Energie

Erneuerbare Energien Junge Firma will Solarthermie-Markt aufmischen

30 Prozent weniger Kosten für Solarthermieanlagen - das versprechen die Gründer von Protarget. Schaffen wollen zwei ehemalige Auto-Manager und ein Ingenieur das mit dem Baukasten-System aus der Automobilproduktion.
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Die Sonne scheint über einem Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas. Quelle: dpa

Die Sonne scheint über einem Parabolspiegel mit in der Mitte platzierten Solarreceivern eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks in der Nähe von Las Vegas.

(Foto: dpa)

Ende Oktober schockte eine Meldung die Solarthermie-Branche: Siemens steigt aus dem Markt aus. Der Konzern hatte 2009 für 418 Millionen Dollar ein israelisches Solarthermie-Unternehmen gekauft, nach Abschreibungen in Höhe von 50 Prozent will Siemens-Chef Peter Löscher die Firma wieder loswerden. Der Zukauf hatte die Erwartungen der Münchner nicht erfüllt.

Es sieht nicht gut aus für die Solarthermie. Bei dieser Technik wird mit Hilfe der Sonnenstrahlen Wasser erhitzt, sodass es verdampft. Der Dampf treibt Generatoren an, die Strom erzeugen. Bei der Photovoltaik-Technik wird hingegen direkt mit den Sonnenstrahlen Strom produziert, der ins Netz eingespeist werden kann.

Die Photovoltaik wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt, sodass die Preise für die Anlagen in den vergangenen fünf Jahren um rund 50 Prozent gefallen sind. Da kann Solarthermie nicht mithalten.

Ausgerechnet in diesen schwierigen Zeiten steigt ein kleines Kölner Unternehmen in den Markt ein und verspricht Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent für seine Anlagen. Die Gründer und Hauptanteilseigner John Mitchell und Martin Scheuerer arbeiteten mehr als zehn Jahre als Manager in fast allen Unternehmensbereichen des japanischen Autoherstellers Toyota - von dort haben sie das in der Industrie bewährte standardisierte Baukasten-Prinzip zur Fertigung mitgebracht. Das soll nun die Produktion ihrer Solarthermieanlagen billiger machen.

Die Idee für ihr Unternehmen wurde vom Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) mitentwickelt. Ein Pilotprojekt steht bereits bei Rosenheim in Bayern. „Dass die Kosteneinsparungen von 30 Prozent auch realistisch sind, haben wir mit unserer Pilotanlage unter Beweis gestellt. Die wurde bereits unter den Bedingungen der standardisierten Serienproduktion hergestellt.“

Die zweijährige Forschung bis zum Pilotprojekt haben die Gesellschafter nach eigenen Angaben komplett aus eigener Tasche bezahlt. Erst, als es an die Pilotanlage ging, holten sich die ehemaligen Automanager Hilfe zur Finanzierung. Sie fanden sie in Form eines privaten Investors, der mit 20 Prozent einstieg, und des Bielefelder Autozulieferers Hörmann Automotive, der sich mit 10 Prozent an Protarget beteiligte. Anfang 2013 wollen die Kölner wieder nach Investoren suchen, ein Gang an die Börse ist bisher nicht geplant.

Handelsblatt Energie Briefing
Höhere Versorgungssicherheit als bei Photovoltaik
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7 Kommentare zu "Erneuerbare Energien: Junge Firma will Solarthermie-Markt aufmischen"

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  • Hi Fredi...ich vermute, dass Sie sehr stolz darauf sind einige ökoreligiöse Parolen repetieren zu können.

    Vandale

  • 30% Kosteneinsparungen, da merken wir, daß wir erst ganz am Anfang der erneuerbaren Energien stehen.
    Die Frage ist nur, wird bei uns entwickelt, oder im Ausland.
    Gelingt es schwarz-gelb die Erneuerbaren Energien zu zerstören, oder kommt rot-grün zeitig genug um die Geschenke an die Energiekonzerne zurückzufahren. (heute wurde auch noch ein Geschenk an jeden stromsparenden Großabnehmer verabschiedet - es zahlt wieder der Bürger)
    Diese Gelder sind bei den Erneuerbaren Energien besser aufgehoben!

