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Energie

Energiewende Ökostrom soll zu Gas werden – Netzbetreiber planen 100-MW-Anlage

Netzbetreiber wollen Ökostrom massenhaft speichern. Die Umwandlung zu Gas könnte für die Energiewende den Durchbruch bringen.
6 Kommentare
Ökostrom soll zu Gas werden – Netzbetreiber planen 100-MW-Anlage Quelle: obs
Windpark Borkum

Erneuerbare Energien lassen sich nur wetterabhängig ins Netz einspeisen und sind daher nicht immer verfügbar.

(Foto: obs)

HannoverDie Netzbetreiber Tennet, Gasunie und Thyssengas wollen die Speicherung von erneuerbaren Energien in Gasnetzen vorantreiben. Zur großindustriellen Nutzung der sogenannten Power-to-Gas-Technologie („Strom zu Gas“) wollen sie daher eine 100 Megawatt starke Anlage in Ostfriesland bauen, wie eine Tennet-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Bei dieser Technik wird Ökostrom genutzt, um Wasserstoff oder Methangas zu erzeugen. Beides lässt sich – anders als Strom – flexibel transportieren und speichern. Damit macht es einen Nachteil der erneuerbaren Energien wett. Denn diese sind wetterabhängig bei der Einspeisung ins Netz und damit nicht immer verfügbar.

Die Pilotanlage soll 2022 mit einem ersten Modul starten, danach soll bis 2028 jedes zweite Jahr ein neues Modul hinzukommen. Einsatzmöglichkeiten sind als Kraftstoff im Verkehr, als Brennstoff zur Erzeugung von Wärme und Strom oder als Grundstoff in der Industrie denkbar. Als Standorte kommen die Stadt Weener sowie die Gemeinde Wiefelstede in Betracht. Dort gibt es Tennet-Umspannwerke, die vor allem Offshore-Windstrom aus der Nordsee bündeln und weiterverteilen.

Mit dem Pilotprojekt wollen die Unternehmen erste Erfahrungen mit derartigen Anlagen im industriellen Maßstab sammeln. Die geplanten Investitionen des jüngsten Projekts lägen im niedrigen dreistelligen Millionen-Bereich, teilte die Tennet-Sprecherin mit. Die Unternehmen sind nach den Angaben bereits auf kommunaler und Landesebene in Gesprächen mit den Behörden.

Hintergrund sind auch Akzeptanzprobleme in der Öffentlichkeit für einen weiteren Netzausbau – denn Gas könnte über die bestehenden Leitungen transportiert werden. „Wenn wir große Mengen an erneuerbarem Strom speichern können, entlasten wir das Stromnetz“, sagte Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman. „Mehr Speicherung von grünem Strom bedeutet für die Zeit nach 2030 auch weniger zusätzlichen Netzausbau.“

Theoretisch stünde das gesamte deutsche Gasnetz von rund 400.000 Kilometern Leitung mit zahlreichen unterirdischen Gasspeichern für den Transport des Gases bereit. Bessere Speichermöglichkeiten sind eine wichtige Voraussetzung für die Verbindung von Strom, Wärme und Verkehr – die sogenannte Sektorenkopplung im Energiebereich. So sollen künftig auch Wasserstoff-Tankstellen für die Mobilität entsprechender Fahrzeuge und der Industriebereich beliefert werden.

Nach Angaben der Organisatoren des jüngsten Projekts wurde die Umwandlung von Ökostrom in „grünes“ Gas in dieser Größenordnung bisher noch nicht in Angriff genommen. Insgesamt sind in Deutschland jedoch knapp drei Dutzend Projekte bekannt, die sich in unterschiedlichen Ansätzen mit der Produktion von Kraftstoff auf der Basis von Ökostrom befassen.

Die Volkswagen-Tochter Audi etwa betreibt im Emsland bei Werlte bereits eine „Power to Gas“-Anlage, mit deren Produktion 1500 Autos klimaneutral fahren können. Die Gasunie Deutschland Transport Services mit Sitz in Hannover ist verantwortlich für Management, Betrieb und Ausbau eines rund 3800 Kilometer langen Fernleitungsnetzes in Norddeutschland.

Bei der Thyssengas mit Sitz in Dortmund handelt es sich um einen konzernunabhängigen Gasnetzbetreiber, der ein rund 4000 Kilometer langes Gastransportnetz unterhält. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet versorgt mit 23.000 Kilometer langen Hochspannungsleitungen rund 41 Millionen Endverbraucher in Deutschland und den Niederlanden.

Handelsblatt Energie Briefing
  • dpa
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6 Kommentare zu "Energiewende: Ökostrom soll zu Gas werden – Netzbetreiber planen 100-MW-Anlage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Jürgen Hübner
    Wer spricht denn von 5 Stufen. Schon die 2. Stufe stellt H2 für die Industrie und Brennstoffzellenautos, wenn es die einmal wirklich geben sollte, zur Verfügung. Bei der 3. Stufe, der Methansynthese sollte man versuchen die dabei entstehende Abwärme zu verwerten. Das CO2 für die Methansynthese gibt es in jedem Zementwerk
    im Überfluß, auch nach dem Kohleausstieg.

  • Bei mind. 5 Stufen der Energiewandlung (Wind zu Strom, Strom zu H2+O2, Methansynthese, Gasturbine, Strom) bleibt zum Schluß nicht mehr viel Energie übrig. Man sollte einmal über den 3. Hauptsatz der Thermodynamik nachdenken, anstelle derartigen technischen Unfug, der nur mit Fördermitteln wirtschaftlich funktioniert in die Welt zu setzen. Auch wenn der Windstrom angeblich kostenlos von der Natur bereitgestellt wird.

  • Die Speicherung ist und bleibt das grosse Problem der elektrischen Energie. Ausserdem wird
    (von Laien) das Tranportproblem weit unterschuetzt. 100 MW sind weniger als 5 % eines
    Kernkraftwerks von dem wir eine Reihe im Begriff sind abzuschalten. Ein Tropfen auf den
    heissen Stein.

  • Ich kann das dauernde Rumgemeckere und die Pingeligkeit nicht verstehen. Was zählt ist doch, mit innovativen Techniken die Zukunft zu gestalten. Und wenn dann noch bisherige Technologien (Gasturbinen) und vorhandene Infrastruktur (Piplinenetz) sinnvoll mit einbezogen werden - dann ist es doch prima. Vorausgesetzt natürlich, dass der Wirkungsgrad stimmt und die Energie nicht andersweitig sinnvolle bzw. effizienter eingesetzt werden kann. Ist doch allemal besser, als Wälder zu Tagebauen umzupflügen oder tausende von Kilometern Leitungen zu verlegen...

  • Der Weg ist der richtige. Natürlich ist elektrische Energie nicht mit der Energie der chemischen Bindung gleichzusetzen aber ein großes Problem des regenerativen Energien ist, dass sie oft mehr Energie erzeugen als notwendig und diese überschüssige Energie überhaupt nicht genutzt werden kann für Engpässe. Das Strom zu Gas verfahren kann daher sehr gut zum Kapazitätslastenausgleich zwischen Angebot und Nachfrage dienen. Ich empfehle dringend diese Technik weiter auszubauen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Dipl.-Ing.Christian Faust

  • Diese Gleichsetzung von elektrischer Energie und chemischer Energie ist verwunderlich. Man sollte sachkundige Journalisten solche Artikel schreiben lassen.

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