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Energie

Energiewirtschaft Mario Mehren steht mit Wintershall vor einem Börsengang mit Hindernissen

Der Wintershall-Dea-Chef muss den IPO des Öl- und Gasunternehmens zum Erfolg machen. Angesichts schwacher Ergebnisse und der Klimadebatte dürfte das schwierig werden.
23.11.2020 - 17:23 Uhr Kommentieren
Der Diplom-Kaufmann arbeitet seit 2006 für Wintershall. Quelle: Wintershall
Mario Mehren

Der Diplom-Kaufmann arbeitet seit 2006 für Wintershall.

(Foto: Wintershall)

Düsseldorf Als Chef des einzigen deutschen Öl- und Gasförderers ist sich Mario Mehren der Kritik und Skepsis von Umwelt- und Klimaschützern natürlich bewusst. Als der CEO von Wintershall Dea am Montag Klimaziele für sein Unternehmen verkündete, versuchte er deshalb erst gar nicht, falsche Erwartungen zu wecken. „Wir sind realistisch. Die bei unserer Arbeit freigesetzten CO2-Mengen sind gemessen an den CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von Erdöl und Erdgas entstehen, gering“, sagte der 50-Jährige.

Wintershall will bis 2030 klimaneutral werden – aber nur, was die Emissionen aus der eigenen Betriebstätigkeit und den eigenen Energieverbrauch angeht. Natürlich hält der Konzern an seinem Geschäftsmodell fest, der Suche und Förderung von Öl und Gas. Aber immerhin 400 Millionen Euro will Wintershall Dea investieren – und 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Mehren ist nicht der erste Chef eines Öl- und Gaskonzerns, der solche Ziele veröffentlicht. Auch Multis wie BP und Shell haben auf den Druck der Klimaschutzbewegung reagiert oder auch der direkte Konkurrent OMV, der sich für die Klimaneutralität aber bis 2050 Zeit lassen will. Mehren steht aber noch unter einem besonderen Druck: Klimaschutz wird inzwischen auch von Investoren verlangt – und Wintershall Dea plant den Börsengang im nächsten Jahr.

Eigentlich ist ein IPO für jeden CEO eine reizvolle Aufgabe. Mehrens Unternehmen, das 2019 aus den beiden deutschen Traditionsfirmen Wintershall und Dea einen starken Öl- und Gasproduzenten formte, sollte eigentlich schon im laufenden Jahr mit der Platzierung einer ersten Tranche in die Selbstständigkeit entlassen werden. Nach Jahrzehnten würde sich damit nicht nur Wintershall Dea von Mehrheitseigner BASF emanzipieren. Auch Mehren selbst, der 1998 seine berufliche Laufbahn als Referent im Konzernrechnungswesen der BASF begonnen hatte, würde mehr Freiheiten erhalten.

Seit 2006 arbeitete der Diplom-Kaufmann für Wintershall. Ab 2011 gehörte er dem Vorstand an, seit 2015 leitete er ihn, und 2019 übernahm er dann auch die Führung des fusionierten Unternehmens. Bisher war Mehren aber eben Chef einer Tochtergesellschaft, die zwar verlässlich Gewinne ablieferte, im Chemiekonzern jedoch nur ein Randgeschäft war.

Kein einfaches Umfeld für den IPO

Das Umfeld für den IPO ist allerdings alles andere als einfach. Die Corona-Pandemie lastet auch auf Wintershall Dea schwer. Die weltweite Konjunkturkrise hat die Preise für Öl um 30 Prozent und die für Gas um 40 Prozent einbrechen lassen – und die Gewinne von Wintershall Dea mit nach unten gezogen. Allein im dritten Quartal lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Explorationskosten mit 397 Millionen Euro um 44 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Und dann muss der Manager, der privat mit dem 1. FC Kaiserslautern leidet und gern Rockmusik hört, ein Unternehmen verkaufen, das voller Risiken steckt. Da sind die umfangreichen Russland-Aktivitäten, die Mehren selbst jahrelang geleitet hat. Sie bringen zwar satte Gewinne, stehen aber unter massivem politischen Druck. Allein an der Finanzierung von Nord Stream 2 ist Wintershall Dea mit einer knappen Milliarde Euro beteiligt – und mit den Drohungen von Sanktionen aus den USA konfrontiert.

Da ist aber auch das Geschäftsmodell an sich, das im Feuer der Klimaaktivisten steht und bei Investoren auf Vorbehalte stößt. Das Geschäftsmodell wird der Vorstandschef nicht komplett ändern können, aber er muss es klimafreundlicher ausrichten.

Mehren verspricht eine Konzentration auf Erdgas, das vergleichsweise sauber und als Ergänzung zu den erneuerbaren Energien dienen soll. Die Zukunft von Öl sieht er nicht mehr als Brennstoff, sondern als Grundstoff beispielsweise für Medikamente. Und Wintershall Dea soll beim Thema mitmischen. „Wir werden uns zwar nicht auf die erneuerbaren Energien ausrichten“, sagte Mehren, „unser Geschäftsmodell muss und wird sich aber anpassen.“

Mehr: Wintershall will klimaneutral werden – und setzt auf Wasserstoff

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