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Energie
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Die Stromnetzbetreiber beklagen, dass sie der Energiewende nicht gerecht werden könnten.

(Foto: dpa)

Energiewende Bundesnetzagentur setzt Netzbetreiber unter Druck

Die Bundesnetzagentur verlangt von den Stromnetzbetreibern mehr Effizienz. Die Unternehmen warnen vor einer Überforderung, die die Energiewende behindern könnte.
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Die 900 Stromnetzbetreiber in Deutschland haben sich längst daran gewöhnt, dass sie ihre Effizienz von Jahr zu Jahr steigern müssen. Die kontinuierliche Effizienzsteigerung ist der Kern der Anreizregulierung, die seit 2009 gilt. Weil die Netze natürliche Monopole darstellen, schaut die Bundesnetzagentur den Betreibern auf die Finger und sorgt dafür, dass die Unternehmen ihr Kunden nicht zu stark belasten. Die Netzentgelte, die die Stromverbraucher bezahlen, sollen nicht überhöht sein.

Doch jetzt fühlen sich die Unternehmen überfordert. In diesen Tagen wird die Bundesnetzagentur bekanntgeben, wie stark die Betreiber ihre Effizienz in der Zeit von 2019 bis 2023 Jahr für Jahr steigern müssen. Im Konsultationsverfahren hat die Netzagentur einen Wert von 1,31 Prozent ins Gespräch gebracht.

Mittlerweile heißt es in Branchen- und Regierungskreisen zwar übereinstimmend, dieser Wert sei als unrealistisch verworfen worden. Es werde wohl ein Wert von etwa 0,9 Prozent herauskommen. Doch auch diese Zahl wäre aus Betreibersicht viel zu hoch gegriffen.

Für die Unternehmen geht es unter dem Strich darum, wieviel sie verdienen können. Die Erwartungen der Netzagentur an die Effizienzfortschritte seien völlig unrealistisch, klagt ein Branchenmanager. Man habe die Effizienz in den vergangenen Jahren bereits erheblich gesteigert, nun sei das Ende der Fahnenstange erreicht. Es sei an der Zeit, die Schraube nicht weiter anzudrehen.

Die Unternehmen verweisen auf ihre Kollegen, die Gasnetze betreiben. Für die Gasnetze hat die Netzagentur kürzlich einen Produktivitätsfortschritt von 0,49 Prozent festgelegt. Es gebe keinen Grund, für die Stromnetze einen höheren Wert festzulegen, argumentieren die Betreiber.

Die Netzagentur sieht das anders. Zum einen bestünden deutliche Produktivitätsunterschiede zwischen Strom- und Gasbranche, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass die aktuelle Inflation höher sei als zum Zeitpunkt der Festlegung des Wertes für den Gasbereich.

Aus Sicht der Betreiber sind die Argumente der Netzagentur nicht stichhaltig. Die von der Regulierungsbehörde ins Gespräch gebrachte Effizienzsteigerung bilde die bevorstehenden Aufgaben beim Um- und Ausbau der Stromnetze nicht richtig ab, heißt es etwa beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Die Netzbetreiber würden damit unter hohen Druck gesetzt, die Eigentümer, zu einem erheblichen Teil Kommunen, würden wirtschaftlich hart getroffen, wenn die Ankündigungen Realität würden, sagte ein VKU-Sprecher. Die Berechnungen der Netzagentur seien methodisch nicht nachvollziehbar.

In der Branche wird außerdem darauf verwiesen, seit 2009, also seit Inkrafttreten der Anreizregulierung, habe man bereits 14 Prozent höhere Gesamtkostensenkungen geschultert als die Gesamtwirtschaft. Bereits seit 2006 hätten die Stromnetzbetreiber keine effektiven Preissteigerungen mehr realisiert.

Der VKU, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sowie die Gewerkschaft Verdi, in der die Beschäftigten der Branche organisiert sind, haben sich in einem Brandbrief an die Mitglieder des Beirates der Bundesnetzagentur gewandt, um das Schlimmste zu verhindern. Darin kritisieren sie, die Bundesnetzagentur stelle unrealistische Anforderungen.

In der Branche wird außerdem darauf verwiesen, die Netzbetreiber stünden derzeit vor den größten Herausforderungen in ihrer Geschichte. Das gelte nicht nur für die Übertragungsnetzbetreiber, die die großen Stromautobahnen quer durch Deutschland betreiben und diese derzeit mit Milliardenaufwand ausbauen. Auch die Verteilnetzbetreiber, in der Mehrzahl Stadtwerke, die den Strom bis zu jedem einzelnen Haushalt transportieren, müssten sehr hohen Aufwand betreiben, um den Herausforderungen der Energiewende gerecht zu werden, heißt es in der Branche.

Tatsächlich stecken die Verteilnetzbetreiber mitten in einem Systemwechsel. Während sie früher nur den Strom bis zum Letztverbraucher durchleiten mussten, managen sie heute auch die Einspeisung von Strom aus insgesamt 1,5 Millionen kleinen, dezentralen Anlagen, also etwa Photovoltaikanlagen auf Hausdächern. Der Aufwand für die Steuerung der Netze steigt damit ständig.

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