Energie

Eon in Großbritannien Energiekonzern verkauft Öl- und Gasfelder

Im Oktober hat Eon seine norwegischen Öl- und Gasfelder verkauft. Nun schlägt der Energiekonzern auch Felder in Großbritannien los. Die Einnahmen kann das Unternehmen derzeit gut gebrauchen.
Update: 13.01.2016 - 16:39 Uhr
Eon kann die Einnahmen angesichts seiner Schulden in Höhe von gut 28 Milliarden Euro gut gebrauchen. Quelle: dpa
Schwächelnder Energiekonzern

Eon kann die Einnahmen angesichts seiner Schulden in Höhe von gut 28 Milliarden Euro gut gebrauchen.

(Foto: dpa)

LondonDer Energiekonzern Eon verkauft seine britischen Öl- und Gasfelder für umgerechnet rund 110 Millionen Euro an das britische Ölunternehmen Premier Oil. Das teilte Eon am Mittwoch in Essen mit. Das Geschäft soll laut Eon nach der Zustimmung der Behörden noch in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Damit sei die strategische Überprüfung des Eon-Öl- und Gasfördergeschäftes in der Nordsee abgeschlossen, teilte der Konzern mit. Eon hatte Ende 2015 bereits sein Öl- und Gasgeschäft in Norwegen verkauft.

Das Geschäft stärke das Finanzprofil und bringe dem Unternehmen Flexibilität für die Umsetzung der Strategie, erklärte Eon-Finanzvorstand Michael Sen.

Eon hat sich zum Jahresbeginn umstrukturiert und konzentriert sich mit dem nach Essen umgezogenen Mutterkonzern auf erneuerbare Energie und Netze. Die konventionelle Erzeugung wurde in das neugegründete Unternehmen Uniper abgetrennt. Durch den Verkauf der britischen Öl- und Gasfelder kann Eon zusätzlich zum Erlös auch Rückstellungen auflösen. Insgesamt werde die Nettoverschuldung um umgerechnet gut 570 Millionen Euro reduziert, erklärte das Unternehmen.

Wer übernimmt die Zukunft, wer den Ballast?
Vertrieb
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Eon übernimmt 33 Millionen Kunden – in Deutschland, Großbritannien, Skandinavien, Osteuropa oder der Türkei. Das Geschäft ist solide, die Margen sind aber dünn. Neue Produkte und Dienstleistungen müssen her. Das Problem: Eon wird sich mit neuen, schlagkräftigen Konkurrenten messen. Die heißen, Google, Apple oder Samsung. Fazit: Hoffnungswert.

Konventionelle Stromproduktion
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Jahrzehntelang produzierten Kohle- und Gaskraftwerke nicht nur Strom, sondern auch Unmengen an Geld. Strom wurde eben in großen, zentralen Anlagen produziert. Jetzt hat per Gesetz grüner Strom Vorrang im Netz und drängt die großen Kraftwerke aus dem Markt. Allein in den ersten neun Monaten brach das Ebitda der Sparte um 32 Prozent ein. Uniper muss retten was noch zu retten ist. Fazit: Sanierungsfall.

Erneuerbare Energien
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Eon stieg spät in das Geschäft mit erneuerbaren Energien ein. Inzwischen hat das Unternehmen aber schon Windanlagen mit mehr als vier Gigawatt Leistung installiert – das entspricht rund vier Kernkraftwerken. Bei Offshore-Wind sieht sich Eon weltweit an Nummer zwei, bei Onshore auf Position zwölf. Bald schon wird beim Ebitda die Milliardenmarke geknackt – kein Wunder das Eon die Sparte behält. Fazit: Zukunftsgeschäft.

Netze
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Eons Stromleitungen reichen theoretisch 25 Mal um die Erde. Eine Million Kilometer hat der Konzern verlegt. Das Netz will Eon auch behalten und hat gute Gründe: Die Renditen werden zwar von Regulierungsbehörden gedeckelt, aber lieber kleine Renditen als gar keine Renditen wie bald in der Stromproduktion. Fazit: Solides Geschäft.

Großhandel
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Den Großhandel gibt Eon ab, damit Uniper den Strom aus den Kraftwerken wenigstens selbst vermarkten kann. Die Tochter bewegt Milliarden, kauft Kohle zum Verfeuern ein und bringt russisches Gas in Europa unter. Das war früher einmal ein einträgliches Geschäft, aber auch die Zeiten sind längst vorbei. Fazit: Spekulationsobjekt.

Exploration und Produktion
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Jahrelang hat Eon gekämpft, um einen eigenen Zugang zu den russischen Gasfeldern zu bekommen, jetzt übernimmt Uniper das Geschäft. Die neue Gesellschaft ist an einem lukrativen Feld in Westsibirien beteiligt, Juschno Russkoje, fördert dort pro Jahr knapp sechs Milliarden Kubikmeter Gas und fährt solide Gewinne ein. Dumm nur, dass neben dem Strompreis auch der Ölpreis im Keller ist, aber das muss ja nicht so bleiben. Fazit: Dauerbrenner.

Kernenergie
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Jahrzehntelang haben die Atomkonzerne mit ihren Reaktoren unverschämt viel Geld verdient, jetzt sind die Anlagen nur noch eine einzige Last. Die Reaktoren müssen teuer abgebaut und die Brennelemente noch teurer entsorgt werden. Kein Wunder, dass Eon die Aufgabe gerne Uniper überlassen hätte. Daraus wird aber nichts: Mit einem neuen Gesetz schob die Bundesregierung dem einen Riegel vor, Eon muss sich um die drei noch aktiven und fünf bereits im Rückbau befindlichen Reaktoren kümmern. Fazit: Ballast.

Eon-Aktien legten am Mittwoch rund fünf Prozent zu und führten vor dem Rivalen RWE die Gewinnerliste im Dax an. Ein zuversichtlicher Analystenkommentar verlieh den Versorger-Aktien Schwung. Nach Einschätzung der UBS könnte die geplante Aufspaltung der beiden Konzerne zu einer Neubewertung führen – die Experten sehen Aufwärtspotenzial für die Aktien. Zudem setzen sie auf eine konstruktive und baldige Lösung hinsichtlich der Stilllegungskosten für die Atomkraftwerke. Eon stuften die Experten hoch auf „Buy“ von „Neutral“, bei RWE ließen sie die Bewertung bei „Neutral“.

Die Versorger leiden seit Monaten unter dem Druck der Energiewende und den sinkenden Strom-Großhandelspreisen. Eine Aufspaltung der Konzerne soll den Unternehmen nun den Weg aus der Krise ebnen.

Handelsblatt Energie Briefing
  • rtr
  • dpa
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