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Energie

Erneuerbare Energien Warum trotz hoher Nachfrage immer noch deutsche Solarfirmen pleitegehen

Von der einstigen Boom-Branche ist heute kaum etwas übrig geblieben. Nun verschwinden auch noch die letzten deutschen Solarhersteller vom Markt.
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Von dem deutschen Solar-Boom profitieren meist chinesische Hersteller.  Quelle: obs
Photovoltaik

Von dem deutschen Solar-Boom profitieren meist chinesische Hersteller. 

(Foto: obs)

Düsseldorf Die Solarbranche boomt: Immer mehr Menschen legen sich eine Solaranlage zu, der Anteil von Sonnenenergie im Strommix wächst, und im Juni war Photovoltaik (PV) sogar erstmals die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat, vor Braunkohle und Windkraft.

Und trotzdem gibt es immer wieder Meldungen von deutschen Solarkonzernen, die schließen müssen

Erst am Freitag bestätigte der Solarmodulhersteller Solibro aus Thalheim in Sachsen-Anhalt, dass er Insolvenz anmelden muss. Damit ist auch der letzte Photovoltaik-Hersteller aus dem „Solar Valley“, ein Gebiet rund um die Stadt Bitterfeld-Wolfen in der Nähe von Leipzig, pleite. 

Zur Hochzeit der heimischen Solarindustrie arbeiteten dort zeitweise 3000 Menschen bei Firmen wie CSG Solar, Q-Cells oder Sovello. Firmen, die es heute entweder nicht mehr gibt, oder die an ausländische, meist asiatische Konkurrenzunternehmen verkauft wurden. Nun hat auch der letzte verbliebene Modulhersteller des früheren Vorzeige-Solarstandorts aufgegeben.

„Aufgrund der schwierigen Marktsituation sowie der Aufhebung der Strafzölle auf importierte Photovoltaik-Module in 2018 haben die Gesellschafter der Solibro GmbH entschieden, die Massenproduktion von PV-Modulen am Standort nicht mehr fortzuführen“, sagte eine Sprecherin des Konzerns dem Branchenblatt „PV-Magazin“. Den Insolvenzantrag wolle man noch in diesem Monat stellen.

Solibro steht am Ende einer ganzen Reihe von Pleiten. Phoenix Solar, Centrosolar, Solarhybrid, Solarmillennium – die Liste gescheiterter deutscher Photovoltaik-Unternehmen ist lang geworden. Den medienwirksamsten Abgang hatte der selbst ernannte „Sonnenkönig“ Frank Asbeck mit seiner Solarworld hingelegt. Bei dem einst größten Modulproduzenten Deutschlands stehen die Bänder seit September 2018 endgültig still.

Konkurrenz aus China dominiert den Markt 

„Die großen deutschen Solarfirmen sind schon alle von der Bildfläche verschwunden. Jetzt gibt es noch ein paar kleine und mittelgroße Unternehmen, aber auch hier knicken immer mehr ein“, erklärt Experte Götz Fischbeck von der Beratungsagentur Smart Solar Consulting. „Der überwiegende Teil der Module kommt mittlerweile aus China.“ Das heißt, die gestiegene Nachfrage auf dem deutschen Solarmarkt wird hauptsächlich mit PV-Modulen „Made in China“ gedeckt.

Seitdem die üppigen Subventionen für Solaranlagen in Deutschland massiv gekürzt wurden, herrscht auf dem Solarmarkt ein harter Preiskampf, von dem chinesische Unternehmen ganz besonders profitieren. Deutsche Firmen können ihre Produkte nicht günstiger herstellen als die Konkurrenz aus China. Die Preise für Solarmodule sind in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 85 Prozent gesunken. Preise, die auf dem deutschen Markt 2012 fast für einen Kollaps sorgten. 

Kurz nachdem die deutsche Regierung die Fördersummen für Solarstrom deutlich reduziert hatte, war auch Solibro schon einmal in die Insolvenz gerutscht. Die Rettung kam damals ausgerechnet aus China: Hanergy, einer der größten Solarkonzerne der Welt, kaufte den deutschen Modulspezialisten. Heute hält der Pekinger Konzern laut eigener Aussage aber nur noch Beteiligungen an den beiden Subunternehmen Solibro Hi-Tech und Solibro Research AB. 

„Für kleine Firmen gibt es auf dem deutschen Markt einfach nicht genug Nischen. Der Großteil kann bei dem harten Preiswettkampf der chinesischen Hersteller nicht mithalten“, sagt Fischbeck. Bei Solibro komme außerdem hinzu, dass es auf die teure Dünnschicht-Technologie gesetzt habe, während sich auf dem Markt die kostengünstigere Alternative der kristallinen Module durchgesetzt habe. 

Grafik

Ein Blick in den Geschäftsbericht zeigt, dass Solibro tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Allein 2017 machte der Konzern fast zehn Millionen Euro Minus.

