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Energie

Erneuerbare Energien Das Rennen um die weltweit erste Offshore-Solaranlage hat begonnen

Solarkraftwerke auf dem Wasser sind weltweit im Trend. Jetzt beginnt das Wettrennen um die erste Anlage auf hoher See, doch noch vertragen sie kein Salzwasser.
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Schwimmende Solarparks wie hier in China soll es bald auch auf offenem Meer geben.  Quelle: AFP
Floating-PV

Schwimmende Solarparks wie hier in China soll es bald auch auf offenem Meer geben. 

(Foto: AFP)

Düsseldorf Wo heute noch Ölplattformen den fossilen Rohstoff aus dem Boden der Tiefsee pumpen, könnten in ein paar Jahren schon die ersten Solarparks auf dem Wasser schwimmen. Denn nicht nur Windräder zieht es hinaus aufs offene Meer. Ein Konsortium von mehreren Unternehmen aus Belgien und Luxemburg will jetzt die erste schwimmende Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) in der Nordsee bauen. Das sind Solarmodule, die elektrischen Strom aus Sonnenenergie erzeugen.

Noch gibt es keine Anlagen auf dem offenen Meer. Ein Pilotprojekt soll aber schon im nächsten Jahr an den Start gehen.

Geleitet wird das Konsortium von dem belgischen Unternehmen Tractebel, einer Tochter des französischen Energieversorgers Engie. Mit den stetig sinkenden Kosten für Solarenergie sei die Entwicklung hin zu Offshore-Anwendungen der nächste logische Schritt und eine der maßgeblich grünen Energiequellen der Zukunft, heißt es in einem Statement von Tractebel.

„Die Motivation, auch mit Solarkraftwerken aufs Wasser zu gehen, kommt natürlich daher, dass wir vor allem in Europa nur begrenzt Flächen zur Verfügung haben“, erklärt Harry Wirth, Experte am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) das gesteigerte Interesse an den so genannten Floating-PVs (zu deutsch: schwebende Solaranlagen).

Dabei gibt es Idee von schwimmenden Sonnenkraftwerken schon lange. Aber seit ein paar Jahren sind sie besonders in Südostasien auf dem Vormarsch. Die größte schwimmende Solaranlage befindet sich dementsprechend auch in China: Auf einem ausgedienten und mit Regenwasser gefluteten Tagebau schwimmen mehr als 165.000 Solarpaneele, mit einer Leistung von 40 Megawatt.

Schwimmende Anlagen sind effizienter

„Der Vorteil an den schwimmenden Solarkraftwerken, ist die gesteigerte Effizienz. Photovoltaik liebt zwar Sonne, aber keine Wärme. Auf dem Wasser herrschen generell kühlere Temperaturen, das steigert den Ertrag“, erklärt Wirth. Damit Solarzellen auf dem Wasser nicht untergehen oder an Land treiben, schwimmen sie auf mit Luft gefüllten Containern. Zusätzlich werden sie fixiert und wasserfest verkabelt.

Auch in Europa werden immer mehr Solaranlagen auf dem Wasser gebaut. Besonders aktiv sind derzeit Unternehmen aus den Niederlanden, aber auch in Deutschland steigt das Interesse. Allerdings wirkt die größte Anlage hierzulande mit ihren 749 Kilowatt Leistung im Vergleich mit dem 6,3 Megawatt (MW)-Projekt des Ölkonzerns BP in Großbritannien, sehr überschaubar. Trotzdem, auch in Deutschland werde man zukünftig mehr davon sehen, ist der Solarexperte überzeugt.

„Wir brauchen alleine in Deutschland eine Verdrei- bis Verzehnfachung der heute installierten PV-Leistung, um unsere Klimaziele zu erreichen. Um das flächenneutral umzusetzen, wird man verschiedene Optionen ziehen müssen. Da werden auch schwimmende Solarkraftwerke eine Rolle spielen“, glaubt Wirth. Potenzial sieht er vor allem in ehemaligen Braunkohletagebauten oder alten Kiesgruben, die mit Wasser vollgelaufen sind.

Eine PV-Anlage auf dem offenen Meer stelle jedoch eine besondere Herausforderung dar. Hohe Wellen und auch das Salzwasser erhöhen die Belastungen für die Technologie. Auch in Dubai arbeitet man an einer Möglichkeit, Solarmodule so zu entwickeln, dass sie auch im Salzwasser des persischen Golfs eingesetzt werden können. 

Bislang finden sich Floating-PVs eher auf Seen, oder zumindest mit direkter Anbindung an die Küste. Zum Beispiel in Alto Rabago in Portugal oder Yamakura in Japan.

Konkurrenz aus aller Welt 

Aber jetzt hat das Rennen um das erste Offshore-Solarkraftwerk der Welt begonnen. Konkurrenz für das Konsortium rundum Tractebel kommt dabei nicht nur aus Dubai, sondern auch aus Singapur und sogar direkt von Deutschlands Nachbarländern. In den Niederlanden haben sich bereits im vergangenen Jahr sechs Unternehmen zusammengetan, um die erste Offshore-Solaranlage der Welt in der Nordsee zu bauen.

Denn neben dem höheren Ertrag könnten sich PV-Anlagen auf hoher See auch auf Kostenseite lohnen. „Generell hat ein schwimmendes PV-Kraftwerk zwar ungefähr 20 Prozent höhere Gestehungskosten als eine Freiflächenanlage. Es ist damit aber immer noch deutlich günstiger, als eine kleine Solaranlage auf dem Dach“, sagt Experte Wirth. Die sinkenden Kosten für erneuerbare Energien, die mittlerweile unter denen von neuen Öl-, Gas- und Kohlekraftwerken liegen, machen es möglich.

Wenn dann auch noch die zusätzlichen Herausforderungen, wie Wind, Wellen und Auswirkungen auf das Ökosystem überwunden werden, könnte schwimmende Photovoltaik vor allem da sinnvoll sein, wo bereits Windräder stehen, um bereits vorhandene Stromleitungen gemeinsam zu nutzen. Die Frage ist nur noch, wer das Rennen gewinnt.

Mehr: Versorger bauen weltweit Photovoltaikanlagen in Gewässern. Das soll nicht nur Agrarflächen schonen, sondern auch höhere Stromerträge bringen als an Land.

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1 Kommentar zu "Erneuerbare Energien: Das Rennen um die weltweit erste Offshore-Solaranlage hat begonnen"

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  • Das Problem Standort Nordsee ist sicherlich die relativ geringe Anzahl von Sonnenstunden.
    Aber im Mittelmeer kommt man sicher auf wesentlich bessere Rentabilitaet der Investition.
    Und wie sieht es wohl im Toten Meer oder vor Sinai aus. Und in der Naehe des Aequators
    hat man natuerlich konstant mehr Tages- und Sonnenlicht - Winter wie Sommer 12 h.