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Energie

Erneuerbare Orsted baut ersten Windpark auf See ohne Fördergelder

Das Projekt in der Nordsee ist nicht nur der erste Offshore-Windpark weltweit, der ohne staatliche Fördergelder auskommen soll. Es gibt sogar schon einen Abnehmer für den Ökostrom.
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Die Offshore-Industrie sieht sich an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit.  Quelle: REUTERS
Windkraft auf See

Die Offshore-Industrie sieht sich an der Schwelle zur Wettbewerbsfähigkeit. 

(Foto: REUTERS)

Düsseldorf Als die ersten Windparks auf hoher See (Offshore) ohne staatliche Fördergelder angekündigt wurden, staunte die Energiebranche nicht schlecht. Wirklich daran geglaubt hatten allerdings die wenigsten. 

Anderthalb Jahre später hat der dänische Energiekonzern Orsted sogar schon den ersten Abnehmer für den subventionsfreien Ökostrom auf See gefunden: Das Leverkusener Chemieunternehmen Covestro hat mit den Dänen einen Stromliefervertrag über zehn Jahre abgeschlossen. 

Für Orsted-Offshore-Chef Martin Neubert ein klares Zeichen für die Wettbewerbsfähigkeit der Windkraft auf dem Meer. „Vor zehn Jahren hat zu uns auch noch jeder gesagt, dass Offshore-Windkraft das teuerste Forschungsprojekt wird, dass in der Küste je gestartet wurde, und viele haben uns belächelt“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Heute sind Kosten kein Thema mehr“, ist Neubert überzeugt. 

Ähnlich wie bei Windenergie an Land und Photovoltaik sieht sich auch die Offshore-Branche einem harten Preiswettkampf ausgesetzt. Seit viele Länder von festen staatlichen Vergütungen auf freie Ausschreibungen umgeschwenkt sind, bekommt nur noch der billigste Anbieter den Zuschlag. 

Orsted hatte bei insgesamt drei Projekten deswegen gleich mit null Cent an Fördergeldbedarf geboten – und gewonnen. Der Energiekonzern wird für seinen Windpark also keine staatliche Vergütung pro Kilowattstunde Strom bekommen, sondern den Windstrom am freien Markt verkaufen.

In den Monaten danach verkündeten immer mehr Betreiber, ihre Ökoprojekte ohne staatliche Förderung zu bauen. In Brandenburg plant der Energiekonzern EnBW gerade den größten Solarpark Deutschlands. Und zwar ganz ohne Subventionen.

Damit die Einnahmen später trotzdem nicht komplett den schwankenden Strompreisen ausgesetzt sind, schließen die meisten förderfreien Grünstromprojekte einen Direktabnahmevertrag ab, auch Power Purchase Agreement (PPA) genannt.

Allein im vergangenen Jahr summierten sich die Ökostromdeals laut Bloomberg New Energy Finance auf 13,5 Gigawatt weltweit – mehr als doppelt so viel wie 2017. Grund für den Anstieg ist vor allem die boomende Nachfrage seitens der Wirtschaft.  

Größter PPA-Deal für Offshore-Windkraft weltweit

Unternehmen wie Covestro können mit solchen PPAs nicht nur ihre CO2-Bilanz aufbessern, sondern sich gleichzeitig auch selbst gegen schwankende Strompreise absichern. „Mit dem Bezug von Grünstrom untermauern wir unsere umfassende Nachhaltigkeitsstrategie und rüsten uns für den zu erwartenden Anstieg der Energiepreise und CO2-Kosten“, sagte der Covestro-Vorstandsvorsitzende Markus Steilemann zu dem Vertrag mit Orsted. 

100 Megawatt (MW) bezieht der Chemieriese aus dem insgesamt 900 MW großen Windprojekt in der Nordsee. Es ist der bislang größte PPA-Deal für Offshore-Windkraft weltweit. „PPAs hatten bisher einen klaren Fokus auf die USA und Skandinavien. Jetzt kommt das Thema auch nach Deutschland“, sagt Neubert. Und ihre Zahl dürfte weiter steigen. 

