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Energie

Energiewirtschaft Eon-Chef Teyssen rechnet mit vertiefter Prüfung der Innogy-Übernahme

Die EU-Kommission hat das Tauschgeschäft mit RWE schon teilweise gebilligt, doch Eon würde damit zu einem der größten Versorger Europas werden – und muss mit harten Auflagen rechnen.
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Der Eon-Chef rechnet, dass das Tauschgeschäft zwischen Eon und RWE erst im Sommer abgeschlossen werden kann. Quelle: Bloomberg
Johannes Teyssen

Der Eon-Chef rechnet, dass das Tauschgeschäft zwischen Eon und RWE erst im Sommer abgeschlossen werden kann.

(Foto: Bloomberg)

DüsseldorfAm Dienstag durfte sich RWE-Chef Rolf Martin Schmitz freuen. Er erhielt für seinen Teil des milliardenschweren Tauschgeschäft mit Eon die nötigen Genehmigungen. Sowohl die EU-Kommission als auch das Bundeskartellamt erteilten die Freigabe – und zwar ohne Auflagen.

Auch für Eon-Chef Johannes Teyssen war das eine gute Nachricht: „Wir freuen uns über jeden Meter, den wir hinter uns haben“, sagte er jetzt vor Journalisten. Gleichzeitig weiß Teyssen, dass er selbst noch längst nicht am Ziel ist: „Bei unserem Verfahren rechnen wir nicht damit, dass es vor dem Sommer durch sein kann“, sagte er vor Journalisten. Er stellt sich vielmehr auf eine vertiefte Prüfung durch die Kommission ein: „Das geht so sicher wie das Amen in der Kirche in Phase zwei.“

Bis zum 7. März muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie nach der ersten Prüfung (Phase 1) in eine intensive Prüfung (Phase 2) einsteigt. Eons Teil der Transaktion ist wesentlich komplexer als der von RWE, er betrifft wesentlich mehr Märkte und Aktivitäten. Eine so komplexe Transaktion werde immer erst in Phase 2 entschieden, sagte Teyssen.   

Schmitz und Teyssen hatten vor bald einem Jahr die Öffentlichkeit mit ihrem spektakulären Plan überrascht, der die Energiewirtschaft speziell in Deutschland neu ordnen wird und vor allem die Zerschlagung von Innogy bedeutet.

Eon will das Kerngeschäft der Innogy SE, die im Herbst 2016 von RWE an die Börse gebracht wurde und die noch zu knapp 77 Prozent dem Konzern gehört: Netze und Vertrieb. RWE soll die erneuerbaren Energien von Innogy bekommen, aber auch die von Eon. Zudem soll RWE 1,5 Milliarden Euro und eine Beteiligung an Eon von 16,7 Prozent erhalten.

RWE will nach der Transaktion wieder die komplette Palette der Stromerzeugung abdecken: Also neben Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken auch wieder Windräder und Solaranlagen betreiben. Die EU-Kommission hat dagegen auch keine Bedenken. Die Prüfung des Einstiegs bei Eon fiel in die Zuständigkeit des Bundeskartellamts, das aber auch keine „kartellrechtlichen Einwände“ erhob.  

Eons Teil des Geschäfts dagegen ist wesentlich komplexer. Der Konzern würde zu einem der größten Versorger Europas aufsteigen, der rund 50 Millionen Kunden versorgt und mehr als 1,5 Millionen Kilometer an Strom- und Gasnetzen betreibt. In einzelnen Märkten erlangt Eon eine so starke Marktstellung, dass die Abgabe von einzelnen Aktivitäten zu erwarten ist, beispielsweise in der Slowakei. Das wäre für Eon zu verschmerzen.

Mit Spannung wird aber erwartet, wie die EU-Kommission die Marktmacht der neuen Eon in Deutschland betrachtet. Der Konzern würde hier 12,5 Millionen Strom- und 2,1 Millionen Gaskunden versorgen und in großen Teilen Deutschlands das Verteilnetz betreiben. Eon argumentiert, dass das Netzgeschäft reguliert ist und der Marktanteil im Vertrieb mit rund einem Fünftel nicht marktbeherrschend sei.

Teyssen wollte sich nicht näher zu den Gesprächen mit der EU-Kommission äußern. „Wir vertrauen den Behörden und arbeiten offen und konstruktiv zusammen“, sagte er lediglich. Eon selbst sei aber fest der Überzeugung, dass mit Blick auf den deutschen Markt der Wettbewerb nicht gefährdet sei. Das Netzgeschäft sei reguliert – und im Vertrieb kämen Eon und Innogy nur auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

In der Einschätzung wird Teyssen zwar von einflussreichen Kartellrechtsexperten gestützt, zahlreiche Konkurrenten haben sich aber gegen die Fusion positioniert – unter anderem der Ökostromanbieter Lichtblick und mehrere Stadtwerke. Zuletzt äußerte sich der überregionale Stromanbieter Lekker Energie, der rund 320.000 Kunden versorgt, kritisch: Würde das Vorhaben so genehmigt, stünde zu befürchten, dass die neue Eon ihre Vertriebsmacht ausnutzen könnte, „um den Markt zu Lasten von Verbrauchern und kleinen Energieunternehmen einzuschränken“.

„21 Jahre nach der Liberalisierung des Energiemarktes in Deutschland wäre dies ein herber Rückschlag für den Wettbewerb“, sagt Josef Thomas Sepp, Sprecher der Geschäftsführung von Lekker Energie. „Sollten die EU-Kommission und das Bundeskartellamt dem geplanten Vorhaben zustimmen, müssten wegen der drohenden Marktmacht mindestens die Beteiligungen an den überregionalen Marken Eprimo und E wie einfach auf dem Prüfstand stehen.“ Eprimo ist die überregionale Billigmarke von Innogy, „E wie einfach“ die von Eon.

Die Lekker Energie GmbH verwies auf ihre eigene Historie. Das Unternehmen geht auf die damalige Deutschland-Tochter des niederländischen Versorgers Nuon zurück. Als Nuon 2009 vom schwedischen Vattenfall-Konzern übernommen wurde, musste Vattenfall die damalige Nuon Deutschland GmbH mit ihren Berliner und Hamburger Haushaltskunden an einen dritten Wettbewerber veräußern. Nuon Deutschland firmierte später in Lekker Energie um und gehört heute den Stadtwerken Krefeld.

Die EU-Kommission hatte die Abgabe damals mit der marktbeherrschenden Stellung von Vattenfall in den regionalen Märkten Berlin und Hamburg begründet. Genau diese Argumentation führen auch heute die Kritiker des Deals an. Während Eon auf den Marktanteil in Deutschland verweist, betrachten sie die regionalen Märkte, wo die neue Eon in weiten Teile Deutschlands auf eine marktbeherrschende Stellung komme. „Was damals Recht war, muss auch heute gelten“, sagt Lekker-Energie-Chef Josef Thomas Sepp.

Teyssen weist die Argumentation aber zurück: „Es gibt keine Postleitzahl, unter der die Kunden nicht unter 100 Angeboten auswählen können.“

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