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Erneuerbare Energien PNE Wind AG streicht „Wind“ aus dem Namen

Der Windparkbauer will sich zum Anbieter von grünen Energielösungen wandeln – und ändert mit der neuen Strategie auch gleich den Firmennamen.
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Windparks gehören zum Geschäft von PNE Wind. Quelle: dpa
Windenergie

Windparks gehören zum Geschäft von PNE Wind.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIm beschaulichen Cuxhaven schwebt Markus Lesser Großes vor. Der Chef der PNE Wind AG mit Sitz an der Nordseeküste will den kleinen Projektierer zu einem Anbieter für saubere Energielösungen wandeln. Bisher plante, baute und verkaufte das Unternehmen in 13 Ländern der Welt Windparks.

Ein ziemlich volatiles Geschäft. Nach Jahren des Booms stürzen zudem die Vergütungen für aus Windrädern erzeugten Strom ins Bodenlose. Alles in allem: Keine guten Aussichten für Anleger von Firmen wie PNE. Daher sucht Lesser nach Wegen die Erträge seiner Firma zu verstetigen und gleichzeitig die Gewinnspannen zu heben.

„Wir wollen insbesondere stärker in das Dienstleistungsgeschäft einsteigen“, sagte Lesser dem Handelsblatt. Seine Vision: Statt einfach nur Windparks zu errichten oder Grünstrom zu produzieren, der phasenweise wegen der verstopften Netze ohnehin nicht abtransportiert werden kann, will er künftig beispielsweise „Hybridkraftwerke bauen“.

Das sind die größten Windkraft-Konzerne der Welt
Platz 14: XEMC (China)
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Nirgendwo auf der Welt werden jährlich mehr Windräder ans Stromnetz angeschlossen als in China. XEMC profitiert zwar von diesem Boom, hat aber durch einen etwas schwächeren Windmarkt an Bedeutung verloren. Der chinesische Elektrokonzern hat im Jahr 2009 die niederländische Energiefirma Darwind gekauft und sich so wertvolles Know-how für die Herstellung von Windturbinen und Rotorblättern gesichert, den wichtigsten Komponenten von Windenergieanlagen. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma FTI Intelligence brachte es XEMC 2017 auf fast tausend verkaufte Turbinen und einen Marktanteil von 1,8 Prozent.

Marktanteil 1,8 Prozent.  

Platz 13: Sewind (China)
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Im vergangenen Jahr fand sich auf diesem Platz noch der chinesische Staatskonzern Dongfang, im Ranking 2017 wird er von seinem ebenfalls chinesischen Konkurrenten Sewind zwei Plätze nach hinten verwiesen. Die Windkraftsparte des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Electric produziert in zwei Fabriken jährlich mehr als 3.000 Windräder. Besonders erfolgreich ist das Unternehmen mit seinen Anlagen auf hoher See. Im Segment Offshore-Wind zählt Sewind zu den drei größten Herstellern weltweit. In Deutschland sind die Chinesen zudem am Maschinenbauer Manz AG beteiligt.

Marktanteil: 2,1 Prozent.  

Platz 12: CSIC Haizhuang (China)
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Unter den 15 führenden Windkraftkonzernen der Welt befinden sich gleich acht Unternehmen aus China. Der Grund ist simpel: Im Reich der Mitte wurden alleine 2017 mehr als 45 Prozent der weltweit neu installierten Windräder ans Stromnetz angeschlossen. Ausländische Firmen kommen in China kaum zum Zug, der Markt ist weitgehend abgeschottet. Dieser Heimatbonus beflügelt Konzerne wie CSIC Haizhuang – sie prägen verstärkt den Weltmarkt.

Marktanteil: 2,3 Prozent.

Platz 11: United Power (China)
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Der chinesische Windkraft-Konzern, United Power, bekommt die gedämpfte Entwicklung auf dem Heimatmarkt stark zu spüren. Vom siebten geht es auf den elften Platz und der Marktanteil schrumpft um ganze 1,2 Prozent. Die Tochtergesellschaft des staatlichen Stromversorgers China Guodian produziert Turbinen für Windräder an Land und auf hoher See in beinahe allen Leistungsklassen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 10: Suzion (Indien)
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Dank eines Boom-Jahres auf dem heimischen Markt, hat der indische Windturbinenhersteller Suzion es in die Top 15 geschafft. Das ist allerdings auch der Markt, auf den fast 40 Prozent des Geschäfts von Suzion entfallen. Im laufenden Jahr wird aufgrund von der Umstellung auf offene Ausschreibungen erst einmal mit einem Einbruch des indischen Marktes gerechnet, dann muss auch der Windradbauer zunächst mit einem Auftragseinbruch rechnen.

Marktanteil: 2,6 Prozent.

Platz 9: Senvion (Deutschland)
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Deutschlands viertgrößter Windkraftkonzern Senvion hat es auch global wieder unter die Top 10 geschafft. Ganze drei Plätze brachte ihn ein Rekordjahr auf dem deutschen Markt nach vorne. In der Bundesrepublik wurde noch nie soviel Windkraftleistung installiert wie im vergangenen Jahr: Ganze 6,5 Megawatt. Im nächsten Jahr könnte das aber wieder ganz anders aussehen. Die Hamburger kämpfen mit schwindenden Subventionen, massiven Preiskampf und sinkenden Umsätzen.

