Energie

Eon-Hauptversammlung Gegenanträge? Fehlanzeige

Die Eon-Aktionäre stimmen heute über die größte Zäsur in der Unternehmensgeschichte ab, die Spaltung des Konzerns. Im Vorfeld wurden zum Erstaunen der Hausjuristen keine Bedenken angemeldet. Ärger droht aber trotzdem.
75 Prozent der Anteilseigner müssen der Aufspaltung zustimmen. Quelle: dpa
Energiekonzern Eon

75 Prozent der Anteilseigner müssen der Aufspaltung zustimmen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFür Konzernchef Johannes Teyssen ist die Hauptversammlung in der Essener Grugahalle ein „epochales Ereignis“. Nach seinen Worten müssen die Aktionäre am heutigen Mittwoch über nicht weniger als die dritte große Zäsur in der Geschichte des Energiekonzerns abstimmen. Nach der Privatisierung des Vorgängerunternehmens Veag in den 60er Jahren und der Fusion mit Viag im Jahr 2000 steht ab zehn Uhr die Aufspaltung in zwei Teile auf dem Programm: Die Eon SE wird sich um die Energiewende kümmern, das neue Unternehmen Uniper um die Kohle- und Gaskraftwerke.

Die Aktionäre von Deutschlands größtem Energiekonzern sehen der Veranstaltung aber offenbar gelassener entgegen. Im Vorfeld wurde kein einziger Gegenantrag eingereicht, wie ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage des Handelsblatts bestätigte. Dabei stehen neben dem formellen Beschluss über die Aufspaltung auch eine umfangreiche Neuwahl von Aufsichtsräten sowie ein neues Vergütungssystem auf der Tagesordnung.

In den vergangenen zwei Jahren waren jeweils eine Handvoll Gegenanträge eingereicht worden. Darunter waren im vergangenen Jahr auch schon welche, die sich gegen die Aufspaltung gerichtet hatten, obwohl der Beschluss noch gar nicht anstand. Und zum Vergleich: Bei der Deutschen Bank gab es vor wenigen Wochen immerhin zwanzig Gegenanträge.

„Wer mit der Strategie nicht einverstanden ist, hatte eigentlich auch genug Zeit um auszusteigen“, meint ein Manager des Unternehmens nüchtern.

Wer übernimmt die Zukunft, wer den Ballast?
Vertrieb
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Eon übernimmt 33 Millionen Kunden – in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa oder der Türkei. Das Geschäft ist solide, die Margen sind aber dünn. Neue Produkte und Dienstleistungen müssen her. Das Problem: Eon wird sich mit neuen, schlagkräftigen Konkurrenten messen. Die heißen, Google, Apple oder Samsung. Fazit: Hoffnungswert.

Konventionelle Stromproduktion
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Jahrzehntelang produzierten Kohle- und Gaskraftwerke nicht nur Strom, sondern auch Unmengen an Geld. Strom wurde eben in großen, zentralen Anlagen produziert. Jetzt hat per Gesetz grüner Strom Vorrang im Netz und drängt die großen Kraftwerke aus dem Markt. Allein in den ersten neun Monaten brach das Ebitda der Sparte um 32 Prozent ein. Uniper muss retten was noch zu retten ist. Fazit: Sanierungsfall.

Erneuerbare Energien
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Eon stieg spät in das Geschäft mit erneuerbaren Energien ein. Inzwischen hat das Unternehmen aber schon Windanlagen mit mehr als vier Gigawatt Leistung installiert – das entspricht rund vier Kernkraftwerken. Bei Offshore-Wind sieht sich Eon weltweit an Nummer zwei, bei Onshore auf Position zwölf. Bald schon wird beim Ebitda die Milliardenmarke geknackt – kein Wunder das Eon die Sparte behält. Fazit: Zukunftsgeschäft.

Netze
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Eons Stromleitungen reichen theoretisch 25 Mal um die Erde. Eine Million Kilometer hat der Konzern verlegt. Das Netz will Eon auch behalten und hat gute Gründe: Die Renditen werden zwar von Regulierungsbehörden gedeckelt, aber lieber kleine Renditen als gar keine Renditen wie bald in der Stromproduktion. Fazit: Solides Geschäft.

Großhandel
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Den Großhandel gibt Eon ab, damit Uniper den Strom aus den Kraftwerken wenigstens selbst vermarkten kann. Die Tochter bewegt Milliarden, kauft Kohle zum Verfeuern ein und bringt russisches Gas in Europa unter. Das war früher einmal ein einträgliches Geschäft, aber auch die Zeiten sind längst vorbei. Fazit: Spekulationsobjekt.

Exploration und Produktion
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Jahrelang hat Eon gekämpft, um einen eigenen Zugang zu den russischen Gasfeldern zu bekommen, jetzt übernimmt Uniper das Geschäft. Die neue Gesellschaft ist an einem lukrativen Feld in Westsibirien beteiligt, Juschno Russkoje, fördert dort pro Jahr knapp sechs Milliarden Kubikmeter Gas und fährt solide Gewinne ein. Dumm nur, dass neben dem Strompreis auch der Ölpreis im Keller ist, aber das muss ja nicht so bleiben. Fazit: Dauerbrenner.

Kernenergie
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Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne mit ihren Reaktoren unverschämt viel Geld verdient, jetzt sind die Anlagen nur noch eine einzige Last. Die Reaktoren müssen teuer abgebaut und die Brennelemente noch teurer entsorgt werden. Kein Wunder, dass Eon die Aufgabe gerne Uniper überlassen hätte. Daraus wird aber nichts: Mit einem neuen Gesetz schob die Bundesregierung dem einen Riegel vor, Eon muss sich um die drei noch aktiven und fünf bereits im Rückbau befindlichen Reaktoren kümmern. Fazit: Ballast.

Teyssen hatte die Aufspaltung schon Ende 2014 angekündigt. Eineinhalb Jahre arbeiteten Management und Mitarbeiter an dem Projekt. Seit Anfang des Jahres ist Uniper auch schon operativ am Start. Jetzt sollen die Aktionäre aber über die endgültige Trennung entscheiden. Eon will zunächst gut 53 Prozent der Aktien abgeben. Jeder Eon-Aktionär soll dann zusätzlich für jeweils zehn Anteilscheine eine zusätzliche Aktie von Uniper bekommen.

Formal liegt die Hürde hoch. 75 Prozent der Anteilseigner müssen zustimmen. Und auf der Hauptversammlung können spontan immer noch Gegenanträge gestellt werden.

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