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ErdgasKollaps am Energiemarkt? Hohe Gaspreise gefährden weitere Energieunternehmen

Gas- und Stromkonzerne können sich den Handel mit Energie kaum noch leisten. Auch Finnland und die Schweiz stützen ihre Unternehmen jetzt mit Staatsgeld.Catiana Krapp 06.09.2022 - 18:09 Uhr Artikel anhören

Die deutsche Tochter des finnischen Energieversorgers Fortum ächzt schon seit Monaten unter den hohen Energiepreisen.

Foto: dpa

Düsseldorf. Angesichts horrender Energiepreise erhalten weitere Energiekonzerne Milliarden an Staatsgeldern, wie am Dienstag bekannt wurde. Das finnische Staatsunternehmen Fortum – Mehrheitseigner des deutschen Gaskonzerns Uniper – bekommt eine Brückenfinanzierung von 2,35 Milliarden Euro vom eigenen Staat. Energieversorger Axpo erhält eine Kreditlinie von vier Milliarden Franken aus Schweizerischem Geld.

Hintergrund sind die hohen Börsenpreise für Energieträger wie Strom und Gas. Am Montag lag der Gaspreis am wichtigen Handelspunkt TTF zeitweise 37 Prozent über dem Kurs vom vergangenen Freitag. Ausgelöst wurde der Preisanstieg durch eine Ankündigung Russlands, kein Gas mehr durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Europa zu liefern. Zuletzt pendelte sich der Gaspreis bei rund 230 Euro pro Megawattstunde ein. Das ist mehr als sieben Mal so viel wie noch vor einem Jahr.

Die Situation an den Energiemärkten sorgt Branchenexperten. Jochen Stanzel, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets, beobachtet eine wachsende Angst vor einer Lehman-artigen Krise im europäischen Energiesektor. Dahinter steckt die Sorge, dass wie bei der 2008 pleite gegangenen US-Bank Lehman Brothers ein großer Zahlungsausfall zum nächsten führen könnte, eine Kettenreaktion, die dann die ganze Branche in existenzielle Schwierigkeiten bringen könnte.

Der Anlass für die gefährliche Situation ist nicht der tatsächliche Gasmangel. Stattdessen geht es um große Geldsummen, die Strom- und Gashändler täglich hin- und herüberweisen. Je höher die Energiepreise steigen, desto höher sind diese Summen. Immer mehr Konzernen fehlt schlicht das Geld, um am Handelsgeschehen teilzunehmen. Der norwegische Energiekonzern Equinor warnt, dass es im europäischen Energiehandel um eine Summe von 1,5 Billionen Dollar gehen könnte.

Die großen Geldsummen, Margins genannt, sind eine Art Kaution. Sie fallen an, wenn Energieunternehmen A etwa mit Energieunternehmen B vereinbart, in einem Monat Gas zu einem bestimmten Preis zu liefern. Verdoppelt sich der Marktpreis für Gas zwischen Vertragsabschluss und Liefertermin, muss Unternehmen B befürchten, das Gas nicht mehr zum vereinbarten, günstigen Preis geliefert zu bekommen.

Um Unternehmen B diese Angst zu nehmen, überweist Unternehmen A ihm genug Geld, um sich die vereinbarte Gasmenge notfalls spontan am Markt kaufen zu können. Wenn Unternehmen A schließlich wie versprochen liefert, gibt B ihm das Notfallgeld zurück. Die Summe all dieser Notfallgelder, die aktuell hinterlegt wurden, sind die 1,5 Billionen Dollar, von denen Equinor spricht.

Hoher Gaspreis könnte Zwangsliquidierungen auslösen

Das Geld, das zwei Handelspartner im Energiemarkt hin- und herschicken, ist also in der Regel nicht verloren. Unternehmen A hat keine Kosten, denn es bekommt das Geld ja zurück, sobald es Gas oder Strom geliefert hat. Das gilt allerdings nur, solange Unternehmen A genügend Geld vorrätig hat, um es für eine gewisse Zeit an Unternehmen B abgeben zu können.

Steigen die Energiepreise zu schnell und hoch, fehlt vielen Unternehmen die nötige Liquidität. Genau das ist immer öfter der Fall. Das Problem ist: Wenn die Preise steigen, fordert die Börse, die zwischen den Handelspartnern steht, vom Energieanbieter höhere Margin-Zahlungen ein.

Kann der Händler nicht zahlen, wird er zwangsliquidiert. Das heißt, der Vertrag mit dem Käufer wird aufgelöst und der Händler bleibt dem Käufer die Differenz zum aktuellen Marktpreis schuldig. Dadurch entsteht ein reales Kosten-Problem für die Unternehmen.

Damit nicht genug: Ausscheidende Händler verschlimmern die Situation auch für andere Marktteilnehmer. Denn wenn sie nicht mehr handeln können, sinkt das Angebot an Strom und Gas – und die Preise steigen noch weiter. Damit erhöhen sich auch die erforderlichen Margin-Zahlungen.

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Viele Unternehmen leihen sich bereits Geld von Banken. Die Sorge: Sollten Energiehändler tatsächlich pleite gehen, bekämen die Kreditgeber ihr Geld nicht zurück. Eine Lehman-artige Krise stünde dann bevor. Deshalb schießen weitere Staaten jetzt Geld nach.

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