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Energie

Energiewende Ex-Kanzler Kurz will Österreich zum Wasserstoff-Vorreiter machen

Unternehmen wie OMV, Verbund und Voestalpine arbeiten bereits am industriellen Einsatz von Wasserstoff. Die Alpenrepublik will dabei Nummer eins in Europa werden.
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Der ehemalige österreichische Bundeskanzler hat das Thema Wasserstoff als Wahlkampfthema entdeckt. Quelle: Michael Appelt für Handelsblatt
Sebastian Kurz

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler hat das Thema Wasserstoff als Wahlkampfthema entdeckt.

(Foto: Michael Appelt für Handelsblatt)

Wien Österreichs Altbundeskanzler Sebastian Kurz hat vor den für September anstehenden Wahlen ein neues Thema auf seine Agenda gesetzt. Klimaschutz ersetzt den Dauerbrenner Migration. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Wasserstoff. Der 32-jährige Chef der konservativen ÖVP hatte zuletzt bereits seine Pläne für Wasserstoffautos auf Österreichs Straßen vorgestellt.

Im Falle eines Wahlsiegs will Kurz dafür tief in die Tasche greifen. Mit einer halben Milliarde Euro über ein Jahrzehnt will dann seine Regierung Unternehmen fördern, die an Wasserstoffantrieben arbeiten.

Außerdem sollen die mit Wasserstoff betrauten Unternehmen sich vernetzen. Zur Weiterentwicklung sollen Wissenschaftler nach Österreich geholt werden. Die Pläne sind populär, denn die Klimaerwärmung ist gerade für junge Wähler auch in der Alpenrepublik ein großes Thema.

Aus der Sicht seiner Kritiker sind die hochfliegenden Pläne von Kurz nur eine PR-Nummer. „Wasserstoff ist mehr eine Nebelgranate als eine echte Lösung“, kritisiert der Umweltsprecher der liberalen Neos, Michi Bernhard. Die Neos sind ein möglicher Koalitionspartner für die ÖVP zur Bildung einer Regierung in Österreich. „Wasserstoff ist nicht nur unsicher, sondern obendrein auch ineffizient. Der Wirkungsgrad im Auto ist sehr gering: es geht enorm viel Energie verloren“, sagte Bernhard.

Von der Kritik lässt sich im Mai entlassene Ex-Kanzler Kurz nicht beirren. Geht es nach dem ehemaligen Jura-Studenten, soll die Alpenrepublik die „Wasserstoff-Nation Nummer eins“ in ganz Europa werden. Nach seinen Plänen soll es bis 2025 überall in Österreich Wasserstoff-Tankstellen geben. Bislang bietet der teilstaatliche Ölkonzern OMV nur wenige derartige Tankstellen zwischen Bodensee und Neusiedler See an.

Unabhängig vom Wahlkampf prüfen der Stromkonzern Verbund und der Energiekonzern OMV eine elektrolytische Wasserstofferzeugung. In dieser Woche berichteten die CEOs beider Unternehmen, Wolfgang Anzengruber und Rainer Seele, von einer Absichtserklärung. Bei dem Verfahren wird der Strom dafür eingesetzt, Wasser elektrolytisch zu spalten.

Den so produzierten Wasserstoff will der Ölkonzern OMV beispielsweise auch für chemische Produktionsverfahren nutzen, um die Emissionen von Kohlendioxid in der österreichischen Raffinerie Schwechat bei Wien zu reduzieren. „Wasserstoff kann zweifelsohne einen Beitrag in der Mobilität leisten, um die Emissionen zu senken. Japan setzt bereits sehr deutlich auf diese Energie“, sagte Seele zuletzt dem Handelsblatt in Wien . „Wir bereiten uns vor, gemeinsam mit der Autoindustrie eine Alternative bieten zu können.“

Damit steht Seele nicht alleine da. In Österreich bereitetet sich eine ganze Reihe von Konzernen auf wasserstoff-getriebene Fahrzeuge längst vor. „Wir sind für die Zukunft gut gerüstet, sowohl für die traditionellen als auch für die neuen Antriebe bis hin zu Wasserstoff und Brennstoffzelle“, sagte Günther Apfalter, CEO des Autozulieferkonzerns Magna, dem Handelsblatt in Graz. Das Unternehmen betriebt Werke in 28 Ländern und arbeitet in Europa mit 64.000 Mitarbeitern in rund 120 Fabriken.