  • @ vandale

    Am höchsten subventioniert werden in Deutschland Kohle- und Kernkraftwerke.
    Letztere rechnen sich nur, wenn der Steuerzahler die Entsorgung übernimmt und auf Risikoversicherung verzichtet wird.
    Alle KKW in Deutschland haben keine Versicherung gegen Atomunfälle, trägt bei Bedarf der Steuerzahler!!!

  • Hi Charly...wenn Sie sich mal ein paar Kraftwerke im Iran, Tunesien... ansehen die nicht direkt am Meer stehen und auch wissen was Sie sehen, dann werden Sie dort Trockenkühltürme finden. Trockenkühltürme funktionieren ähnlich einem Autokühler. Man pustet Luft zwischen verrippten mit Wasser durcströmten Rohren hindurch. Einfach mal googlen.

    Der Nachteil sind hohe Baukosten, ein schlechter Wirkungsgrad, z.B. 60 statt 40 mbar im Kondensator und höhere Betriebskosten. Angesichts dessen, dass solcher Solarstrom etwa ein 10-faches dessen von Strom, erzeugt in modernen Kraftwerken kostet, hohe Subventionen geniesst, sollte dies eigentlich nicht stören.

    Vandale

  • 1.Solarthermie kann doch auch dezentral eingesetzt werden, aber halt nur zur Wärmeversorgung oder in Kombination mit einer Wärmepumpe auch eine interessante Angelegenheit.

    2. Sie wissen aber schon, wie kalt es nachts in der Wüste werden kann. Somit sind schon einmal mind. 8h Stunden der benötigten kalten Luft gedeckt. Das Wasserproblem ist auch nur eine einmalige Sache, da doch alles im Kreislauf geführt wird, abgesehen von ein paar Leckagen vielleicht.

    3. M.E. nach ist es sinnvoller über die konzentrierende zentrale Solarthermie indirekt Strom zu erzeugen, anstatt die Wüste komplett mit PV zu zubauen. Wenn man denn schon dieses Ziel verfolgt. In Spanien gibt es ein Pilotprojekt mit dieser Verfahrensweise, das nach externen Informationen ganz gut läuft. Es wird momentan erweitert.

  • Aber Solarthermie kann im Gegensatz zur Photovoltaik nur im Grosseinsatz Verwendung finden. Photovoltaik kann zur dezentralen Eigenversorgung eingesetzt werden, Solarthermie ist nur im Grossen und mit dem Technik-Know-How einer Grossfirma machbar.

    Ausserdem erzeugt Solarthermie Strom ja nicht direkt sondern indirekt über eine DampfTurbine. Eine Dampfturbine benötigt aber eine Kühlung (Carnot), In der Wüste mit Heissluft zu kühlen ist problematisch, also benötigt Solarthermie Wasser, (in der Wüste ist das oft Grundwasser)
    Solarthermie ist also nicht unbedingt umweltfreunlicher als Photovoltaik, wird aber von Grosskonzernen propagiert, weil sie nicht dezentralisiert werden kann.

  • Die Produktionsverlagerung der umweltschädlichen Photovoltaikzellen nach China hat diese Technik soweit verbilligt, dass die Solarthermie sehr eindeutig das Nachsehen hat. Deshalb dürfte auch dieser Vorstoss keine Erfolgsaussichten haben.

    Der Strom aus der Solarthermie ist mittels Wärmespeichern eher dem Bedarf anzupassen als Photovoltaikstrom und damit wertvoller, bzw. nicht so wertlos wie der Photovoltaikstrom. Allerdings wird dies in keinem Subventionsgesetz abgebildet. Das Eingeständnis das Photovoltaikstrom wertlos ist, würde den betroffenen Politikern und Lobbyisten schwer fallen.

    Die Solarthermie lässt sich am sinnvollsten in sonnenreichen Wüstenregionen nutzen. Die Subventionsgeetze sind jedoch national beschränkt. Deutschland hat lediglich eine Absichtserklärung gegeben Desertec mit einem 2-stelligem Millionenbetrag subventionieren. Dafür gibt es dann lediglich ein sehr bescheidenes Oekosolarmonsterchen.

    Fazit...Solange die Bundesregierung nicht willens ist signifikante Subventionsversprechen für Installationen in südlichen Ländern zu geben wird es keine Solarthermie geben.

    Vandale

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