Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Energie

Energiewirtschaft Zuschlag bei Kohleauktion: Vattenfall nimmt Hamburg-Moorburg schon 2021 vom Netz

Der Konzern nimmt das moderne Kraftwerk schnell vom Netz. Die erste Auktionsrunde im Kohleausstieg legt insgesamt elf Blöcke still – darunter auch Anlagen von RWE und Uniper.
01.12.2020 Update: 01.12.2020 - 13:17 Uhr 4 Kommentare
Der Bau des Kraftwerks stieß auf heftigen Widerstand. Nun wird es schon 2021wieder abgeschaltet. Quelle: dpa
Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg

Der Bau des Kraftwerks stieß auf heftigen Widerstand. Nun wird es schon 2021wieder abgeschaltet.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Kohleausstieg in Deutschland wird bald mit einem prominenten Kraftwerk beginnen. Vattenfall wird sein Kohlekraftwerk Hamburg-Moorburg, das erst 2015 in Betrieb gegangen ist und zu den modernsten seiner Art gehört, schon im Sommer 2021 vom Netz nehmen.

Der schwedische Konzern erhielt nach eigenen Angaben in der ersten Auktionsrunde, mit der im Rahmen des Kohleausstiegs Entschädigungen für Betreiber von Steinkohlekraftwerken vergeben werden, mit beiden Blöcken Moorburgs einen Zuschlag. Die Bundesnetzagentur hatte bis zum ersten September Gebote eingesammelt und am Dienstag das Ergebnis bekanntgegeben. Zur Höhe der Entschädigung machte Vattenfall keine Angaben. Dabei handele es sich „um sensible Informationen in einem wettbewerbsorientierten Markt“, hieß es.

„Wir begrüßen diese Entscheidung. Sie ermöglicht es uns, das Kraftwerk Moorburg früher als bisher geplant vom Netz zu nehmen“, sagte Anna Borg, Präsidentin und CEO Vattenfalls. Der Konzern hatte schon vor Monaten angekündigt, die Anlage zügig herunterfahren zu wollen.

Das Kraftwerk, gegen dessen Bau es massive Widerstände gegeben hatte, ist zwar modern, der Konzern will aber „innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe ermöglichen“, wie Borg betonte. Die Schweden hatten schon vor wenigen Jahren ihre Braunkohleförderung in Ostdeutschland abgegeben.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Vor dem Hintergrund des deutschen Kohleausstiegsgesetzes haben wir mehrere Alternativen für Moorburg sorgfältig geprüft, einschließlich eines Brennstoffwechsels und des Verkaufs des Kraftwerks“, sagte Tuomo Hatakka, Deutschlandchef von Vattenfall. „Jetzt werden wir die Planungen für die vorzeitige Schließung vorantreiben.“

    Bundestag und Bundesrat hatten im Sommer nach dem Atom- auch den Kohleausstieg auf den Weg gebracht. Bis 2038 soll die Förderung und Verstromung des fossilen Energieträgers schrittweise beendet werden. Für Braunkohle gibt es einen festgelegten Fahrplan mit konkreten Entschädigungen für Unternehmen, da die Förderung in Tagebaubetrieben angeschlossen und damit betroffen ist.

    In der Steinkohle, die in Deutschland nicht mehr gefördert wird, werden die entsprechenden Kraftwerke über Jahre hinweg in mehreren Auktionen aus dem Markt gedrängt. Die Betreiber können sich daher um Entschädigungen bewerben.

    Im ersten Schritt durften sich Unternehmen für die Stilllegung von 4000 Megawatt Leistung bewerben. Die beiden Blöcke von Vattenfall haben jeweils 800 Megawatt Leistung. Die Schweden sicherten sich also fast die Hälfte der zunächst ausgeschriebenen Menge.

    Bundesnetzagentur erteilt auch RWE und Uniper den Zuschlag

    „Die Ausschreibungen stoßen bei den Betreibern auf positive Resonanz. Die Runde war deutlich überzeichnet,“ sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Elf Gebote erhielten einen Zuschlag. Damit werden sogar 4.788 Megawatt stillgelegt. Insgesamt erhalten die Bieter dafür 317 Millionen Euro.

    Auch RWE und Uniper waren erfolgreich. RWE hat Zuschläge sowohl für den 800-Megawatt-Block E des Kraftwerks Westfalen in Hamm als auch den 800-Megawatt-Block B des Kraftwerks Ibbenbüren erhalten. RWE bezifferte sogar die Entschädigung. Der Konzern erhält für beide Anlagen mit einer Netto Leistung von insgesamt 1560 Megawatt 216 Millionen Euro. Damit ist klar, dass Vattenfalls Entschädigung vergleichsweise bescheiden ausfällt.

    Uniper teilte mit, für das Kraftwerk Heyden 4 nahe Minden, das eine Kapazität von 875 Megawatt hat, einen Zuschlag bekommen zu haben. „Die erste Ausschreibungsrunde durch die Bundesnetzagentur hat dem Kraftwerk Heyden eine sehr frühe Ausstiegsoption ermöglicht, die wir genutzt haben“, sagte Andreas Schierenbeck, CEO von Uniper.

    Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber müssen allerdings noch bis Anfang März 2021 entscheiden, ob Moorburg und die anderen Anlagen für die Aufrechterhaltung des Stromnetzes systemrelevant sein. Sollte Moorburg als nicht systemrelevant eingestuft werden, werde die Kohleverfeuerung spätestens zum 1. Juli 2021 eingestellt, wie Vattenfall betonte.

    Kommt es anders, müsse das Kraftwerk für einen noch zu bestimmenden Zeitraum in Reserve gehalten werden. Den kommerziellen Betrieb müssen die Kraftwerke so oder so bereits zum Jahresende einstellen.

    Mit der Auktion hat der Kohleausstieg nun begonnen. Von den aktuell 40.000 Megawatt installierter Leistung sollen 2022 nur noch 30.000 und im Jahr 2030 noch lediglich 17.000 übrig sein. Bis 2027 sind noch sieben weitere Auktionen geplant. Die nächste beginnt schon am 4. Januar. In der ersten Runde waren Höchstpreise von 165.000 Euro pro Megawatt Nettonennleistung möglich. Dieser Höchstwert wird nach und nach abgesenkt.

    In der ersten Runde wurde er aber nicht erzielt: „Der durchschnittliche Zuschlagswert liegt deutlich unter dem gesetzlichen Höchstpreis“, erklärte Homann. Die akzeptierten Gebote reichen den Angaben der Behörde zufolge von 6047 bis 150.000 Euro je Megawatt, wobei jeder erfolgreiche Bieter einen Zuschlag in Höhe seines individuellen Gebotswerts erhalten habe. Der „mengengewichtete durchschnittliche Zuschlagswert“ liege bei 66.259 Euro pro MW.

    Mehr: Steag streicht wegen Kohleausstieg fast ein Drittel aller Stellen.

    Handelsblatt Energie Briefing
    Startseite
    Mehr zu: Energiewirtschaft - Zuschlag bei Kohleauktion: Vattenfall nimmt Hamburg-Moorburg schon 2021 vom Netz
    4 Kommentare zu "Energiewirtschaft: Zuschlag bei Kohleauktion: Vattenfall nimmt Hamburg-Moorburg schon 2021 vom Netz"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • "Das Kraftwerk, gegen dessen Bau es massive Widerstände gegeben hatte, ist zwar modern, der Konzern will aber „innerhalb einer Generation ein Leben ohne fossile Brennstoffe ermöglichen“. Das ist grundsätzlich positiv aber es müssen auch alternative Energienutzung und Arbeitsplätze geboten werden. Mit der Energienutzung von Emissionsfreier Neutrino-Energy durch Neutrino-Technologie werden sich grosse Möglichkeiten der Anwendungen bieten. Der einstige BundesVerkehrsminister a.D., Prof. KRAUSE veröffentlichte dazu aktuell: "Das ewige Licht - Der Beginn eines neuen Zeitalters" Weltbuch Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-906212-56-2. Die günstigste und sauberste Variante der Energienutzung basiert auf Neutrino Technologie. Eine mobile und dezentrale Energienutzung über die Neutrinovoltaic kann jetzt möglich werden, denn sie wird die Photovoltaik ergänzen und ablösen, denn sie kann auch in vollkommener Dunkelheit Energie wandeln. Die Patente der Berliner Neutrino Energy Group sind bereit. Die Einführung der Neutrinovoltaik zur Gewinnung von elektrischem Strom unter dem Einfluss verschiedener elektromagnetischer Strahlung, einschließlich hochenergetischer kosmischer Neutrinos ist jetzt machbar. Die auf Neutrinovoltaik-Technologie basierenden DC-Neutrinoquellen sind sehr kompakt und wetterunabhängig, erzeugen in einem Grundmodus 24h x 365 Tage Strom und können in Gerätegehäuse oder sogar in Elektroautos eingebaut werden. Sie sind in der Lage, sowohl Geräte als auch einzelne Haushalte und Elektroautos ohne Anschluss an eine zentrale Stromversorgung mit Strom zu speisen. Mobile und dezentrale Haushaltsenergie sowie unendliche Reichweiten für die Elektromobilität werden unser Leben weltweit positiv wandeln. Produktionsstätten, Vermarktung und Wartung der Geräte werden viele neue Arbeitsplätze schaffen.

    • Wäre auch recht interessant zu erfahren wieviel Steuerausfall auf Hamburg durch den Wegfall von Moorburg zukommt und wieviel zusätzliche Arbeitslose.Vielleicht kann uns der Autor diese Zahlen noch nachreichen.

    • @Herr Andreas Becker
      Zum Glück irren Sie sich, siehe: https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/20200129-kabinett-beschliesst-kohleausstiegsgesetz.html
      "Der Gesetzentwurf enthält Regelungen zur ... Löschung freiwerdender CO2-Zertifikate, ..."

    • Unfassbar!
      Deutschland bezahlt hohe Entschädigungen für die Stilllegung moderner Industrieanlagen und die dadurch gesparten CO2-Zertifikate werden in Polen zur Verstromung von Steinkohle in deutlich älteren Anlagen verwandt!
      Zu den Entschädigungen kommen dann noch die ausbleibenden Ertragssteuern, die eigentlich erst dann richtig los gehen, wenn die Anlage abgeschrieben ist.
      Herr "lass es Hirn regnen", am besten über dem Regierungssitz in Berlin!

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%