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Energie

Energiewende Ökostrom schnellt auf Rekordhoch – wie lange halten die Netze mit?

Im ersten Halbjahr deckten Wind-, Solar- und andere erneuerbare Energien 44 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland. Aber das Netz hat Probleme, beim Boom mitzuhalten.
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Noch nie wurde so viel Ökostrom in Deutschland verbraucht wie in den ersten Monaten des Jahres 2019.  Quelle: dpa
Windräder

Noch nie wurde so viel Ökostrom in Deutschland verbraucht wie in den ersten Monaten des Jahres 2019. 

(Foto: dpa)

Düsseldorf Im ersten Halbjahr haben die erneuerbaren Energien in Deutschland einen Rekord geknackt. Sonne, Wind und andere regenerative Quellen deckten 44 Prozent des Stromverbrauchs. Das haben vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ergeben.

Ein sprunghafter Anstieg – im ersten Halbjahr des Vorjahres waren es noch 39 Prozent. Aber lässt sich dieses hohe Tempo auch halten? Branchenvertreter sind skeptisch und fordern bessere Rahmenbedingungen.

„Der Ökostrom-Rekord ist eine erfreuliche Momentaufnahme, darf aber nicht über die tieferliegenden strukturellen Probleme hinwegtäuschen: Bei einem ‚Weiter-so‘ landen wir 2030 bei lediglich 54 Prozent erneuerbare Energien“, warnte Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des BDEW, am heutigen Mittwoch in Berlin.

Vor allem das Stromnetz muss mithalten können. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion forderte deshalb bereits am Dienstag einen Masterplan für den Strom- und Gasmarkt. „Es reicht nicht aus, die erneuerbaren Energien nur an das Netz anzuschließen“, sagte Klaus Kleinekorte, technischer Geschäftsführer von Amprion.

Die erneuerbaren Energien, deren Anteil zunehmend steigt, müssten auch in das Energiesystem integriert werden. „Es geht doch in erster Linie darum, CO2 zu reduzieren. Dazu müssen wir aus dem Silo-Denken heraus. Es geht um das Energiesystem. Wir müssen daher die Sektorenkopplung möglich machen, aber auch über das Marktdesign nachdenken“, erklärt Hans-Jürgen Brick, Finanzchef von Amprion. 

Dazu seien innovative Konzepte und Technologien wie etwa Power-to-Gas notwendig. Dabei wird grüner Strom, wenn er aktuell nicht gebraucht wird, in Gas umgewandelt, um ihn speichern zu können. Sowohl die Bundesregierung als auch die EU-Kommission fördern diese Wasserstofftechnologie.

Der Fokus liegt dabei aber weiterhin eher auf Forschungs- und Pilotprojekten. Bis die vielversprechende Technologie marktreif ist, braucht es noch eine Weile – Experten rechnen mit zehn bis 15 Jahren.  

Das schwankende Angebot von Wind- und Solarstrom stellt die Netzbetreiber zunehmend vor Probleme. Bislang müssen die Netzbetreiber Windräder und Solaranlagen abregeln, wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt. Im vergangenen Jahr kostete das die Stromkunden 1,4 Milliarden Euro. Mit der Power-to-Gas-Technologie und anderen innovativen Speichermöglichkeiten könnte das verringert werden.

„Damit diese Technologie ihre volle Wirkung entfalten kann, brauchen wir mittelfristig einen gemeinsamen Masterplan für das Strom- und Gasnetz“, sagte Kleinekorte. Bislang liefen die Planungen in diesen Sektoren getrennt voneinander. Ein gemeinsam entwickelter Szenariorahmen über die Sektorengrenzen hinweg sei hierfür der erste Schritt.

BDEW-Hauptgeschäftsführer Kapferer wird sich selbst demnächst an vorderster Front um den Netzausbau kümmern. Er übernimmt zum Jahreswechsel die Führung von 50Hertz. Das Unternehmen ist neben Amprion, Tennet und TransnetBW für das Übertragungsnetz in Deutschland zuständig und für die Leitungen im Osten verantwortlich. Kapferers Wechsel wurde am Mittwoch bekanntgegeben.

Experten fordern Abschaffung des Förderdeckels

Aber auch der BDEW-Chef sieht Probleme beim Ausbau erneuerbarer Energien. „Um das für den Klimaschutz notwendige 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung zu erreichen, müssen wir bestehende Hemmnisse aus dem Weg räumen: Dazu zählen die Flächenbeschränkungen für Photovoltaik- und Windkraftanlagen an Land sowie die Ausbau-Deckel für Offshore-Wind und Photovoltaik außerhalb des Ausschreibungsregimes“, sagte Kapferer.