Ab dem Jahr 2020 endet für viele Windparks die auf zwanzig Jahre begrenzte feste Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Schon jetzt haben zahlreiche Projekte sich deswegen mit einem Direktstromvertrag für die Zeit nach dem EEG abgesichert.

So haben Greenpeace Energy, Naturstrom und andere bereits PPAs für alte Windparks abgeschlossen und wollen den Ökostrom dann an ihre Kunden weiterverkaufen. Aber auch immer mehr neue Projekte planen lieber mit Lieferverträgen, als sich auf staatliche Vergütungen zu verlassen. 

Möglich wird das durch die Marktentwicklung. Zum einen sind die Preise für Windenergie deutlich gesunken. Zwischen 2012 und 2016 sind die Kosten für den Bau und Betrieb von Offshore-Windparks um 60 Prozent nach unten gegangen. Zum anderen befördern die Diskussion um eine mögliche CO2-Steuer und der immer größer werdende Druck auf Industrie und Wirtschaft das Thema enorm. 

„Ohne grünen Strom kann die Chemiebranche, aber auch die Industrie insgesamt nicht ihren Beitrag leisten, damit Deutschland wie im Klimaschutzplan festgelegt bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral wird“, sagt Covestro-Chef Steilemann. 
„Deutschland hat ein riesiges Offshore-Potenzial, und das brauchen wir, wenn die deutsche Industrie nachhaltiger werden will“, mahnt auch Neubert. Aktuell sehe er allerdings eher die Gefahr, dass Deutschland beim Thema Offshore zurückbleibt. 

Schleppender Netzausbau behindert Offshore-Industrie

Das geplante subventionsfreie Projekt Borkum Riffgrund 3 soll 2025 in Betrieb genommen werden. Dabei könnte der Windpark auch schon vorher fertig sein, nur den Netzanschluss gibt es erst 2023. 

„Während andere Länder ihre Offshore-Kapazitäten jedes Jahr erhöhen, geht in Deutschland von 2020 bis 2023 kein einziges Projekt ans Netz“, kritisiert Neubert. 

Nicht nur bei der Windkraft an Land, sondern auch bei der Offshore-Windenergie ist die Ausbaudynamik der vergangenen Jahre massiv eingebrochen – in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gingen nur 42 Anlagen auf hoher See neu ans Netz, im gesamten Vorjahr waren es noch 140 Anlagen.

Als Hauptursache dafür gilt der sogenannte Ausbaudeckel von 20 Gigawatt (GW) bis 2030, mit dem die Bundesregierung den Ausbau von Offshore-Windparks steuern wollte – unter anderem, weil der Netzausbau an Land nicht schnell genug vorankommt. 

Der Netzausbau in Deutschland kommt nicht so voran, wie er es müsste, um den Windstrom zuverlässig vom Norden in den Süden zu transportieren. Hunderte von Bürgerinitiativen im ganzen Land klagen gegen den Ausbau der nötigen Trassen. 

Große Hoffnungen setzen Branchenvertreter deswegen auf den Aufbau einer Wasserstoffindustrie. Damit soll grüner Windstrom in Zukunft nicht nur über Leitungen, sondern auch als Kraftstoff oder Gas über Pipelines und Straßen weiterverteilt werden. Das könnte den Netzausbau zumindest teilweise entlasten und das Wachstum der Windkraft auf See wieder ankurbeln. 

Sonst, warnt Neubert, könnte Deutschland den Anschluss an einen Milliardenmarkt der Zukunft verlieren. Genauer gesagt einen Billionenmarkt: 2040 soll die Windkraft auf See nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) ein Volumen von über 1,3 Billionen Dollar erreichen und Offshore-Energie zu der größten Stromquelle der Zukunft werden. 

Mehr: Die Internationale Energieagentur sieht Offshore-Windkraft auf dem Weg zur wichtigsten Stromquelle der Welt. Aber es gibt Hindernisse für die vermeintliche Super-Ökoenergie.

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