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Energie

Experten und Politik einig An CO2-Speichertechnologien führt kein Weg mehr vorbei

Lange war die Speicherung von CO2 verpönt. Doch auf dem Weg zur Klimaneutralität ist die Technik laut Fachleuten unverzichtbar. Das sehen auch die Grünen so.
25.11.2020 - 11:47 Uhr Kommentieren
Von der Plattform „Sleipner“ aus pumpen die Norweger bereits seit 1996 Kohlendioxid unter den Meeresgrund. Quelle: AFP
Bohr-Plattform „Sleipner“ in der Nordsee

Von der Plattform „Sleipner“ aus pumpen die Norweger bereits seit 1996 Kohlendioxid unter den Meeresgrund.

(Foto: AFP)

Berlin Für Dieter Janecek, den industriepolitischen Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, ist die Sache klar: „Angesichts der voranschreitenden Klimakrise müssen bei der Vermeidung von prozessbedingten Industrieemissionen alle Optionen auf den Tisch“, sagte Janecek dem Handelsblatt.

Die Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) ist damit ebenso Teil der Instrumente, die der Grünen-Politiker im Kampf gegen die Erderwärmung einsetzen will, wie CCU (Carbon Capture and Utilization), also die Nutzung von abgeschiedenem CO2.

Es herrscht seit Langem Übereinstimmung unter Fachleuten: Ohne CCS und CCU geht es nicht. Ob Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) oder Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) – wenn auch der letzte Rest prozessbedingter Emissionen keinen Schaden mehr anrichten soll, muss jede Technologieoption zum Einsatz kommen.

Damit hat sich ein Wandel vollzogen. Vor neun Jahren war in Deutschland ein CCS-Gesetz nach mehrjährigen Verhandlungen gescheitert. Damals hatten Kritiker argumentiert, es gehe darum, mittels der CCS-Technologie die Stromerzeugung in Kohlekraftwerken über die Zeit zu retten. Massiver Widerstand kam aus den Bundesländern, die dem Bund schließlich die Möglichkeit abtrotzten, die CCS-Technologie für jedes einzelne Bundesland auszuschließen. Damit war das Thema gestorben.

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    Da es jetzt aber nur noch um CCS für prozessbedingte Emissionen geht, dreht sich die Stimmung. Auch die Große Koalition in Berlin trägt dem Rechnung. Sie will CCS und auch CCU einsetzen: „Die Bundesregierung sieht in der Nutzung und Speicherung von CO2-Emissionen aus Industrieprozessen, die nicht anderweitig vermieden werden können, eine Möglichkeit für Beiträge auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität 2050“, heißt es im Bundeswirtschaftsministerium.

    Zahlreiche Studien und Szenarien zeigten, dass CCU und CCS insbesondere für einen Teil der prozessbedingten Emissionen der Industrie, die rund sieben Prozent der Gesamtemissionen in Deutschland ausmachen, eine relativ kostengünstige Dekarbonisierungsoption darstellten.

    Dies gelte insbesondere für Prozesse, für die aus heutiger Sicht keine alternativen Optionen bestünden. Potenziale sieht das Bundeswirtschaftsministerium vor allem bei großen CO2-Punktquellen wie der Stahl-, Klinker-, Kalkstein-, Ammoniak-, Ethylen- und Methanolproduktion. Auch die Zementproduktion zählt das Ministerium dazu.

    Hilfe aus Norwegen und den Niederlanden

    Längst tun sich beim Thema CCS für deutsche Unternehmen auch Perspektiven außerhalb des Landes auf: So werben etwa die Niederländer, CO2 aus Deutschland speichern zu wollen. Der Hafen von Rotterdam will im Rahmen seines „Porthos“-Projekts voraussichtlich ab 2024 jährlich 2,5 Millionen Tonnen CO2 unter dem Seeboden der Nordsee speichern.

    Ähnliche Initiativen gibt es auch in Norwegen. Mit ihrem Projekt „Northern Lights“ werben die Norweger für die CO2-Speicherung. „Wir stehen bereit, die deutsche Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität zu begleiten. Die sichere Offshorespeicherung von CO2 in Norwegen kann dabei nach unserer Überzeugung eine wichtige Rolle spielen“, heißt es etwa bei Equinor, dem Zusammenschluss von Statoil und den Erdöl- und Erdgasaktivitäten von Norsk Hydro. Früheren Aussagen zufolge hat man bereits Absichtserklärungen mit deutschen Unternehmen wie Thyssen-Krupp und Heidelberg Cement unterschrieben.

    Norwegen gehört zu den Pionieren der CO2-Speicherung. Bereits seit 1996 wird dort CO2 in sogenannte saline Aquifere tief unter dem Meeresgrund gepresst. In diesen porösen Gesteinsschichten wird es dauerhaft gebunden. Deutsche Umweltschützer warnen vor Gefahren durch Leckagen. In Norwegen dagegen unterstützen selbst Umweltschutzorganisationen die CO2-Speicherung als Beitrag zum Klimaschutz.

    Der Transport des Kohlendioxids kann grundsätzlich über Pipelines erfolgen. In Betracht kommen dabei schon existierende Erdgasleitungen. In einer Hochlaufphase wird allerdings der Transport in Tankschiffen favorisiert.

    Für Grünen-Politiker Janecek stellen CCS und CCU allerdings nicht die alleinige Lösung des Problems prozessbedingter Emissionen dar. Janecek hat dabei vor allen Dingen die Bauwirtschaft im Blick. „Zur Vermeidung von CO2-Emissionen in der Bauwirtschaft müssen wir viel stärker auf besseres Recycling mineralischer Rohstoffe und auf alternative Materialien setzen – und auf eine andere Baukultur, weniger Abriss und Neubau, mehr Erhalt von Bausubstanz und Bauen im Bestand“, sagte der Grünen-Politiker.

    Mehr: Klimaneutralität wird zur Schicksalsfrage der deutschen Industrie

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