Energie

Erneuerbare Energien Kostenfalle Offshore-Wind

Die Preise für Windstrom auf hoher See fallen rasant – außer in Deutschland. Nun verspricht die Branche auch hierzulande die Kosten zu senken, dämpft aber die Erwartungen. Faule Ausreden, zürnen Kritiker.
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Deutsche Offshore-Windparks müssen weiter von der Küste entfernt gebaut werden als in Dänemark. Deshalb ist die Stromerzeug teurer. Quelle: dpa
Offshore-Windpark Butendiek

Deutsche Offshore-Windparks müssen weiter von der Küste entfernt gebaut werden als in Dänemark. Deshalb ist die Stromerzeug teurer.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSeit Jahren redet sich Norbert Giese den Mund fusselig. Der Leiter des Lenkungskreises Offshore-Windenergie beim Wirtschaftsverband VDMA schwärmt bei jeder Gelegenheit von den Vorteilen von Windrädern auf hoher See. Schließlich wehe der Wind über dem Meer stetiger und mit einer höheren Geschwindigkeit als an Land. Seine Lobbyarbeit hat sich bezahlt gemacht.

In der deutschen Nord- und Ostsee drehen sich mittlerweile 947 Windräder, die rund drei Millionen Haushalte mit grünem Strom versorgen. Die neuesten Ausbauzahlen, die am Donnerstag von Giese und der Offshore-Windbranche vorgestellt wurden, zeigen: Im Vergleich zu 2015 konnte die Stromerzeugung aus Meerwindanlagen im vergangenen Jahr um 57 Prozent gesteigert werden – auf 8,3 Terrawattstunden. Ein schöner Erfolg, der allerdings einen Schönheitsfehler hat: Er wurde teuer erkauft.

Während in Europa die Entgelte für Windstrom auf hoher See drastisch fallen, zahlen deutsche Verbraucher weiterhin teils drei Mal so hohe Vergütungen an Anlagenbetreiber. Ein Beispiel: Der schwedische Energiekonzern Vattenfall erklärte sich im Herbst vergangenen Jahres dazu bereit, den Windpark „Kriegers Flak“ in dänischen Gewässern zu errichten – mit einem Spottpreis von nur 4,99 Cent je Kilowattstunde Strom. In Deutschland erhalten Betreiber von Offshore-Windparks dagegen bis jetzt eine staatlich garantierte Vergütung je Kilowattstunde von anfänglich bis zu 19,4 Cent.

Wegen der enormen Preisdifferenz stehen Giese und die heimische Offshore-Windbranche seit Monaten in der Kritik. Nun verspricht die Industrie aber auch für Deutschland Besserung. In einer gemeinsamen Erklärung des VDMA, der Stiftung Offshore Wind und des Bundesverbands Windenergie erwartet die Branche „auch für Deutschland Kostenreduktionen bei den bevorstehenden Ausschreibungen“. Gleichzeitig knüpft die Industrie einen möglichen Preissturz aber an Bedingungen.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

„Verlässliche politische Rahmenbedingungen und substanzielle Ausbauvolumina sind notwendig, damit die Offshore-Windindustrie weitere Kostensenkungen in Deutschland erreichen kann“, heißt es in der Erklärung. Im Klartext bedeutet das: Beschränkt die Politik den Zubau neuer Offshore-Anlagen in Deutschland wie geplant ab 2021 auf eine jährliche Kapazität von 500 Megawatt, sieht sich die Branche leider nicht imstande, die Kosten allzu schnell und deutlich zu senken.

„Die Argumentation der Offshore-Windbranche kommt nahezu einer Erpressung gleich“, kritisiert Manuel Frondel. Der Energieexperte vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung appelliert an Politik und Industrie: „Statt unglaublich viele Windparks ins Meer zu stellen, wäre es klüger einen Technologiewechsel vorzunehmen und etwa wie die Ölindustrie auf schwimmende Fundamente zu setzen.“ Den entscheidenden Durchbruch bei den Kosten würden nicht Skaleneffekte, sondern neue Technologien bringen. „Es kann nicht die Lösung sein, dass man wie bei der Photovoltaik versucht, die Kosten zu senken, indem man massiv in die Fläche geht“, erklärt Frondel.

Handelsblatt Energie Briefing
Offshore-Strom in Dänemark ist deutlich preiswerter
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1 Kommentar zu "Erneuerbare Energien: Kostenfalle Offshore-Wind"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel,Ebsel, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

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