Marktanteil: 3,7 Prozent.

Platz 8: Mingyang (China)
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Chinas drittgrößter Windkraftkonzern will sich vom Maschinenbauer zum Service-Unternehmen wandeln. Zwar soll die Produktion von Turbinen, Gondeln und Rotorblättern weiterhin eine wesentliche Säule des Geschäfts bleiben, aber die Wartung und Instandhaltung von Windrädern verspricht höhere Renditen. Im Gegensatz zu den meisten anderen chinesischen Windkonzernen, konnte Mingyang seinen Marktanteil 2017 sogar vergrößern.

Marktanteil: 4,7 Prozent.

Wind- und Solarparks werden dabei mit „Speichertechnologien, Gasturbinen oder Elektrolyseuren kombiniert“, erklärte Lesser. Bis zu 40 Prozent des Betriebsergebnisses sollen bis 2023 derlei neue Geschäfte ausmachen. Ein radikaler Wandel.

Zur neuen Strategie passt der alte Name nicht mehr, findet Lesser. Er will der Hauptversammlung deshalb vorschlagen, die PNE Wind AG umzutaufen – in PNE AG. „Das 'Wind' fällt weg“, sagt Lesser. Das Kürzel PNE, das einst für Plambeck Neue Energien stand, soll künftig „Pure New Energy“ bedeuten. „Damit machen wir für jeden klar, wofür wir stehen“, erklärt Lesser. Der Aufsichtsrat hat die Pläne des Managers bereits abgesegnet, jetzt müssen nur noch die Aktionäre am 6. Juni zustimmen.

Namensänderungen in der Energiewirtschaft sind derzeit en vogue. So änderte etwa der dänische Offshore-Wind-Weltmarktführer Dong seinen Namen vor einigen Monaten in Ørsted. Der deutsche Solar- und Windparkbetreiber Capital Stage firmiert seit März dieses Jahres unter dem Namen Encavis. Und der norwegische Ölriese Statoil kündigte kürzlich an, sich in Equinor umbenennen zu wollen.

Alle Unternehmen eint bei ihren Umfirmierungen ein strategischer Neustart. Bei PNE ist es sogar so etwas wie ein zweiter Neustart seit Lesser vor fast zwei Jahren Vorstandschef wurde. Denn der Manager hat nach turbulenten Zeiten endlich wieder Ruhe in die Ökostromfirma gebracht.

Vor seiner Zeit als CEO lähmte ein erbitterter Machtkampf zwischen Ex-Großaktionär Volker Friedrichsen und Ex-Vorstandschef Martin Billhardt das Unternehmen. Es ging um teure Dienstreisen, eine Schadensersatzforderung in Millionenhöhe und Gehälter, die sonst nur in milliardenschweren Dax-Konzernen bezahlt werden, nicht aber in einem Unternehmen, das jährlich zwischen 100 und 250 Millionen Euro umsetzt.

Diese unrühmliche Vergangenheit hat PNE abgeschüttelt, das Unternehmen steht mittlerweile wieder solide da. „Mit 194 Millionen Euro zum Jahresende 2017 haben wir eine herausragende Cash-Position“, sagt Lesser. Gut hundert Millionen Euro davon muss PNE aber dafür aufwenden, um eine mit acht Prozent verzinste Mittelstandanleihe zurückzuzahlen.

Lesser will aber gleich wieder eine neue Anleihe auflegen. Dieses Mal in der Höhe von 50 bis 60 Millionen Euro mit einer Verzinsung von 4,0 bis 4,75 Prozent. „Unsere Zinsbelastung reduziert sich dadurch von acht auf rund zwei Millionen Euro pro Jahr. Das ist eine riesige Erleichterung“, freut sich Lesser. 

Der Manager will den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bis 2023 um bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt des Betriebsergebnisses zwischen 2011 und 2016 steigern. Das hieße, dass PNE das Ebit von rund 29 Millionen Euro binnen fünf Jahren im besten Fall auf gut 60 Millionen steigern würde.

Arash Roshan Zamir glaubt, dass PNE ein „schlüssiges Konzept“ besitzt, um dieses Ziel zu erreichen. „Die Idee, Strom nicht nur zu produzieren, sondern auch zu veredeln, macht schon Sinn“, lobt der Analyst von Warburg Research.

Gleichzeitig muss PNE aber seine Hausaufgaben im Kerngeschäft machen, dem Bau von Windparks. Anders als klassische Projektentwickler verkauft PNE nicht jeden Windpark einzeln, sondern gebündelt in einem großen Portfolio. Hier plant Lesser bis 2020 ein neues 200-Megawatt-Paket im Wert von mehr als 300 Millionen Euro aufzubauen.

Bereits einmal hat der Verkauf im Bündel gut funktioniert. Eine Garantie, dass es wieder klappt, ist das aber nicht. Zwar ist der Verkaufswand im Paket geringer, der Erlös aber nicht zwangsweise höher – insbesondere, wenn die Vergütungen für Windstrom weiter so rasant fallen.

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