Energie
Windrad von Envision

Der chinesische Konzern Envision will die Windenergie digitalisieren.

(Foto: Envision)

Envision Energy Wie ein chinesischer Windkraftkonzern Apple nacheifert

Während der Windbranche unruhige Zeiten bevorstehen, denkt Felix Zhang weiter. Der Chef von Envision Energy will mehr als nur „dumme“ Windräder bauen.
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Envision Energy ist alles andere als ein normaler Windkonzern. Egal wo Felix Zhang, Geschäftsführer des zweitgrößten Turbinenherstellers Chinas auftritt, erzählt er von seiner Vision. Von offenen Plattformen, schöner Energie und einer einhundert Prozent grünen Welt. Und Envision, da ist sich der studierte Mathematiker sicher, kann dabei helfen diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

Statt wie die Konkurrenz lediglich „dumme“ Windräder herzustellen, will Zhang künftig mit einer offenen Plattform Geld verdienen, die schwankende Solar- und Windenergie im großen Stil mit Stromspeichern, Elektroautos oder Industrieanlagen koppelt und auf lange Sicht mit dem smarten Steuern von Energieflüssen Milliarden verdienen.

Bis jetzt engagieren sich chinesische Windturbinenhersteller wie Goldwind, United Power oder Mingyang vornehmlich in der Heimat. In dem behüteten Markt sind sie zu Milliardenkonzernen gereift. Auch wenn europäische Konkurrenten wie Vestas, Siemens Gamesa oder Enercon noch die globalen Ranglisten anführen, chinesische Unternehmen drängen nach vorne und attackieren die westlichen Hersteller. So wie Envision.

Bei Auftritten bewegt sich der gebürtige Chinese, der die Hälfte seiner Zeit in Kalifornien verbringt, von einem Ende der Bühne zum anderen, ohne Manuskript, ohne Rednerpult und spricht von seiner Vision eines globalen Ökosystems.

Es gebe viele digitale Vordenker, aber die Energiewelt sei eben sehr speziell, da brauche es auch spezielle Vordenker. „Und Envision ist das Apple der Energiewelt“, sagt er überzeugt. Was Steve Jobs für die Kommunikationswelt war, will Envision für die Energiewelt sein. Die hauseigene offene Plattform heißt dann auch EnOS, ganz so wie ein Betriebssystem von Apple. „Ja, die Anlehnung haben wir bewusst gewählt“, sagt Zhang.

Obwohl erst 2007 gegründet, erwirtschaftet Envision bereits einen Jahresumsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar, und zählt zu den am schnellsten wachsenden Grünstromfirmen weltweit. Zumindest ein paar Jahre lang dürfte der Verkauf von Windmühlen aber noch das Kerngeschäft des Unternehmens bleiben.

2017 scheint die Strategie aufzugehen: Envision springt im Ranking der größten Windkonzerne des Marktforschungsunternehmens FTI Intelligence, von der acht auf die sechs und kann seinen Marktanteil sogar fast verdoppeln. Aber Zhang will mehr.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Das Energiemanagementsystem EnOS soll eine mögliche Lösung für die notorisch fragmentierte, so genannte Internet-of-Things-Industrie sein, die sich schnell in den Energiebereich ausdehnt und es Energieversorgern und Kunden ermöglicht, Echtzeitdaten zu verfolgen und Operationen mit Geräten zu steuern. „Solche Technologien geben den Menschen mehr Macht über ihren Energiebedarf und beschleunigen die Einführung von Wind- und Solarressourcen, indem sie Investoren, Kreditgebern und Versicherern die Daten zur Verfügung stellen, die sie brauchen“, erklärt Zhang.

Der Hauptvorteil in seinen Augen: Das System ist offen und von jedem nutzbar. „Anders als beispielsweise Produkte von Tesla, die sich nur mit Tesla-Produkten koppeln lassen“, sagt er. Der Ölkonzern Shell nutzt das System zur Steuerung seiner Windparks in den USA, der deutsche Batteriehersteller Sonnen, bei dem der Windkonzern aus China gleichzeitig größter Investor ist zur Vernetzung seiner Sonnen-Community, und auch das US-Speicherunternehmen AutoGrid verwendet die Plattform bereits. Laut Zhang sind aktuell Geräte mit einer Leistung von 100 Gigawatt (GW) an die Plattform angeschlossen.

Während sich die Windindustrie in der Vergangenheit auf Hardware und Skalierung konzentriert hat, ist das Internet der Dinge und die Technik unter der Turbinenhaube derzeit einer der wichtigsten Treiber für Veränderungen in der Branche.

Auch andere Windradbauer arbeiten an so genannten „Smart Turbines“. Zum Beispiel der deutsche Windriese Enercon. Anders als Envision experimentieren die Ostfriesen allerdings mit geschlossenen Systemen. Und Siemens Gamesa wertet zwar auf Basis von Sensoren ebenfalls schon heute die Daten seiner Windmühlen aus, das aber macht Envision schon seit Jahren.

Gleichzeitig investiert der Konzern Unsummen in Zukäufe oder Übernahmen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Eine Milliarde will der Shanghaier Windriese in den nächsten drei Jahren so allein in Europa ausgeben. Unter anderem für den Charging-Marktführer ChargePoint oder die Akquisition des norwegischen Softwareunternehmens Bazefield.

Und in einem weiteren Punkt unterscheidet sich Envision von seiner Konkurrenz. Anders als Enercon oder Vestas lässt es seine Turbinen von Subunternehmen fertigen. Nur das Design und die Patente hält Envision und braucht somit deutlich weniger Angestellte. „Genauso wie Apple“, sagt Zhang. Die ließen ihre iPhones schließlich auch von anderen herstellen.

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