„Auf einem Markt, der von chinesischen Firmen dominiert wird, macht niemand Gewinn. Die meisten chinesischen Solarkonzerne kommen gerade mal so auf null raus, aber dem Staat ist das egal“, glaubt Experte Fischbeck. „Es geht darum, sich diese Vormachtstellung zu sichern und parallel Arbeitsplätze im eigenen Land zu schaffen.“

Branchenverband beklagt künstliche Marktbarrieren

Der Wegfall der von der EU verordneten Mindestpreise auf chinesische Solarmodule und -zellen im September vergangenen Jahres verschärfte die Situation zusätzlich. Nach der ersten Marktschwemme durch chinesische Solarmodule waren die Strafzölle 2013 eingeführt worden. Nach der Abschaffung müssen sich die verbliebenen deutschen Solarhersteller im freien Wettbewerb beweisen – und haben es dabei schwer.

Dass nun nach den Großen auch die Kleinen reihenweise in die Pleite schlittern, liegt nach Meinung des Bundesverbandes der deutschen Solarwirtschaft (BSW) aber nicht nur an der Konkurrenz aus Fernost. „Das Korsett eines politisch hochgradig gedeckelten Inlandsmarktes und ein sehr starker Preiskampf nehmen manchem Unternehmen die Luft zum Atmen. Beim Abbau künstlicher Marktbarrieren hätten innovative Mittelständler deutlich bessere Überlebenschancen und Wachstumsperspektiven“, meint Carsten Körnig. Der BSW-Geschäftsführer spielt damit auf den Ausbaudeckel für Solaranlagen an.

Die Branche fordert bereits seit langem ein Ende der Begrenzung. Aktuell sind in Deutschland knapp 48 Gigawatt Solarleistung installiert. Das Gesetz sieht einen Förderstopp vor, wenn alle geförderten Anlagen zusammen 52 Gigawatt Strom produzieren können. „Die Lage wird sich entspannen, sobald die Politik die jährlichen Ausbauziele für die Solarenergie heraufsetzt und den Ausbaudeckel endlich aufhebt“, fordert Körnig. Schließlich brauche Deutschland deutlich mehr Photovoltaik, wenn die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen wolle.

Tatsächlich tun sich selbst mittelständische Unternehmen wie der Modulhersteller Solarwatt unter dem harten Preisdruck schwer, im eingeschränkten Marktumfeld zu überleben. Das Dresdner Unternehmen setzt zwar auf eine besondere Modulart, um sich von der Konkurrenz abzuheben, kommt jedoch lediglich über die Runden, weil BMW-Großaktionär Stefan Quandt aushilft.

Nach der schweren Solarkrise im Jahr 2012 übernahm Quandt über seine Beteiligungsgesellschaft Aqton SE 90 Prozent von Solarwatt und rettete den deutschen Modulhersteller so vor der Insolvenz. Schwarze Zahlen schreibt das Unternehmen bis heute nicht.

Auch Solarexperte Fischbeck sieht in der Aufhebung des Ausbaudeckels eine Möglichkeit, den Druck auf kleine und mittlere PV-Unternehmen zu verringern. „Sie hätten in Deutschland wenigstens eine Chance, wenn es hier und im Rest Europas nicht überall eine Begrenzung des Marktes geben würde“. Denn nur in einem großen Markt könnten sich auch genug komfortable Nischen für Spezialisten wie Solarwatt bilden.

Mehr: Solarspeicher galten bis vor Kurzem noch als teure Spielerei. Doch die Technik wird immer beliebter. Auch größere Anbieter wagen sich auf den Markt.

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1 Kommentar zu "Erneuerbare Energien: Warum trotz hoher Nachfrage immer noch deutsche Solarfirmen pleitegehen"

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  • ...der Anteil von Sonnenenergie im Strommix wächst, und im Juni war Photovoltaik (PV) sogar erstmals die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat, vor Braunkohle und Windkraft...
    Ich hörte von einer spannenden Innovation: Die Berliner Neutrino-Energy Group entwickelt innovative Patente, die es ermöglichen, das nichtsichtbare kosmische und solare Strahlenspektrum in elektrischen Strom zu wandeln. Das neueste Produkt ist die NeutrinoVoltaic, die ähnlich wie die bereits seit den 90iger Jahren bekannte solare Photovoltaic funktioniert, allerdings auch ohne Sonnenschein und 24h in 365Tagen im Jahr, unendlich und weltweit. Darum heisst das patentierte Kleinfahrzeug dann auch PI, weil es mit unendlicher Reichweite ohne Auftanken fahren kann. Aber auch anwendbar für eine mobile und dezentrale Haushaltsenergie. Für den Klimaschutz jetzt emissionsfreie Neutrino-Energy nutzen - unendliche Ressourcen weltweit nutzbar. Dafür sollten sich unsere Politiker jetzt einsetzen und Wege ebnen.