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Energie

Energiewende Demokratisierung des Energiemarktes: Wie jeder Einzelne zum Stromanbieter werden kann

Mehrere europäische Stromnetzbetreiber bieten eine neue Stromplattform an, um ihre Netze zu stabilisieren. Auch private Haushalte können dabei helfen.
22.04.2020 - 19:32 Uhr Kommentieren
Bald sollen Privathaushalte helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Quelle: Moment/Getty Images
Erneuerbare Energien

Bald sollen Privathaushalte helfen, das Stromnetz zu stabilisieren.

(Foto: Moment/Getty Images)

Berlin Drei europäische Betreiber von Stromübertragungsnetzen gehen gemeinsam neue Wege bei der Sicherung der Systemstabilität: Tennet (Deutschland und Niederlande), Swissgrid (Schweiz) und Terna (Italien) sammeln künftig über eine neue Plattform Kleinstmengen von Strom bei privaten Haushalten ein. Der Strom soll dazu beitragen, Netzschwankungen auszugleichen. Das Projekt mit dem Namen „Equigy“ steht weiteren europäischen Netzbetreibern offen.

Das ehrgeizige Vorhaben trägt dem grundlegenden Wandel der Energiewelt Rechnung. Früher dominierten große Kraftwerke mit jeweils mehreren Hundert Megawatt Leistung die Stromerzeugung. Die Netzbetreiber leiteten Energie an die Verbraucher weiter. Gleichzeitig stellten Kraftwerksbetreiber den Strom zur Stabilisierung der Netze. Mit den sogenannten „Systemdienstleistungen“ werden Schwankungen von Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen.

Doch die Energiewende hat die alte Welt komplett umgekrempelt. Die Erzeugung ist dezentral geworden. Allein 1,7 Millionen Photovoltaik-Anlagen sind mittlerweile auf deutschen Dächern und Feldern installiert und speisen Strom ins Netz ein. Die Bedeutung der Großkraftwerke sinkt.

Perspektivisch soll die neue Plattform Millionen Haushalten in Europa ermöglichen, Kleinstmengen von Strom kurzfristig an den Energiemärkten anzubieten. Dabei geht es ausdrücklich um Systemdienstleistungen, also um Strom, der dazu genutzt wird, das Netz stabil zu halten.

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    In Betracht kommt etwa Strom aus der Batterie eines E-Autos, das ungenutzt in der Garage steht. Auch die wachsende Zahl von Batteriespeichern in den Kellern vieler Häuser, auf deren Dach eine Photovoltaik-Anlage installiert ist, bietet reichlich Potenzial. Moderne IT in Kombination mit der Blockchain-Technologie macht es möglich, auch kleinste Mengen Strom aus diesen Speichern sehr kurzfristig für die Netzstabilisierung verfügbar zu machen.

    „In den letzten Jahren haben wir in Pilotprojekten schon erfolgreich die Blockchain-Technologie getestet und mit Elektroautos und Haushaltsbatterien das Netz stabilisiert. Hunderte Haushalte waren daran beteiligt, und jetzt können wir langfristig auf Hunderttausende oder sogar Millionen von Haushalten aufstocken“, sagte Manon van Beek, CEO von Tennet, dem Handelsblatt. Damit werde ein wichtiger Beitrag zum sicheren Umbau des Energieversorgungssystems geleistet. Bald könne jeder dazu beitragen, die Energiewende schneller umzusetzen, und davon auch noch finanziell profitieren, sagte die Tennet-Chefin.

    Die drei Netzbetreiber leisten damit Pionierarbeit. Heute ist ein Großteil der Prozesse und IT-Systeme, mit denen flexible Kapazitäten für die Netzstabilisierung genutzt werden, auf die Steuerung von einigen Hundert Kraftwerken und nicht von Millionen einzelnen Kleinstanlagen ausgerichtet.

    „Heute nutzen wir Kraftwerke im dreistelligen Megawattbereich für die Netzstabilisierung, morgen werden es viele kleine Anlagen im einstelligen Kilowattbereich sein“, skizziert Axel Kießling, Manager Digital Transformation bei Tennet Deutschland, die Perspektive.

    Eintrittsbarrieren sollen möglichst niedrig sein

    Was der Betreiber einer Kleinstanlage damit verdienen kann, Strom zur Systemstabilisierung zur Verfügung zu stellen, ist im Moment noch nicht ganz klar absehbar. Aber bei den Initiatoren ist vorsichtig davon die Rede, dass für den Einzelnen pro Jahr „unter guten Voraussetzungen“ ein dreistelliger Euro-Betrag herausspringen könne.

    Insgesamt erhoffen sich die drei Netzbetreiber aber auch eine Kostenreduktion für das Gesamtsystem. Die Systemdienstleistungen könnten durch die Plattform insgesamt günstiger werden. Davon würden dann alle Stromverbraucher profitieren. Die Kosten für Systemdienstleistungen im Stromnetzbetrieb beliefen sich nach Angaben der Bundesnetzagentur 2018 in Deutschland auf 1,8 Milliarden Euro.

    Die Kosten werden über die Netzentgelte auf alle Stromverbraucher umgelegt. Sollte der neue Ansatz der Übertragungsnetzbetreiber tatsächlich zu Einsparungen führen, würden die Netzentgelte dementsprechend für alle Stromverbraucher sinken.

    Um das System ans Laufen zu bringen, setzen die Initiatoren auf die Unterstützung der Regulierungsbehörden, mit denen sich die Unternehmen eng abstimmen wollen. Die Eintrittsbarrieren wollen sie so niedrig wie möglich halten. Die Initiatoren setzen sich dafür ein, dass die Präqualifizierung für die Erbringung von Systemdienstleistungen vereinfacht wird.

    Bislang muss für jede einzelne Anlage die technische Eignung nachgewiesen werden. Künftig soll es ausreichen, wenn Hersteller ihre Anlagentypen präqualifizieren, nicht jede einzelne Anlage selbst. Das soll dann möglichst nicht mehr nur für einen regionalen Markt, sondern gleich länderübergreifend gelten. Die Nutzung der „Equigy“-Plattform soll für Marktteilnehmer außerdem umsonst sein.

    Mehr: Strom-, Gas- und Telekommunikationsnetze, Kraftwerke und Flugverkehr müssen auch in der Coronakrise funktionieren. Die Betreiber haben ihre Notfallpläne bereits angepasst.

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