Energie

Energiewende Grüner Strom direkt vom Erzeuger – Windenergiebranche will Direktvertrieb bei EEG-Anlagen

Windradbetreiber können ihren Strom derzeit nur sehr eingeschränkt direkt vermarkten. Die Branche will das ändern. Die Politik prüft das Anliegen wohlwollend.
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Die Silhouette eines Windrades vor einem farbenprächtigen Himmel: Erneuerbare Energien sollen in Zukunft besser vermarktet werden. Quelle: dpa
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Die Silhouette eines Windrades vor einem farbenprächtigen Himmel: Erneuerbare Energien sollen in Zukunft besser vermarktet werden.

(Foto: dpa)

BerlinFür jeden Bio-Landwirt ist der Direktvertrieb eine schöne Einnahmequelle: Der Kunde kommt persönlich in den Hofladen, kauft Milch, Eier oder Fleisch bei „seinem“ Bauern – und ist bereit, dafür ein paar Euro mehr zu bezahlen als im Supermarkt.

Den Betreibern von Windrädern oder Photovoltaikanlagen ist dieser Vertriebsweg versperrt. Anlagen, die nach den Regeln des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) betrieben werden, liefern ihren Strom an die Börse. Dort vermischt er sich mit Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken. Am Ende kommt beim Letztverbraucher kein „grüner“, sondern nur „grauer“ Strom an. Das gilt auch bei der sogenannten Direktvermarktung nach dem EEG: Am Ende wird der Strom vermischt.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) will das ändern und propagiert daher sein „Marktentwicklungsmodell“: Die Anlagenbetreiber sollen die Möglichkeit haben, ihren Strom direkt an ein Unternehmen zu verkaufen und zu liefern.

Dank der Digitalisierung ist es heute kein Problem mehr, über mehrere Bilanzkreise hinweg die CO2-Freiheit einer Stromlieferung zu belegen“, sagt BWE-Präsident Hermann Albers. „In der Industrie gibt es großes Interesse, direkt grünen Strom zu beziehen. Diesem Wunsch sollte die Politik Rechnung tragen“, sagt Albers. Es gehe darum, mit dem Marktentwicklungsmodell eine Brücke zu bauen „für Anlagen, die dem EEG unterliegen, sich auf den Markt vorzubereiten“, so der Verbandspräsident.

„Alle reden derzeit über Direktabnahme-Verträge, aber diese Verträge sind nur für Altanlagen, bei denen die EEG-Förderung ausgelaufen ist, interessant. Mit längeren Vertragslaufzeit kann dies auch für Neuanlagen eine Rolle spielen. Für die EEG-Anlagen brauchen wir eine eigene Lösung“, sagt Albers.

Neue Argumente liefert den Befürwortern des Modells eine dem Handelsblatt vorliegende Studie von ewi Energy Research & Scenarios. Darin heißt es, das Modell schaffe für Stromverbraucher eine Möglichkeit, ihre Präferenz für grünen Strom zum Ausdruck zu bringen und diesen zu beziehen.

Diese Präferenz spiegele eine höhere Zahlungsbereitschaft der Abnehmer wider und ermögliche den Betreibern, ihren Strom besser zu vermarkten. Entscheidend aus Sicht der Stromverbraucher, die keine direkten Abnahmeverträge schließen wollen oder können: „Das EEG-Konto wird kostenseitig nicht zusätzlich belastet; es kann sogar zu Entlastungen kommen“, heißt es in der Studie.

Durch den bilateralen Vertrag habe der Abnehmer „einen Anreiz, seinen Verbrauch auf das Erzeugungsprofil der Anlage abzustimmen“. Die erhöhte Sichtbarkeit der volatilen Erzeugung setze Anreize, um in Flexibilitätsoptionen zu investieren, heißt es in der Studie.

In Auftrag gegeben hat die Studie die Arge Netz. Das Unternehmen gehört zu den größten deutschen Unternehmensgruppen für die erneuerbare Energieerzeugung und hat mehr als 350 Gesellschafter. Die Arge Netz treibt das Thema Marktentwicklungsmodell bereits seit einiger Zeit gemeinsam mit dem BWE voran.

In der Großen Koalition trifft die Branche auf offene Ohren. Das Marktentwicklungsmodell sei zu begrüßen, sagte Johann Saathoff, energiepolitischer Koordinator der SPD-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. Allerdings gehe es im Moment darum, „erstmal die Pflicht abzuarbeiten, danach können wir uns der Kür widmen“, sagte der SPD-Politiker.

Tatsächlich ist die Große Koalition mit der Umsetzung energiepolitischer Zusagen aus dem Koalitionsvertrag in Verzug. So wartet die Erneuerbaren-Branche seit Monaten auf die versprochenen Sonderausschreibungen für Windräder und Photovoltaikanlagen. Nach Informationen des Handelsblattes aus Regierungskreisen steht das Thema auf der Tagesordnung des Koalitionsausschusses am kommenden Montag.

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