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Energiewende Warum Erdgas allein keine Alternative zur Kohle ist

Eine Studie rechnet vor, dass Gaskraftwerke die Braunkohle vollständig ersetzen könnten. Dabei gibt es deutlich billigere Methoden, Emissionen einzusparen.
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Das Kohlekraftwerk Voerde von Steag in Nordrhein-Westfalen ist bereits abgestellt. Quelle: dpa
Energieversorger Steag

Das Kohlekraftwerk Voerde von Steag in Nordrhein-Westfalen ist bereits abgestellt.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIn den vergangenen Jahren sind immer mehr Kohlekraftwerke vom Netz gegangen, weil der Markt zunehmend mit erneuerbaren Energien geflutet wurde. Der Energiekonzern Steag allein musste bereits drei komplette Kraftwerke schließen. Auch deswegen plant das Essener Unternehmen den Bau eines neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks in Herne.

So will sich der Konzern für das Post-Kohle-Zeitalter wappnen. Spätestens 2022 soll das neue Gaskraftwerk laufen. Das alte Steinkohlekraftwerk werde dann nur noch bei Bedarf hochgefahren. Dabei spielten natürlich auch die geringeren Emissionen eine große Rolle, sagte ein Sprecher des Unternehmens dem Handelsblatt.

Verglichen mit einem Stein- oder Braunkohlekraftwerk, verursacht ein Gaskraftwerk bis zu 30 Prozent weniger CO2-Emissionen pro Kilowattstunde (kWh). Noch steht Kohle in Deutschland allerdings für knapp 40 Prozent der Stromerzeugung. Gleichzeitig ist es der wichtigste Garant für eine sichere Versorgung, wenn Wind und Sonne aufgrund des Wetters kaum einen Beitrag zur Stromerzeugung leisten können.

Ohne Kohlekraftwerke ließe sich in diesen Zeiten keine sichere Stromversorgung garantieren – so die Argumentation der Industrie. Eine neue Studie des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen widerspricht dem nun. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Braunkohlekraftwerke durch die bestehenden Gaskraftwerke ersetzt werden könnten, ohne die Stromversorgung zu gefährden.

Besser noch: Durch den Ersatz der Braunkohleverstromung mithilfe von Gaskraftwerke ab 2020 würden den Ergebnissen der Studie zufolge jährlich etwa 70 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Das wäre immerhin fast die Hälfte der Menge, die laut dem Plan der Bundesregierung bis 2030 von der Energiebranche eingespart werden sollen.

Klimafreundliches Gas

Die Autoren wollen mit ihrer Studie keinen real gangbaren Weg vorschlagen, sondern deutlich machen, welchen Beitrag Gas zur Energiewende leisten könnte. Nach Meinung des Energieexperten Hanns Koenig, Projektleiter bei Aurora Energy Research, verfehlt die Rechnung der RWTH Aachen im Auftrag des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs (DVGW) allerdings einen wichtigen Punkt: „Nach dem Atomausstieg 2023 wären wir ohne Kohlekraft nicht mehr in der Lage, im Winter, an Tagen, an denen die Erneuerbaren weniger Strom liefern, unsere Spitzenlast zu decken.“

Dann gehe zwar nicht zwangsläufig das Licht aus, denn der fehlende Strom könnte importiert oder durch Reservekraftwerke bereitgestellt werden. „Aber das ist ein wesentlicher Punkt, der in der Studie nicht berücksichtigt wird“, sagt Koenig.

Hinzu kommt, dass Erdgas in der Erzeugung teurer ist als Braunkohle. Hier fallen laut der Studie Mehrkosten in Höhe von 3,6 Milliarden Euro an. Dabei gebe es deutlich billigere Methoden, CO2 einzusparen. Beispielsweise durch die Verlagerung des zunehmenden Güterverkehrs von der Straße, auf Schienen- und Schiffstransport.

Mit der Studie will der Verband Erdgas offenbar als umweltschonende Ergänzung zu den erneuerbaren Energien etablieren. Unter demselben Argument verfolgt die Gasindustrie auch die sogenannte „Power to Gas“-Initiative. Das Verfahren basiert auf Elektrolyse: An sonnenreichen Tagen wird viel Energie produziert – oft mehr, als gerade gebraucht wird. Die Idee ist, den überschüssigen Ökostrom in Wasserstoff bzw. Methan umzuwandeln. Diese erneuerbaren Gase können dann in den verschiedenen Anwendungsbereichen genutzt werden, zum Beispiel für Wärme oder Fahrzeuge.

Das Verfahren kostet aktuell allerdings mehr, als es einbringt. „Power to Gas ist aus ökonomischer Sicht schwierig. Der Vorgang der Elektrolyse und die Methanisierung, die dafür nötig ist, ist derzeit sehr teuer“, sagt Energieexperte Koenig. Er wolle aber auch nicht ausschließen, dass das Verfahren günstiger wird, dann sei es auch eine sinnvolle Sache. „Aber da sind wir noch lange nicht“, meint Koenig.

Nach der jährlichen Energieprognose des Mineralölkonzerns Exxon Mobil wird Erdgas ab 2030 der wichtigste Energieträger in Deutschland sein. Aber „erst wenn der Kohleausstieg tatsächlich kommt, wird die Auslastung der Gaskraftwerke signifikant steigen“, sagt Koenig.

Und das kann auch mit der neu eingesetzten Kohlekommission der Bundesregierung noch einige Jahre dauern. Solange will auch der Energieversorger Steag sein Steinkohlekraftwerk in Herne noch laufen lassen.

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  • Bitte um Link zur zitierten Studie. Danke!

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