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Energie
Pipeline-Verlegeschiff „Castoro 10“

Arbeiten im Greifswalder Bodden vor Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern).

(Foto: dpa)

Erdgas Nord Stream 2 verlegt erste Rohre der umstrittenen Ostseepipeline

Ein Verlegeschiff begann in der Nacht zu Mittwoch am Greifswalder Bodden mit den Arbeiten. Die Pipeline soll bis Ende 2019 fertiggestellt sein.
Update: 25.07.2018 - 11:05 Uhr Kommentieren

Lubmin Der Pipelinebauer Nord Stream 2 hat mit der Verlegung der ersten Rohre für die umstrittene Ostseepipeline begonnen. Das Verlegeschiff „Castoro 10“ startete die Arbeiten in der Nacht zu Mittwoch an der direkten Anlandestelle bei Lubmin am Greifswalder Bodden mit den Arbeiten. Von Bord des Schiffes aus würden die dort verschweißten Rohrsegmente mit einer Hochleistungswinde durch einen Tunnel zur Gasanlande-Station an Land gezogen, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Die insgesamt 9,5 Milliarden Euro teure und 1200 Kilometer lange Gaspipeline führt von Russland nach Deutschland – und ist heftig umstritten. Auf dem Nato-Gipfel vor zwei Wochen hatte US-Präsident Donald Trump gegen das Vorhaben gewettert. Ihn stört, dass Milliarden für Rohstoffimporte aus Deutschland nach Russland fließen werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Bundesrepublik sich mit der Leitung abhängig von Gas-Importen aus Russland mache.

Im küstennahen Gewässer hatte Nord Stream 2 bereits vor zwei Monaten mit der Aushebung eines 30 Kilometer langen Unterwassergrabens. Die Rohrverlegung im Wasser soll voraussichtlich im August starten. Die Pipeline soll Ende 2019 fertig sein.

Nicht nur die USA kritisieren das Vorhaben regelmäßig. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bezeichnete Nord Stream 2 im Handelsblatt-Interview als „politisches Bestechungsgeld für die Loyalität zu Russland, eine Wirtschafts- und Energieblockade gegen die Ukraine zu verhängen und uns massiv zu schaden.“ Das Projekt habe keine ökonomisch gerechtfertigte Grundlage.

Am Oberverwaltungsgericht Greifswald ist noch eine Klage des Umweltverbandes Nabu gegen die Baugenehmigung anhängig. Vor einer Woche scheiterte der Verband jedoch mit einer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe, um einen Baustopp zu erzwingen.

Wie eine Sprecherin des Nabu sagte, werde jetzt auch ein Widerspruch gegen die Baugenehmigung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie geprüft. Der Umweltverband kritisiere, dass Nord Stream 2 in der sogenannten deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone, also außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone, nur zu Ersatzzahlungen anstatt zu einem wirklichen Umweltausgleich verpflichtet wurde. Dänemark hat den Bau bisher nicht genehmigt. Auch aus Russland fehlt noch eine zweite Teilgenehmigung.

Durch erste Pipeline fließt seit 2011 Erdgas

Das Verlegeschiff „Castoro 10“ war bereits am Bau der ersten Nord Stream-Trasse beteiligt, die seit 2011 russisches Erdgas über die Ostsee nach Deutschland transportiert. Nahezu parallel zur ersten Trasse soll nun die zweite Pipeline verlaufen. Sie wird ebenfalls als Doppelstrang mit gleicher Jahrestransport-Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas verlegt.

Für die Landanbindung waren in den vergangenen Monaten zwei, etwa 700 Meter lange Tunnel gebohrt worden. Sie führen von der Uferzone des Greifswalder Boddens zur Gasanlandestation. Ist der Einzug der Rohre in den Tunnel abgeschlossen, soll die Verlegung im Wasser fortgesetzt werden. Bis Ende Oktober will Nord Stream 2 die Verlegearbeiten im Greifswalder Bodden abschließen. Ende des Jahres soll dann der Unterwassergraben wieder mit Sand aufgefüllt sein.

  • mdo
  • dpa
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