Experten fordern außerdem die Abschaffung des Förderdeckels für Solaranlagen. Der soll die staatlich garantierte Vergütung von Photovoltaikanlagen ab einer installierten Kapazität von 52 Gigawatt (GW) eigentlich beenden – aktuell sind Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von etwas über 45 GW in Deutschland installiert.

Im ersten Halbjahr war die Windkraft mit 55,8 Milliarden Kilowattstunden erneut die wichtigste Ökostromquelle. Die Produktion von Windstrom stieg um 18 Prozent. Dabei profitierten die Anlagenbetreiber nach Angaben des BDEW von „außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen“. Im März habe es einen Windrekord gegeben, aber auch in den übrigen Monaten hätten die Winderträge durchgängig über den langjährigen Durchschnittswerten gelegen.

Auch die Photovoltaikanlagen erreichten mit 24 Milliarden Kilowattstunden einen neuen Spitzenwert. Der überaus sonnige Juni bescherte der Solarkraft vier Prozent mehr Ertrag als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt trägt Sonnenenergie so acht Prozent zum Gesamtstrommix in Deutschland bei. Die sonstigen erneuerbaren Energien, wozu vor allem Biomasse und Wasserkraft zählen, steuerten 36,7 Milliarden Kilowattstunden bei.

„Wir brauchen dringend einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz in allen Sektoren, um das Klimaschutzziel 2030 zu erreichen“, forderte Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW: „Dazu sollten wir die politischen Rahmenbedingungen anpassen. Infrage kommt dafür ein CO2-bezogener Zuschlag auf die Preise für fossile Energien, der den Verbrauchern auf anderen Wegen zurückgegeben wird.“

Mehr: Ob Energiewende, E-Mobilität oder Gentechnik: In vielen Politikfeldern bewegen sich die Grünen und die Wirtschaft aufeinander zu. Hier lesen Sie, wie die Wirtschaft mit einer Regierung der Ökopartei zurechtkäme

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2 Kommentare zu "Energiewende: Ökostrom schnellt auf Rekordhoch – wie lange halten die Netze mit?"

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  • "Im ersten Halbjahr haben die erneuerbaren Energien in Deutschland einen Rekord geknackt. Sonne, Wind und andere regenerative Quellen deckten 44 Prozent des Stromverbrauchs." Das sind die richtigen Tendezen. Die Erneuerbarste der Erneuerbaren heisst Neutrino-Energy und wird zudem einen Systemwechsel mit sich bringen, der uns hilft Kosten zu sparen und effizient Energie zu nutzen. Anstelle Verteilung aus dem Grosskraftwerk, wird sich eine neue Dezentrale und Mobile Haushaltsversorgung etablieren. Holger Thorsten Schubart, CEO des deutsch-amerikanische Forschungsunternehmen NEUTRINO ENERGY Group hat die Entwicklung eines innovativen High-Tech-Materials auf Basis einer Vielzahl von dotiertem Kohlenstoff und Silizium zum Abschluss gebracht, mit dem ein Teil der kinetischen Energie von Partikeln des unsichtbaren Strahlungsspektrums in Elektrizität umgewandelt wird. Derzeit werden die ersten industriellen Muster des sogenannten NEUTRINO POWER CUBE, eines Geräts, das saubere Energie liefert, in Deutschland unter Laborbedingungen getestet. Neutrinos, hochenergetische Teilchen, die als Teil der kosmischen Strahlung des unsichtbaren Spektrums kontinuierlich auf die Erde treffen, sind nach jüngsten Untersuchungen eine unerschöpfliche Energiequelle. "Der Energieerhaltungssatz funktioniert. ", sagt der Physiker Professor Strauss, ein ehemaliger Forscher am Massachusetts Institute of Technology, USA, und Mitglied des wissenschaftlichen Rates der NEUTRINO ENERGY Group. https://www.berliner-zeitung.de/ratgeber/sote/sauberer-strom-holger-thorsten-schubart-und-neutrino-energy-group--32650742#

  • Lügen werden nicht wahr, bloß weil man sie permanent wiederholt. Wenn ich mir die Charts der Bundesnetzagentur oder auch Agora-Energiewende für die letzten 12 Monate ansehe sind wir von den Traumwerten die hier probagiert werden im Schnitt mindestens 20 % entfernt. Was dann von den restlichen 20 + Prozent wirklich beim Verbraucher ankommt ist wieder eine andere Geschichte. Dazu kommt daß die gesamten Erneuerbaren noch nicht einmal 4 % unseres Energiebedarfes decken für mehr als 30 Milliarden zusätzliche Kosten.
    Das ist doch ein Boom!

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