, würden in Irsching nicht zwei andere Kraftwerke stehen – um die Tennet und die Betreiber seit Jahren ringen. Uniper betreibt dort zum einen Block 4. Das Kraftwerk „Ulrich Hartmann“ mit einer Leistung von 561 MW war 2011 in Betrieb gegangen und gilt mit einem Wirkungsgrad von 60,4 Prozent als eines der effizientesten Gaskraftwerke weltweit. Die Anlage setzt 60,4 Prozent des eingesetzten Gases in Strom um und stößt entsprechend wenig klimaschädliches Kohlendioxid aus.

Block 5 mit 846 MW Leistung wurde 2010 in Betrieb genommen und ist mit einem Wirkungsgrad von 59,7 Prozent nur unwesentlich schwächer. Hier hält Uniper 50,2 Prozent der Anteile. Die restlichen gehören den Regionalversorgern N-Ergie, Mainova und Entega.

Obwohl die Kraftwerke hocheffizient sind, lohnt sich der Betrieb wirtschaftlich aber nicht. In den vergangenen Jahren waren sie kaum noch am Netz, weil die Großhandelspreise die Kosten nicht decken konnten. Die Preise wiederum waren im Keller, weil der Markt mit Wind- und Solarstrom geflutet wurde, der zu festen Vergütungen vorrangig ins Netz eingespeist wird.

Die Betreiber wollen die Anlagen eigentlich stilllegen, werden von der Bundesnetzagentur aber daran gehindert. Weil sie als systemrelevant eingestuft werden, also zur Sicherung des Stromnetzes benötigt werden, müssen sie im Rahmen der sogenannten Netzreserveverordnung zur Absicherung paratstehen und kommen ausschließlich dann zum Einsatz, wenn ihre Leistung zur Stabilisierung des Netzes gebraucht wird. 

Dagegen wehren sich die Betreiber aber, weil dies ihrer Meinung nach unrentabel ist. In Gerichtsverfahren versuchen sie, eine endgültige Stilllegung oder eine angemessene Vergütung durchzusetzen.

Aber warum werden die Kraftwerke nicht als „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ bewertet und entsprechend vergütet – und warum wird stattdessen ein neues Kraftwerk gebaut? Das seien unterschiedliche gesetzliche Regelungen, erklärt ein Uniper-Sprecher. Das neue Gesetz sehe ausdrücklich den Neubau vor. Selbst in Kreisen der Betreiber herrscht darüber aber Unverständnis. Der „Irrsinn in Irsching“ gehe weiter, heißt es.

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5 Kommentare zu "Energiewende absurd: Warum Uniper zwei moderne Gaskraftwerke stilllegen und gleichzeitig ein neues bauen will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr geehrter Herr Flauger,
    Sie schreiben:
    "Wenn es trüb ist und kein Wind weht, bricht der Anteil erneuerbarer Energien aber auch schnell ein, und konventionelle Kraftwerke müssen die Stromversorgung gewährleisten."
    Die von den ÜNB ausgeschriebenen Netzstabilitätsanlagen (NStA)werden nicht deshalb benötigt, weil teilweise kein Strom aus Windkraftanlagen produziert wird, sondern weil bei hoher Windeinspeisung die Netze an der Belastungsgranze gefahren werden. Die ÜNB begründen den Bedarf wie folgt:
    https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Berichte_Fallanalysen/UeNB_Netzstabilitaetsanlagen13k.pdf?__blob=publicationFile&v=1
    "Begründung des Bedarfs an NStA:
    1. Ursächlich für den Bedarf an NStA sind der Zuwachs der Stromerzeugung aus
    erneuerbaren Energien sowie der Abschluss des Kernenergieausstiegs
    einerseits und einem noch nicht hinreichend fortgeschrittenen Netzausbau
    andererseits.
    2. Der vorgenannte Sachverhalt bewirkt, dass das Übertragungsnetz viel häufiger
    als bisher an seinen Belastungsgrenzen betrieben werden wird. Dabei muss
    ein Erzeugungsüberschuss im Norden Deutschlands in Richtung
    Süddeutschland abtransportiert werden.
    3. Arbeitet das Übertragungsnetz nun an seiner Belastungsgrenze, so kann es
    beim Ausfall von relevanten Netzelementen gegebenenfalls nicht mehr
    vollständig sicher gemäß den verpflichtenden europäischen Regeln und
    Vorschriften („Grid-Codes“) betrieben werden.
    4. Mittels der schnellstartfähig ausgelegten NStA können diese ausfallbedingten
    und unzulässigen Betriebszustände des Stromübertragungsnetzes kurativ und
    in angemessener Zeit behoben werden."

  • Dass die erneuerbaren Energien fossile Stromerzeugung verdrängen ist gewollt und sinnvoll. Dass es dazu erforderlich ist Maßnahmen zu ergeifen, damit die schmutzige Braunkohle aus dem Markt gedrängt wird und die CO2 ärmeren Gaskraftwerke weiter in betrieb bleiben, weiss man schon lange, siehe z.B. http://www.4sustainability.de/fileadmin/redakteur/bilder/Publikationen/Haas-Loew-Auswirkungen-Energiewende-auf-Energiemaerkte2012.pdf
    Aber die Politik hat keine Maßnahmen ergriffen, weil diese RWE, EON (alt) und Vattenfall getroffen hätte. Da war es einfacher die kleineren Stadtwerke (mit Gaskraftwerken) bluten zu lassen.
    Es ist bedauerlich dass der Verdasser des Artikels den Zusammenhang zum Kohleausstieg nicht aufzeigt. Die Gaskraftwerke dürfen natürlich nicht stillgelegt werden, wenn man - wie für die Erreichung der Klimaschutzziele erforderlich - SCHNELL aus der Braunkohle aussteigt.

    Und außerdem haben die damaligen vier großen Versorger das Problem auch selber verursacht, weil sie
    * weiterhin Kohlekraftwerke gebaut
    * das Wachstum der Erneuerbaren unterschätzt und
    * die Klimaschutzziele ignoriert haben.

    Steht im Handelsblatt: "Letztlich müssen die beiden Konzerne [EON, RWE] jetzt so dramatisch reagieren, weil sie Jahre lang die Energiewende unterschätzt hatten. Der Boom der erneuerbaren Energien hatte das alte Geschäftsmodell, den Betrieb großer Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke bedroht.
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/branchencheck-2019-der-energiemarkt-wird-durchgeschuettelt-schon-wieder/23791408.html

  • da werden bestimmt gleich die Pfosten hervorkommen und sagen die Solarplatten und die Windräder sind schuld... wetten?

  • An diesem Beispiel kann man mehr als gut erkennen, wohin uns der "Öko-Faschismus" getrieben hat. Ich befürchte, es gibt keinen Weg mehr zurück.

  • Tennet - Uniper - beides Unternehmen, die nicht in deutscher Hand liegen.
    Deutsche Politiker, die keine vernünftige Energiepolitik auf die Reihe bringen.
    "Irrsinn in Irsching"
    Es ist zum verzweifeln! Wer hat's erfunden? Merkel! Wer zahlt's? DU!

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