Energie
Uwe Tigges

Der Innogy-CEO präsentiert Zukunftspläne, die längst überholt sind.

(Foto: dpa)

Eon-RWE-Deal Innogy steuert planlos in die Zukunft – Interimschef Tigges zeigt sich überrumpelt

Auf der lange geplanten Bilanz-PK präsentiert der überrumpelte Innogy-Chef Tigges Zukunftspläne, die nach dem RWE-Eon-Deal längst Makulatur sind.
Update: 12.03.2018 - 12:12 Uhr 2 Kommentare

EssenUwe Tigges blickt noch einmal auf das vor ihm liegende Papier, richtet seine Krawatte, trinkt einen Schluck Wasser, setzt seine Brille auf und beginnt zu lesen. Kein einziges Mal weicht der Interims-Vorsitzende des Energieversorgers Innogy an diesem Montagmorgen von seinem vorgeschriebenen Skript ab.

Fast trotzig trägt er auf der jährlichen Bilanzpressekonferenz in der Konzernzentrale in Essen die Zahlen des Unternehmens vor – als ob nichts gewesen sei. Dabei weiß niemand, wie lange es Innogy überhaupt noch geben wird.

In der Nacht zum Sonntag gaben die beiden Energiekonzerne Eon und RWE bekannt, Innogy in einer komplexen Transaktion aufzuspalten. Es ist vor allem ein Tausch von Aktivitäten: Eon übernimmt von Innogy das Geschäft mit Netzen und Vertrieb. Zudem will sich RWE an Eon mit knapp 17 Prozent beteiligen.

Von diesen Plänen erfuhr Uwe Tigges allerdings erst am Samstagabend. Entsprechend überrumpelt präsentierte sich der Innogy-Vorstand zwei Tage später auf seiner jährlichen Bilanzpressekonferenz.

Der Termin war schon vorher festgelegt worden. Stoisch liest der interimistische Vorstandschef seine Rede ab, von der fast jedes Wort nun hinfällig ist.

Nachfragen zur geplanten Übernahme durch den Konkurrenten will er nicht beantworten. „Ob das in unserem Sinne ist, kann ich jetzt noch nicht beurteilen“, man werde sich „die Dinge ansehen, sie bewerten und zu gegebener Zeit Stellung nehmen“, sagte Tigges. 

Die Nachricht trifft das erst zwei Jahre alte Unternehmen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Im April 2016 hatte RWE – damals noch unter Chef Peter Terium – die Sparten erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb abgespalten.

Nach einem furiosen Start kam Ende des vergangenen Jahres der radikale Absturz: Innogy sollte auch 2018, also im dritten Jahr seit der Gründung, kein Gewinnplus erwirtschaften. Während das Stammgeschäft stagnierte, blieben die Perspektiven in den neuen Geschäften, in die Innogy investierte, vage. Terium wurde gefeuert.

Erst vor einer Woche dann wurde Innogy-Finanzvorstand Bernhard Günther Opfer eines Säureanschlags. „Der furchtbare Anschlag auf Bernhard Günther hat uns zutiefst getroffen“, sagte Tigges zum Auftakt der Pressekonferenz. „Für mich ist das absolut unfassbar.“

Den Vorstand verbinde mit Günther nicht nur ein kollegiales Verhältnis, sondern auch eine „freundschaftliche Zusammenarbeit“. Man habe ihn nicht nur als Finanzexperten geschätzt, sondern auch als Mensch.

Hans Bünting, im Vorstand eigentlich zuständig für die erneuerbaren Energien, hat den Finanzvorstand vorübergehend für Günther übernommen. Nun steht er mit gerunzelter Stirn neben seinem Vorsitzenden. „Das zurückliegende Geschäftsjahr war kein leises, aber ein ordentliches“, rechtfertigt Tigges die dürftigen Zahlen des jungen Konzerns.

Im vergangenen Jahr stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um drei Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Vor der Gewinnwarnung hatte Innogy ein kräftigeres Plus erwartet. Das um Sondereffekte bereinigte Nettoergebnis legte um neun Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zu. Die Aktionäre sollen wieder 1,60 Euro als Dividende bekommen.

Für die Anteilseigner ist der RWE-Eon-Deal eine gute Nachricht: Im vorbörslichen Geschäft schossen die Innogy-Aktien zu Wochenbeginn um 13 Prozent in die Höhe.

Wegen des erhöhten Erfolgsdrucks durch den RWE-Mutterkonzern hatte Tigges dem Aufsichtsrat der Innogy-Tochter erst Anfang März seine Sparvorschläge vorgelegt und die auch genehmigt bekommen. Nun scheint die Arbeit der letzten Wochen hinfällig. Wie es weitergeht, weiß keiner der vier Anwesenden, das wurde nach der Pressekonferenz deutlich.

Auf die Frage, ob durch die Übernahme von Eon Arbeitsplätze gefährdet sind, verwies Tigges lediglich darauf, dass mittelfristig kein Personalabbau geplant sei. Aber das war nun einmal der Stand vor einem Wochenende, das die gesamte Energiebranche durcheinandergewirbelt hat.

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2 Kommentare zu "Eon-RWE-Deal: Innogy steuert planlos in die Zukunft – Interimschef Tigges zeigt sich überrumpelt"

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  • Auf der lange geplanten Bilanz-PK präsentiert der überrumpelte Innogy-Chef Tigges Zukunftspläne, die nach dem RWE-Eon-Deal längst Makulatur sind. Dabei war ich noch nicht dabei aber das nächste Mal, fliegt die kalte Wurst.

  • keine Ahnung, aber ich muss eine ganze Menge wegkommentieren.

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