Förderung durch die EU

Im Gegensatz zum Optimismus des Wahlkämpfers Kurz sind die Konzernchefs aber nicht von einem schnellen Einsatz des Wasserstoffs bei Autos überzeugt. „So richtig nimmt Wasserstoff in Europa nicht Fahrt auf in der Mobilität“, sagte CEO Seele bei einem Pressegespräch in Wien. „Wasserstoff-Mobilität ist erst etwas, was wir in der übernächsten Dekade, also ab 2030, erleben werden“, prognostiziert der ehemaligen Wintershall-Chef.

In diesem Zusammenhang spielt der Preis für Kohlendioxid pro Tonne eine zentrale Rolle, damit sich der Wasserstoffeinsatz rechnet. Die Konzernchefs sind überzeugt, wenn der Preis für Kohlendioxid steigt, wird auch der Einsatz von Wasserstoff attraktiver.

Das Thema Wasserstoff kam bereits im April vergangenen Jahres auf die Agenda in Österreich. In Linz wurde auf dem Gelände des österreichischen Stahlkonzerns Voestalpine eine Pilotanlage zur Kohlendioxid-freien Wasserstoffherstellung gestartet.

Mit der 18 Millionen Euro teuren Anlage, die von der EU mit zwölf Millionen Euro finanziell gefördert wird, will der Konzern den Einsatz von Wasserstoff für die Stahlerzeugung erforschen. An der Pilotanlage sind neben Voestalpine auch Siemens und der Verbund beteiligt. Mit der Wasserstoffelektrolyse-Anlage können nach Unternehmensgaben 1200 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde hergestellt werden.

Siemens-Österreich-Chef Wolfgang Hesoun sagte bei der Vorstellung der von Siemens entwickelten Anlage in Linz. „Bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff wird ein Rekordwirkungsgrad von 80 Prozent angestrebt.“ Der dafür notwendige Strom wird laut Verbund aus erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft gewonnen. Der Konzern spricht in diesem Zusammenhang gerne von „grünem Wasserstoff“.

Bis der Wasserstoff das Industriegas im industriellen Betrieb ersetzen kann, wird es allerdings noch dauern. Der kürzlich ausgeschiedene Voestalpine-Chef Wolfgang Eder prognostizierte den großen Durchbruch nicht in den nächsten Jahren.

Wasserstoff ist ein attraktiver Energieträger, aber noch weit weg von der großtechnischen Anwendung“, sagte der Manager dem Handelsblatt. „Ich erwarte, dass wir bis 2040 auch auf Basis von Wasserstoff unsere Emissionen weiter reduzieren werden. Sehr langfristig sollten wir es schaffen, auf 20 bis 30 Prozent unserer heutigen CO2-Emissionen herunterzukommen“, sagte Eder.

Mehr: Mobilität der Zukunft – Wasserstoff könnte die Verkehrswende günstiger machen.

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3 Kommentare zu "Energiewende: Ex-Kanzler Kurz will Österreich zum Wasserstoff-Vorreiter machen"

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  • Ob man aus Elektrischer Energie Chemische Energie rentabel herstellen kann, das ist fraglich. Ob man eine Elektrolyse bei Bedarf einfach diskontinuierlich betreiben kann, das ist auch fraglich. Es gab schon einmal eine Zeit, die unter dem Schlagwort "too cheap to meter" plante.

  • Gratulation Herr Kurz, es ist wichtig neue Energien zum Einsatz zu bringen- die Politik steuert, damit die Wirtschaft Rudern kann. Die neueste der Erneuerbaren Energien heisst Neutrino-Energy und wird zudem einen Systemwandel zur DEZENTRALEN und MOBILEN HAUSHALTSENERGIE-VERSORGUNG und unendlichen ELEKTROMOBILITÄT bewegen.Die NEUTRINO ENERGY Group testet ein Gerät zur Gewinnung von sauberem Strom aus kosmischer Strahlung. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen NEUTRINO ENERGY Group hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Das sollten wir jetzt in den Markt Lotsen.

  • Der grosse Vorteil von Wasserstoff ist seine Funktion als Energie-Speicher. Er kann aus
    nicht genutztem Strom produziert werden und laesst sich aufgrund der hohen Energie-
    Dichte leicht lagern und produzieren. Ein Wasserstoff-Tank wiegt im Auto nur einen Bruch-
    teil der Batterien mit gleichem Energie-Vorrat und er laesst sich - wie fluessiger Treib-
    stoff - in Minuten aufladen. Die Japaner und Koreaner haben das erkannt.

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